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theater und medien
UA: 7.12.2012, Theater Osnabrück, Regie: Annette Pullen
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Synopsis

Leila lebt als Fremde in diesem Land. Sie lebt alleine, ein junges Mädchen, das eines Tages einen Mann kennen lernt. George, der in der Kneipe vor seinem Bierglas sitzt und in Leila die Prinzessin seines Lebens erkennt. Leila ist für George, der in seiner Wohnung versauert, seine Miete nicht mehr zahlt und nur noch für Bier das Haus verläßt, das Rückfahrtticket in die Jugend. Und George ist für Leila das, was sie zu kennen scheint. Die ewige Enttäuschung. Bis eines Tages Leilas Vater vor der Tür steht.

ICH WÜNSCH MIR EINS kreist um die Leerstelle, an der die Heimat stehen sollte. In poetischer, expressiver Sprache wird das Porträt einer Heimatlosen skizziert, die dieser Welt mit selbstzerstörerischer Intensität begegnet. 

 

Eingeladen zum Heidelberger Stückemarkt 2010

Eingeladen zu den Mülheimer Theatertagen 2013

Eingeladen zu den Autorentheatertagen Berlin 2013

ZEIGENAzar Mortazavi
Azar Mortazavi, geboren 1984, studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim. Für ihr Stück »Todesnachricht« wurde sie mit dem Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis ausgezeichnet. 2011 erhielt sie den Exil-Dramatikerinnen-Preis der "Wiener Wortstaetten". Mit ihrem zweiten Stück ICH WÜNSCH MIR EINS wurde Mortazavi u.a. zum Heidelberger Stückemarkt, zu den Autorentheatertagen Berlin und zu den Mülheimer Theatertagen 2013 eingeladen. Für das Theater Osnabrück entstand das Auftragswerk SAMMY UND DIE NACHT, für die "Wiener Wortstaetten" schrieb sie das Stück ZWISCHENZEIT. Mortazavi arbeitet an ihrem Romandebüt. Mit UNTER DEUTSCHEN liegt ein neues Stück der Autorin vor.
Neuigkeiten
Presse
Theater Heute

»Kaum eine andere junge deutschsprachige Dramatikerin hat in den vergangenen Jahren einen Debüttext von solcher emotionaler Eindringlichkeit und schnörkelloser Sprachkraft vorgelegt wie die jetzt 28-jährige Azar Mortazavi. Für ihr Mutter-Tochter-Drama ›Todesnachricht‹ erhielt sie 2010 den Else-Lasker-Schüler-Preis. Doch verglichen mit dem Nachfolger ›Ich wünsch mir eins‹ wirkt ihr Erstling wie ein Exposé; nun folgt das große Drama. Das Stück ist reicher, komplexer, dabei gut strukturiert. Die Autorin läßt nicht mehr nur zwei Figuren auftreten, sondern verwebt fünf Leben ineinander.«

Süddeutsche Zeitung

»Azar Mortazavis Stück bringt das Kunststück fertig, mit den Mitteln des Sozialdramas eine glückliche Geschichte zu erzählen. Denn die soziologischen Eckdaten von Leilas Biografie sind milde gesagt prekär. Leilas ökonomische Situation ist ungeklärt, und alles zusammen müsste eigentlich zu Bitterkeit und Frustration führen. Trotzdem zeigt dieses Stück einen ungebrochenen Lebenswillen, dem die Wahrheit nichts anhaben kann. Das Beeindruckende an dieser Lebensstudie ist ihr lakonischer Ton, der ein eigentlich deprimierendes Schicksal schildert, ohne Betroffenheit zu erheischen. Dabei entgeht dieser Härtefall einer energischen Sehnsuchtsstrategie der Gefahr, zum kitschigen Rührstück über die wunderbare Welt einer migrantischen Amélie zu werden - was das erst zweite Stück der jungen Autorin zu einer großen Talentprobe macht.«

