So wird 2019/20

Nach einer ereignisreichen Saison, die im vergangenen Mai mit fünf Einladungen zum Berliner Theatertreffen gekrönt wurde, freuen wir uns auf eine neue und vielfältige Spielzeit mit über 70 Premieren im Sprech- und Musiktheater.

Dazu zählen 24 so unterschiedliche Uraufführungen wie die Roman-Adaption NICHTS WAS UNS PASSIERT von Bettina Wilpert, Wiederentdeckungen wie Roland M. Schernikaus LEGENDE, Stückentwicklungen wie I AM PROVIDENCE von Wilke Weermann oder DIE KRÄNKUNGEN DER MENSCHHEIT von Anna Helena Recke, musikdramatische Neuschöpfungen wie DIES IRAE - TAG DES ZORNS von Kay Voges, Alexander Kerlin und Paul Wallfisch und ›klassische‹ Stückaufträge (DAS HERZ DER KRAKE von Nis-Momme Stockmann oder HUNDERT JAHRE WEINEN ODER HUNDERT BOMBEN WERFEN von Darja Stocker).

Wir freuen uns außerdem über eine zunehmende internationale Vernetzung. Ersan Mondtag gibt an der Oper Flandern mit DER SCHMIED VON GENT sein Opern-Debüt, während Olga Bachs VERNICHTUNG in Stockholm produziert und Anne Leppers SEYMOUR in Japan gezeigt wird.

Erfolgreiche Produktionen wie die EDDA (Thorleifur Örn Arnarsson und Mikael Torfason), WOYZECK von Ulrich Rasche, LEONCE UND LENA von Thom Luz und TARTUFFE - DAS SCHWEIN DER WEISEN von PeterLicht werden nach Wien und München für ein neues Publikum in die Spielpläne übernommen.

Wir wünschen allen Kolleg*innen und natürlich vor allem den von uns vertretenen Künstler*innen eine hervorragende, inspirierte und erfolgreiche neue Spielzeit.

Herzlich,

Tobias Philippen und Marc Schäfers

neue Stücke bei schaefersphilippen ™

Nach dem großen Erfolg beim Berliner Theatertreffen samt Übertragung auf 3Sat wird PeterLichts TARTUFFE ODER DAS SCHWEIN DER WEISEN unter der neuen Intendanz von Andreas Beck an das Münchner Residenztheater übernommen. Beck setzt zudem die Zusammenarbeit mit dem Kölner Musiker und Autoren und Claudia Bauer fort: im Dezember wird die neue Arbeit DER EINGEBILDETE KRANKE in München uraufgeführt. Das eigenwillige Autor*innen - und Regieteam Stuhler/Koslowski bringt derweil gleich zwei neue Stücke zur Uraufführung. Erstmals arbeiten die beiden Berliner Künstler am Schauspiel Graz. Dort entsteht der Text DIE LEIDEN DER JUNGEN WÄRTER. Am Schauspiel Frankfurt haben die beiden mit DER ALTE SCHINKEN einen wahren Kassenschlager gelandet. Als Nachfolgeproduktion entsteht nun das Stück 1994 - FUTURO AL DENTE (UA: 6.12.2019). Im Auftrag für das Theater Basel hat Darja Stocker HUNDERT JAHRE WEINEN ODER HUNDERT BOMBEN WERFEN geschrieben, die Uraufführung am 18. Oktober inszeniert Franz-Xaver Mayr. Wilke Weermann, Autor und Regisseur, setzt in Kassel die dort begonnene Zusammenarbeit mit der Stückentwicklung I AM PROVIDENCE fort. Für sein Stück ANGSTBEISSER hat er das Hans-Gratzer-Stipendium 2019 erhalten. Damit verbunden ist die Uraufführung des Textes am Schauspielhaus Wien. Mit DAS HERZ DER KRAKE zeigt das Deutsche Theater ein neues Stück von Nis-Momme Stockmann. Gordon Kämmerer entwickelt in der Verbindung aus Text und Regie am Staatstheater Cottbus ein Stück über den (deutschen) WALD. 

