Ein modernes Märchen ist diese Geschichte eines Sofas und seines Besitzers. Das Sofa ist nahezu perfekt. Dem Besitzer geht es gut. Er hat Geld. Er ist gesund. Er hat eine Frau, die er über alles liebt. Und ja, die Sonne scheint. Doch irgend etwas stimmt nicht. Dem Sofa fehlt ein Bein. Die Welt gerät ins Schlingern …
Zweifach ausgezeichnet beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2007.
»Es ging mir gut. Ich war gesund, und ich hatte Geld. Nicht gerade unglaublich viel Geld, aber ich hatte. Ich konnte mir leisten, was ich mir leisten können wollte, und ich konnte auch mal einen Schlag drauf legen. Zwar war der Schlag so groß jetzt nicht. Aber immerhin. Ein mittelgroßer Schlag. Ok sagen wir eher mal an der unteren Grenze von mittel, oder vielleicht am oberen Rand von unten, also auch nicht ganz oben am oberen Rand. Sagen wir, in einem gemessenen Abstand zu diesem oberen Rand. Oder vielleicht mit der leichten Tendenz zu ›mittel‹. Sprich: Ich hatte mittel Geld. Mittel Geld im Bereich von ›unten‹. Obwohl, das müßte ich nochmal genauer fassen. Die natürliche Fruchtfolge vom Geld ist ja das Auf und Ab, und die Natur meines Geldes war wohl doch nicht ›mittel‹, sondern vielleicht einen Tacken in Richtung: ein wenig unterhalb von mittel von unten. Das klingt jetzt ein wenig kompliziert. Um es zu vereinfachen, würde ich sagen, könnte man es auch als ›unten‹ bezeichnen.«
»Dieser Autor hat eine große Zartheit … Komik und Schmerz, Irrsinn und Hysterie ... Ich bin sehr froh, dass dieser Autor von der Musik auch in die Welt der Literatur gewechselt ist.«
»Es beginnt mit dem Satz: »Es ging mir gut.« Und den kippelt er vor und zurück, wiegelt ihn ab, bis er bei der totalen Katastrophe angelangt ist. Treffender hat keiner das Zeitalter des Relativismus in Sprache gefaßt - PeterLicht eiert um die Beschreibung von Befindlichkeiten rum, bis die Ambivalenz zum Dauerzustand wird.«
»Und dann kam PeterLicht und fegte mit leiser Stimme fast schon gewalttätig mitten hinein ins Hirn nicht nur der Literatur, sondern gleich des ganzen 21. Jahrhunderts. Ein kabarettistisches, dekonstruktivistisches Meisterstück über das Einbrechen einer Apokalypse und das Weiterleben in ihr. Brüllkomisch, todtraurig, sprachwütig, an den Herz- und Hinrströmen unserer Zeit.«
»›Hey hey meine Freunde vom leidenden Leben / welches Stück wolln wir geben?‹ Es ist einer der Songs, in dem er einmal mehr vormacht, wie man so etwas wie Kapitalismus- und Systemkritik heute unterhaltsam verpacken kann. Immer kommt er leicht und heiter daher, aber es ist ihm tatsächlich ernst, wenn er vom ›unpfändbaren Rest unserer Herzen‹ singt und darauf pocht, daß es trotz des lückenlosen Verblendungszusammenhangs, wie das in ideologisch grimmigeren Zeiten genannt wurde, so etwas wie ein geglücktes Leben geben kann. Das sind schon großartige Zeilen, und Licht hat für den Abend die ›Geschichte meiner Einschätzung‹ mit seinen besten Liedern verknüpft, die die Frage stellen nach dem richtigen Leben im falschen, durchglobalisierten, werbungsverseuchten, in dem unsere Freiheit zusammengeschrumpft ist auf die Wahl der Produkte. »Ich trank einen Roibuschtee und machte ausnahmsweise zwei weiche Eier für uns beide.« Freundlicher kann man sich kaum lustig machen über die berechtigte Sehnsucht danach, dass da doch mehr sein muss als Krise, Mehrwert und Marketing.«
»Ständig steht der Zuschauer im Weg, muß ausweichen, nach neuen Sichtschneisen suchen, Gefühle zuordnen: Gänsehaut bei Lichts Liedern, vielstimmig vorgetragen zu Klavier, Cembalo, Cello und Xylofon. Unbehagen, wenn sich wieder ein schnell durch den Raum geschleppter Eichentisch nähert. Ordnungen durchbrechen, textlich, physisch, das gelingt ihm: Sobald sein Zuhörer einen Platz, eine Position, eine Haltung gefunden hat, wird er sofort wieder verdrängt, fühlt sich im Laufe des Abends zunehmend starr oder unruhig.«
»So schön, zärtlich und friedvoll kann PeterLicht Untergang und Zerfall besingen, daß man sich in die Vergänglichkeit fast verlieben muß. Jetzt hat er die in seinen Texten beschriebene Auflösung der Dinge und Menschen im Rahmen seines Festivals vom unsichtbaren Menschen inszeniert: Eine Hymne an das Verschwinden ist sein Abend »Räume Räumen« geworden, ein möbliertes Konzert, ein gesungener Umzug, ein musikalischer Räumungsverkauf alter Wahrheiten und neuer Erkenntnisse gleich dazu. Ein Abend voll Poesie und Rätseln, eigentlich zu schön und harmonisch für diese Welt.«
Uraufführung
18.9.2009, Theater Basel
Deutsche Erstaufführung
Herbst 2009, Saarländisches Staatstheater, Saarbrücken
Aufführung
12.9.2010
Maxim Gorki Theater, Berlin
Aufführung
7.Oktober 2010
Schauspielhaus Wien
Aufführung
12. Mai 2011
Staatstheater Hannover
Aufführung
25.11.2011, Schloßtheater Celle