Der Schauplatz ist eine westliche Großstadt. Alles ist schnell, das Licht ist grell und die Straßen sind dreckig und laut. Hier sitzt ein alterndes einstiges Staatsoberhaupt rauchend in einem Sessel und kommentiert die Entwicklungen der Welt. Dort treibt es den Arbeitslosen Gunther aus der Gosse zurück ins Leben und unter die Menschen. Er wünscht sich Arbeit, ›schöne Arbeit‹, anständige Arbeit. Aber es fällt ihm schwer, in der schneller gewordenen Welt zu bestehen. Um ihn herum bewegen sich andere Figuren geschickt und wendig in einer Arbeitswelt, die die permanente Demütigung des Menschen längst zur Normalität erklärt hat. Unempfindlich muß man sein, zäh und dschungelfähig … Trotzdem: Gunther will kämpfen. Er hat Glück und findet Arbeit, tut sie nun einfach blind, solange sie gut ist und man ihn gut behandelt. Wird er es schaffen? HUNDERT BLUMEN ist ein modernes Sozialdrama, das weder larmoyant noch einseitig das krisengeschüttelte Prekariat beschreibt, vielmehr stellt es beherzt die Frage nach Wert und Würde des Menschen. Mit ihrer poetisch-heiteren, melancholisch-trotzigen Sprache und einem zutiefst empathischen Blick auf die Verlierer unserer Zeit schildert die junge Berliner Autorin die Welt der ›kleinen Männer und Frauen‹.
»Mit stimmigen Dialogen, sensiblen Details, sogar mit poetischen Momenten entwirft die Autorin nicht nur einen Bilderbogen sozialer Verwerfungen, sondern läßt auch spüren, daß es zwischen Himmel und Erde Dinge gibt, von denen sich unsere Schulweisheit nichts träumen läßt. Regisseurin Eva-Maria Baumeister kann jede Menge theaterwirksamer Szenen realisieren. Auf ebenerdiger, arenaartiger Spielfläche, hautnah von Zuschauern umgeben, folgt ein Trommelfeuer von Aktionen, die mit Inseln der Ruhe wechseln. Individuell und glaubhaft sind die Emotionen gesteuert, die soziale Schieflage wird porträtiert, aber nie karikiert. Die Figuren sind Menschen aus Fleisch und Blut, und wenn ein gemeinsamer, verzweifelter Urschrei laut alles Glas zerspringen läßt, weiß man, daß die soziale Balance aus dem Lot ist.«