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theater und medien
Theater, 2D - 1H, UA: 5.1.2012, Theater Bielefeld, Regie: Daniela Kranz
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Synopsis

Käthe Hermann lebt mit ihrer Tochter Irmi und dem gelähmten Sohn Martin zusammen und weiß sich und die Familie zu beschäftigen. Sie sieht sich als Bühnenkünstlerin, als Tänzerin. Weil sie von Hans, ihrem verstorbenen Mann, zweimal geschwängert und gleich anschließend verwitwet wurde, brachte ihr Talent weder Ruhm noch Geld. Nun, da die Brut bereits ergraut, ist sie an der Reihe. So muß das Wohnzimmer allabendlich als Bühne, müssen ihre Kinder als Techniker und vor allem als Publikum dienen. Irmi und Martin müssen die Mutter nicht nur umjubeln, sie sollen genau darin auch ihr eigenes Glück finden. Denn Käthe Hermann, die gute Mutter, will, daß die Familie glücklich ist. Überhaupt: Der Käthe stellt sich niemand in den Weg. Weder die widerborstige Tochter, noch der verkrüppelte Sohn. Und erst recht nicht die Bagger, die das Haus abreißen sollen. Zwangsumsiedlung kommt nicht in Frage. Im Gegenteil, jetzt wird renoviert.

KÄTHE HERMANN zeigt, wie die Mitglieder einer Familie llusionen über die eigene Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft produzieren, um sich als gesellschaftlich handlungsfähige Individuen und als wertvolle Mitglieder einer Gemeinschaft sehen zu können. Und es zeigt den Wahn, der entsteht, wenn diese Illusionsproduktion durch die gesellschaftlichen Bedingungen bedroht wird.

 

Eingeladen zu den Mülheimer Theatertagen 2012

Eingeladen zu den Autorentheatertagen 2012 am Deutschen Theater, Berlin

ZEIGENAnne Lepper
Mit ihrem Debütstück SONST ALLES IST DRINNEN gewann Anne Lepper beim Münchner Förderpreis für deutschsprachige Dramatik den Publikumspreis. 2011 wurde sie zum Berliner Stückemarkt eingeladen. Es folgten die Uraufführungen der Stücke SEYMOUR und KÄTHE HERMANN sowie die erste Einladung zu den Mülheimer Theatertagen 2012. Theater Heute wählte sie zur Nachwuchsdramatikerin des Jahres 2012. Der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft verlieh ihr 2013 den mit 10.000 EURO dotierten Dramatikerpreis. Für ihr Stück MÄDCHEN IN NOT wurde sie mit dem Mülheimer Dramatikerpreis 2017 ausgezeichnet.
Neuigkeiten
ZEIGENKÄTHE in Stockholm

Mit Premiere zum 14. Februar 2014 wird Leppers Erfolgsstück KÄTHE HERMANN erstmals im Ausland inszeniert. Die schwedische Erstaufführung erfolgt am Fria Teatern in Stockholm.

Presse
3sat

»Ein Faszinosum, dem man sich schwer entziehen kann.«

Süddeutsche Zeitung

»Anne Leppers Kinder sind querschnittsgelähmt, hässlich oder fett, sprechen Sätze von Ernst Jünger oder Hubert Fichte. Diese Kinder illustrieren weder ein christsoziales Familienideal noch den sozialdemokratischen Fürsorgestaat. Sie sind zu grotesk um wahr zu sein, aber genau durch diese Übertreibung beschreiben Leppers Blagen Realitäten der Verwahrlosung. Zum Beispiel in KÄTHE HERMANN: da lebt eine sehr alte Frau, die sich unmittelbar vor dem Sprung an die größten Opernhäuser der Welt wähnt – und zwar als Primaballerina – mit ihren zwei Kindern in einem Haus, das demnächst für den Braunkohletagebau abgerissen wird. Weil Mutter Käthe von ihrer Ruhmes-Vision vollkommen überzeugt ist, renoviert sie die Immobilie trotz der Abbruchsdrohung noch mit der gemeinsamen Sozialhilfe. Und am Ende soll Angela Merkel die Welt davon unterrichten, daß die Liveübertragung des wertvollen Hermannschen Familienlebens den globalen Frieden bewirke. So abstrus diese Geschichte, so viele Momente konkreten Horrors sind hier versammelt. Die kalte Gewalttätigkeit egozentrischer Mütter, die in ihrem gestörten Selbstbezug nicht merken, wie sie ihre Kinder ständig demütigen, wird in Leppers Familienfarce ebenso scharf gezeichnet wie die kaum minder gestörten Reaktionen der emotional behinderten Kinder. Psychologisches Verständnis paart sich hier mit einer Freude an literarischen Übertreibungen ins Surreale, was durch die Inszenierung von Daniela Kranz in eine sehr schlüssige Form gebracht wird. Ein mannshohes Bauklötzchenhaus mit Ballettstange drum herum reicht als Bild völlig aus, um die Enge des psychischen Gefängnisses zu symbolisieren. Die Schauspieler agieren als puppenhafte Wesen die zwanghaften Verhältnisse mit dem richtigen Maß an Künstlichkeit und Einfühlung aus. Das Bleierne wird komisch, aber der Schmerz bleibt stets präsent. Die brutalstmögliche Fehlerziehung endet im lächerlichen Tod.«

Der Spiegel

»Auch in diesem Stück fehlen die Satzzeichen, auch in diesem Stück reden die Figuren verstörend störrisch und spröde, widerborstig und weltfremd, auch in diesem Stück kreist die Handlung um Hässlichkeit, Hoffnung und hartherzige Eltern-Kind-Beziehungen, um die Austauschbarkeit der Objekte unserer Liebe. Mit etwas Uraufführungsglück, so viel steht fest, wird Lepper nach diesem Januar nicht mehr so leicht austauschbar sein - sondern als sonderbar eigene Stimme etabliert in der Riege der Jungautoren.«

Westfälischer Anzeiger

»Die Hölle auf Erden, das ist die in Abhängigkeiten und Altlasten verstrickte Kleinfamilie, die ständig das gemeinsame Glück beschwört. So schildert Anne Lepper wortgewaltig und beklemmend das Drama von KÄTHE HERMANN. Daniela Kranz inszenierte mit drei großartigen Schauspielern das Psychogramm einer fatalen Familienbeziehung. Zugleich ließ sie anklingen, daß der Mikrokosmos Familie mit seinem unbedingten Glücksanspruch auch für eine Gesellschaft steht, die sich mit Vergangenheitsbewältigung und den Herausforderungen der Zukunft schwer tut.«

Aufführungen

Uraufführung

5.1.2012

Theater Bielefeld

Aufführung: 24.11.2012, Schauspielhaus Wuppertal

Aufführung: 15.1.2014,

Euro-Theater, Bonn

Schwedische Erstaufführung

14.2.2014, Fria Teatern, Stockholm

Aufführung: 7.6.2014,

Pfalztheater Kaiserslautern