neu bei schaefersphilippen ™

Zum Start in die neue Spielzeit möchten wir kurz jene Künstler*innen vorstellen, die erst seit kurzer Zeit von uns vertreten werden und über deren Vertrauen wir uns sehr freuen. Saar Magal erschafft Tanz-Theater- und Opern-Performances und arbeitet dabei mit Tänzer*innen, Schauspieler*innen, Sänger*innen, Forscher*innen, visual artists und Musiker*innen. Die theatralen Installationen der Künstler Thomas Bo Nilsson und Julian Wolf Eicke bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Theater, Bildender Kunst und Performance und sind bedingt durch ungewöhnliche theatrale Zeit- und Raumerfahrungen in aufwendig gestalteten Räumen. Laura Witzleben arbeitet als Choreographin und Tänzerin u.a. mit Thorleifur Örn Arnarsson zusammen, dessen Produktionen am Burgtheater und an der Volksbühne sie in der neuen Spielzeit unterstützt. Diana Syrse ist Komponistin und Sängerin aus Mexiko Stadt, deren musikalische Arbeiten Kammermusik, Choralmusik, Orchestermusik, Elektronik, sowie Arbeiten für Tanz und insbesondere Musiktheater beinhalten. Henning Nierstenhöfer, Mitglied der Band Erdmöbel, ist Posaunist mit Orchester- und Bühnenerfahrung und arbeitet als Theatermusiker sowohl am Stadt- und Staatstheater. Die Kostümbildnerin Slavna Martinovic arbeitet im Bereich der Bildenden Künste mit verschiedenen Regisseur*innen, Choreograph*innen, Komponist*innen und Musiker*innen zusammen. Sie hat Kostüme für Bühnen auf der ganzen Welt entworfen: u. a. für das Schauspiel Köln, für die Oper Göteborg, für das Théâtre national de Chaillot Paris und das Taichung Metropolitan Opera House.

 

Die Premieren im September

Nachdem das Stadttheater Gießen mit einer frühen Premiere zum 28. August den Anfang gemacht hat (NICHTS WAS UNS PASSIERT), zeigt Wilke Weermann ab dem 5.9. sein Klassenzimmerstück RAGE am Deutschen Theater sowie an Schulen in und rund um Berlin. Falk Richter (»Serotonin« am Schauspielhaus Hamburg) und Ersan Mondtag (»Baal« am Berliner Ensemble) folgen am 6. September mit Eröffnungspremieren in Hamburg und Berlin. In Weimar inszeniert Christian Weise - unterstützt von der Bühnenbildnerin Paula Wellmann - »Hoffmanns Erzählungen« (8.9.), während Thorleifur Örn Arnarsson seine zweijährige Amtszeit als Schauspieldirektor der Berliner Volksbühne am 12. September mit einer Neuschreibung der »Odyssee« (gemeinsam mit Mikael Torfason) beginnt. Zur Eröffnung der neuen Intendanz zeigt das Burgtheater Wien Ulrich Rasches Inszenierung der »Bakchen«, ebenfalls am 12.9.  Alles neu wird auch am Schauspielhaus Zürich sein: eine der ersten Produktionen dort ist daher die Übernahme von Christopher Rüpings Münchner Arbeit »Der erste fiese Typ« (Miranda July) ab dem 13. September. Als Solo im Großen Haus des Staatstheater Kassels zeigt Marco Štorman »Moby Dick«. Anta Helena Recke kehrt mit DIE KRÄNKUNGEN DER MENSCHHEIT (26. September) nach ihrer Einladung zum Theatertreffen 2018 wieder an die Münchner Kammerspiele zurück, während Nele Stuhler und Jan Koslowski erstmals am Schauspiel Graz arbeiten (DIE LEIDEN DER JUNGEN WÄRTER).

Neuigkeiten
Chamisso-Preis für Jaroslav Rudiš

Mit dem Chamisso-Preis/Hellerau 2019 wird Jaroslav Rudiš für sein bisheriges literarisches und kulturelles Schaffen, auch im Blick auf seinen aktuellen Roman Winterbergs letzte Reise, geehrt. Der Preis ist mit 15.000 € dotiert. Die feierliche Preisübergabe findet am 5. Februar 2020 im historischen Gebäudeensemble der Deutschen Werkstätten Hellerau in Dresden - und somit nur knappe 2 Wochen nach der Uraufführung von Rudiš' Stück ANSCHLUSS am Staatsschauspiel Dresden - statt. Wir gratulieren herzlich!

Nichts, was uns passiert

Für ihren starken Debüt-Roman NICHTS, WAS UNS PASSIERT erhielt Bettina Wilpert u.a. den ZDF-aspekte-Literaturpreis. »Mit gewaltigem Nachhall« (Gießener Allgemeine) wurde der Text zum Saisonstart am Stadttheater Gießen uraufgeführt. »Wilpert zeigt in ihrem von der Kritik hochgelobten und grandios protokollarisch-nüchtern geschriebenen Roman, welche psychologischen, juristischen und gesellschaftlichen Folgen eine Vergewaltigung hat. Nachtkritik schreibt: »Das Spannende an Wilperts Roman ist, daß er eine Grauzone auslotet, die er bis zuletzt nicht verlässt. «Weitere Inszenierungen, u.a. an der Badischen Bühne Bruchsal, folgen.