Die Deutsche Bühne

»Kinderwunsch der Frau, das ist für Männer ein Mysterium. Da kann Mann kaum etwas zu sagen. Aber Theaterstücke gucken. »Ich wünsch mir eins« ist das präzis geradeaus erzählte Drama betitelt. Voller Empathie, frei von Sentimentalitäten und theatralem Brimborium inszeniert Annette Pullen die schroffen Kurzszenen, betont den holzschnittartigen Realismus. Das Spiel der beiden Hauptdarsteller Thomas Kienast und Andrea Casabianchi macht die Uraufführung zu einem Ereignis. Wie leidenschaftlich sie sich in die rohen, wenn auch nicht rohdiamantischen Dialoge und kurzen inneren Monologe hineingraben, sich schonungslos in den Rollen verausgaben, als gäbe es kein Morgen, so die Situation zum Glühen bringen, Fremde im eigene Leben zu sein, diese Trostlosigkeit vermitteln, nirgendwo hin und dazu zu gehören – dieses verzweifelte, gierige Umschlingen zweier Verlorener: sehr, sehr beeindruckend.«

nachtkritik

»Annette Pullen gibt dem Text viel Raum. Sie läßt Schilderungen, mit denen Mortazavi episierend den Dialog durchbricht, meist frontal ins Publikum sprechen – gerne auch mehrere Sprechpartien gleichzeitig, so daß den einzelnen Figuren nicht immer gefolgt werden kann. Dadurch aber unterstreicht Pullen, was Mortazavis Stück ebenfalls vermeiden will: Leilas Sehnsuchtsphantasien zu einem Rührstück über Migrantenkinder zu verkitschen. Leila erinnert mit ihren hochgesteckten Haaren und ihren durch Kajal vergrößerten Augen an Amy Winehouse, trüge sie unter dem beigen Trenchcoat nicht einen mit Ornamenten verzierten Kaftan, unter dem sehr sexy wiederum schwarze Stiefel, Strumpfhose und Höschen sowie ein BH zum Vorschein kommen, wenn George ihr den Kaftan vom Leib zieht. Kein Wunder, daß er, der sich erst noch zuhältermäßig herausputzt, dann aber nur noch ein Holzfällerhemd trägt, weil er eh nicht mehr aus seiner versifften Bude geht, jedes Mal über sie herfällt, wenn sie sich ihm anbietet. Doch zu naturalistisch wird es nie. Und das überzeugt auch. Denn Leila würde sonst mit ihrer Sehnsucht nach Zuneigung, die George gar nicht erfüllen will, weswegen er sie immer wieder wegschickt, wenn er fertig ist, zum Objekt bloßen Mitleids verkommen. Zu einem Mitleid, das vielleicht anrührt, aber auch nicht mehr.«

Theater Heute

»Azar Mortazavis Figuren sind einsame Menschen, deren Sehnsucht immerfort in die Ferne geht. Das Drama ICH WÜNSCH MIR EINS gleicht einer Suchbewegung. Die Szenen kreisen um Frauen und Männer, junge und alte, die zwar nicht in einer Situation verharren, diese jedoch leicht verschoben wiederholen. Gegen Ende des Dramas lässt Azar Mortazavi mit der unerwarteten Rückkehr von Sahid den Fremden schlechthin auftreten: Leilas Vater und der des kleinen Jungen, Sybilles Ex-Freund und Georges Freund. Das fehlende Puzzleteil. Sahid scheint alle Leerstellen der Geschichte füllen zu können, wäre er nicht selbst eine. Azar Mortazavis Figuren sind Exilanten, auf der Suche nach sich und ihrem Ursprung, der immer schon einen Spalt oder Sprung und eine gewisse Entfernung zur Ureinheit aufweist – sei es die eigene Identität, die Familie oder ein Ort. Die einzelnen Figuren scheinen sich aus dem Lauf der Handlung zu separieren und ihre Subjektivität zu bewahren. So schlägt die treibende und raue, beinahe brutale Sprache der Dialoge um in eine befremdliche Poesie.«

Aufführungen

Uraufführung: 7.12.2012, Theater Osnabrück

Aufführung,

15.11.2014, Theater der Keller, Köln

Aufführung,

1.4.2015, Landestheater Memmingen