»Was der Markt von ihm verlangt, ist ein Wende-Stück. Da dem jungen Autor das historische Jahr 1989 ungefähr ›so fremd ist wie 1948‹, fährt er nach Hause, zu seinem Vater, um zu recherchieren, ›wie der Fall der Mauer in der Isoliertheit der Nordsee-Insel Föhr aufgenommen wurde‹. Die Komik, die in dieser Ausgangssituation für ein zeitgenössisches Künstlerdrama steckt, weiß Stockmann unglaublich gut auszureizen. Stockmann beschreibt auch sehr schön die Gereiztheit des erwachsenen Kindes auf Heimatbesuch in der Provinz, dieses sofortige Zurückfallen in alte Muster. Manche Szenen sind wirklich zum Schreien komisch. Stockmann hat einen so feinsinnigen, klugen Humor, er blickt mit so viel Ironie und Ehrlichkeit auf sich selbst und mit einem so (ver)zweifelnden, aber auch liebevollen Verständnis auf eine Welt, die er kennt, daß dieses Stück eine helle Freude ist - nicht nur als künstlerische Innenschau, sondern auch als Familiendrama, zu dem es sich entwickelt. 1889, das war das Jahr, in dem die Mutter anfing, ›Gespenster zu sehen‹, in dem sie im Bett lag und schrie - und in dem sie starb, woran der Vater nicht unschuldig war: Das ist das eigentliche Drama, das der junge Autor auf seiner Reise in die Vergangenheit schürft. Auf der Suche nach dem großen Geschichtsthema stößt er auf seine private Geschichte, auf das Gewöhnliche, Persönliche.« (Christine Dössel)