Dienstantritt der Selbstversorger, Tag X. Die Mitarbeiter diverser Unternehmen in Deutschland erklären ihre Unabhängigkeit. Sie verschanzen sich in Geschäftsräumen und Filialen, besetzen ihre eigenen Arbeitsplätze und widmen sich uneingeschränkt dem Ziel, betriebsinterne Ressourcen nachhaltig zu erschöpfen.
Hofmann & Lindholm proben den Aufstand. Mit Hilfe fachkundiger Komplizen drehen sie das Rad im Getriebe gegen den Uhrzeigersinn und konstruieren in einem surreal anmutenden Planspiel Robinsonaden des Marktes. Sie entwickeln Bilder konkreter Utopien, in denen Menschen gegen Waren antreten, in deren Dienst sie stehen. Nach dem Motto surviving the supermarket! wird aus dem Vollen geschöpft, bis sich Tausch- und Gebrauchswerte aufzulösen scheinen und Kaufkraft an Bedeutung verliert. Aus Arbeitsplätzen werden Biosphären. Der Kunde ist tot. Es lebe der Kunde!
Produktion: Büro für Angewandte Kulturvermittlung, Köln
Koproduktion: PACT Zollverein, Essen, Hebbel am Ufer, Berlin, FFT, Düsseldorf, 2008
»In ihren Arbeiten untersuchen Hannah Hofmann und Sven Lindholm soziale Strukturen und Systeme nach Spielräumen für Eigenverantwortung und Entscheidungsfreiheit. Als Akteure ihrer Projekte schicken sie nur Laien in die Wildbahn des Alltäglichen und lassen sie die Probe aufs subversive Exempel machen. Doch Produktionen von Hofmann & Lindholm erschöpfen sich nicht in ihrem szenischen Substrat. Ihnen gehen umfangreiche Recherchen voraus. Zudem hofft das Regieduo auf Nachwirkungen. Ihre Produktionen verstehen sie als ›Gebrauchsanweisung‹ fürs Publikum, bei der es nicht darum geht, ›die Regeln, nach denen gesellschaftliches Leben funktioniert, zu sprengen, sondern beweglich zu machen.‹ Utopie verdichtet sich im Ausprobieren von Möglichkeiten, die lebhaft zwischen subversiver Beweglichkeit und neoliberaler Flexibilität changieren.«
»Mit wunderbarer Präzision schnurrt in […] ›Faites vos jeux« der Theater-Mechanismus. Exakt getaktet sind die Texte der sechs Performer. Eine Sprech-Choreografie, bei der nur ganz selten mal ein Satz darstellerisch illustriert wird. Statt nachzuspielen, rekonstruieren die Performer den Ablauf ihrer Rebellion verbal mit der Sachlichkeit von Polizeiprotokollen - aber mit dem Lächeln des Triumphs.«