Laura dolmetscht simultan – gerade Hugo Chávez, der in Kopenhagen die imperialistische Weltdiktatur brandmarkt. Während sie in enger Kabine das große Ganze vermittelt, ringt ihr Freund Carl mit dem Kleinklein des eigenen Selbst. Alle Psychokrankheitsbilder hat er durch, seine Therapeutin ist mit ihrem Latein am Ende. Laura will er aus seinem Leben ekeln, um diesem dann endlich ein Ende zu machen. Aber nicht einmal das will ihm gelingen. In einer Stripbar versucht er, irgendwie seine stagnierende Existenz zu sprengen, und trifft auf Edith, die nach einer Jugend als Hochseilartistin nun überraschend würdevoll an der Stange tanzt. In ihrer leichten, direkten Art wirbelt sie nicht nur Carls Lebensbodensatz ordentlich auf, sondern mobilisiert auch Bruno, der auf einmal eine seltsame Affinität zu den Hornbrillen seines Vaters entwickelt hat und immer mehr dessen Sichtweisen mit den Gestellen gleich mit übernimmt. Ganz für sich joggt zuguterletzt Maria am Fluß entlang, dreimal in der Woche dreißig Minuten, und kann es nicht fassen, wie wenig sie von anderen wahrgenommen wird, wie sehr sie ausgeschlossen ist von allem, was sie sich für ein angemessen erfolgreiches Leben vorgestellt hat
Von Lauras politischem Kommentar begleitet, schrauben sich nun Carl, Edith, Bruno und Maria immer weiter rein in ihre Existenzkämpfe, ihre Wünsche, Ängste, Neurosen, Überlebensstrategien. Mal resigniert, mal verzweifelt-aggressiv, mal mit freudiger Kampfeslust schauen sie sich um in ihren Welten, suchen neue Blickwinkel, verrücken wie manisch die Perspektiven. Ihr Weg führt sie am Ende zusammen in einem Park, wo Carl schließlich doch zum Strick gegriffen hat und die anderen zu einer grotesken Rettungsakrobatik nötigt. Eine neurotisch aufgetürmte Menscheninstallation, die doch Würde und Schönheit ausstrahlt.
Charlotte Roos hat in ihrem neuen Stück Charaktere geschaffen, die einem bei aller Verwunderung über ihr spleeniges Ringen sofort ans Herz wachsen. Ihr unterschiedlich erfolgreiches Strampeln im Räderwerk der Welt des 3. Jahrtausends ist vermutlich auch das unsere, nur daß es in seiner schrägen Leidenschaftlichkeit deutlich unterhaltsamer ist.