Diana Syrse ausgezeichnet

Gute Nachrichten für Diana Syrse: Die Komponistin und Sängerin wurde für ein Aufenthaltsstipendium an der Cité internationale des arts in Paris ausgewählt. Der sechsmonatige Aufenthalt in der renommierten Residenz, für den jedes Jahr zwei Künstler*innen aus dem Bereich Bildende Kunst und Musik nominiert werden, wird ermöglicht durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst. 2020 geht es für Syrse außerdem nach New York, um eine Lecture an der berühmten Juilliard School of Music zu halten. Außerdem wird sie dort ein neues Stück mit dem Juilliard New Music Ensemble einsingen. Syrse, die u. a. die Musik für Olga Bachs und Ersan Mondtags Dr. Alici komponierte, arbeitete zuletzt an der Staatsoper Hamburg und an den Münchner Kammerspielen.

Drei Bühnen für Mondtag

In der jährlichen Kritikerumfrage des Magazins »Theater Heute« teilen sich Lena Newton und Ersan Mondtag mit jeweils vier Stimmen den Titel »Bühnenbildner(in) des Jahres«. Die Stimmen für Mondtag entfallen auf drei seiner Kreationen, nämlich »Salome« (Maxim Gorki Theater, Berlin), »Die Räuber« und »Wonderland Ave.« (beide Schauspiel Köln). Ersan Mondtag wird damit zum wiederholten Mal als »Bühnenbildner des Jahres« ausgezeichnet. Herzlichen Glückwunsch!

Christopher Rüping ist Regisseur des Jahres

Als großer Gewinner der Umfrage im aktuellen »Theater heute«-Jahrbuch geht Christopher Rüpings zehnstündiges Antiken-Fest »Dionysos Stadt« hervor. Die Produktion der Münchner Kammerspiele wurde mit 14 Nennungen Inszenierung des Jahres, drei Stimmen strich das Dramaturgie-Doppel Valerie Göring und Matthias Pees für seinen Beitrag zu dem Abend ein. Nils Kahnwald (7 Stimmen) und Gro Swantje Kohlhof (7 Stimmen) wurden für ihre Auftritte in Rüpings Arbeit Schauspieler bzw. Nachwuchsschauspielerin des Jahres. Auch die »Deutsche Bühne« wählte Rüpings Mammut-Projekt zur »Inszenierung des Jahres«. Wir gratulieren herzlich! 

Das Evangelium nach Milo Rau

»Milo Raus Kunst greift nach dem Leben, sie meint das Ganze«, schrieb kürzlich der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler auf Vatican News zu ORESTES IN MOSSUL, das Rau in der ehemaligen Hauptstadt des Islamischen Staats auf die Bühne brachte. Nun wagen sich Rau und sein Team an einen anderen Gründungsmythos Europas: ans Neue Testament. In und um Matera, wo die umstrittenen Jesusfilme von Pier Paolo Pasolini und Mel Gibson entstanden, verfilmt der »kontroverseste Regisseur der Welt« (The Telegraph) ab Ende August die Passion Christi unter dem Titel DAS NEUE EVANGELIUM (Produktion: Fruitmarket Köln/Langfilm Zürich/SRF SSR/ARTE/ZDF) – mit einem Cast aus Geflüchteten, Aktivist*innen und ehemaligen Schauspieler*innen der Filme von Pasolini und Gibson. Mit dem Aktivisten und ehemaligen Plantagenarbeiter Yvan Sagnet wird zum ersten Mal in der Filmgeschichte ein schwarzer Jesus vor der Kamera stehen – an der Seite u. a. von Enrique Irazoqui (Pasolinis Jesus in »Vangelo Secondo Matteo«), Maia Morgenstern (Heilige Maria in Mel Gibsons »Passion Christi«), Marcello Fonte (Europäischer Filmpreis für »Dogman«) und zahllosen weiteren Darsteller*innen aus allen Milieus Italiens. In einer Reihe von öffentlichen Drehs in der Europäischen Kulturhauptstadt Matera wird Jesus noch einmal das Wort Gottes verkünden, verurteilt, gekreuzigt (28. September, 5./6. Oktober 2019) und schließlich in Rom, der Hauptstadt des katholischen Christentums und zugleich Sitz einer der ausländerfeindlichsten Regierungen Europas, auferstehen (10. Oktober 2019).