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theater und medien
Bearbeitung von Kay Voges und Paul Wallfisch, nach dem Roman von Michail Bulgakow, aus dem Russischen von Thomas Reschke
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Synopsis

Der Meister und Margarita – die große Reise durch Zeit und Raum beginnt am Moskauer Patriarchenteich. Zwei überzeugte Atheisten im Gespräch: Chefredakteur Berlioz übt Kritik am jungen Lyriker Besdomny: Aus dessen neustem Poem gehe nicht klar genug hervor, dass die Jesus-Geschichte – wie auch Gott – reine Fiktion sei! Doch dann mischt sich ein Passant ins Gespräch, der behauptet, Gott existiere absolut! Kurze Zeit später – Berlioz ist inzwischen der Kopf von einer Straßenbahn abgetrennt worden – wird Besdomny klar, daß der Fremde der Teufel persönlich war. Und kann es einen überzeugenderen Fürsprecher für die Existenz Gottes geben als den Teufel selber? Der Teufel, in Moskau! Doch zuhören will Besdomny keiner, er wird in die Psychiatrie verfrachtet. Sein Mitpatient dort: Der Meister, Autor eines unvollendeten Romans über Pontius Pilatus und Jeschua...

Der russische Literaturstar Michail Bulgakow (1891-1940) arbeitete von 1928 bis zu seinem Tod am Roman Der Meister und Margarita; dieser wurde aufgrund seiner Kritik an politischen Realitäten in der Sowjetunion erst 1973 in unzensierter Form veröffentlicht und kann als Bulgakows Lebenswerk betrachtet werden. Kay Voges’ Theaterbearbeitung wirft einen neuen Blick auf Bulgakows Jahrhundertroman: Der Meister und Margarita – ähnlich wie Goethes Faust sowohl Liebesgeschichte als auch eine Untersuchung dessen, was `die Welt im Innersten zusammenhält`. Glaube, Liebe, Zweifel: Wir sehen den Meister, der an seiner künstlerischen Kraft zweifelt, und gleichzeitig seine Romanfiguren Jeschua und Pontius Pilatus: Zwei Menschen, die mit ihrer Identität und Aufgabe hadern. Dem gegenüber steht die junge Margarita, die felsenfest glaubt – an die Liebe, an den Meister und seine Schöpfung – und die bereit ist, dafür Opfer zu bringen.

Die Geschichte vom Teufel, Margarita, dem Meister, Gottessohn Jeschua und Pontius Pilatus – Kristallisationskeim für einen Glaubensdiskurs: Glauben oder Zweifeln? An was? Glauben wir heute noch an Erlösung durch Opfer, an Barmherzigkeit, an einen Gott? Und wenn nicht – woran dann? An Kapitalismus, an Demokratie oder an Europa? Können wir überhaupt noch glauben? Was ist der Kern des Glaubens? Und: Was die Natur des Zweifels? Führt er zum Verlust aller Liebe, zu Depression und Stagnation? Oder hat vielleicht die amerikanische Autorin Jennifer M. Hecht recht, die jüngst in ihrem vieldiskutierten Buch „Doubt: A History“ die These aufstellte, dass mehr Zweifel keinesfalls Stagnation sondern mehr Frieden in unsere von Ideologiekonflikten zerrissene Welt bringen würde – weil vor allem der Zweifel verkrustete eigene Denkmuster aufweichen und so in uns Raum für alternative Perspektiven und Veränderung eröffnen kann? Woran glaubst du?

 

ZEIGENKay Voges
Kay Voges arbeitete als Autor und Regisseur u.a. am Staatsschauspiel Dresden, Theater Bonn, Staatstheater Darmstadt und Staatstheater Kassel, bevor er 2010 als Schauspieldirektor ans Theater Dortmund berufen wurde. Seitdem machen er und sein Team dort furios erfolgreiches und innovatives Theater. Voges inszeniert Klassiker wie Büchner und Ibsen neben Zeitgenossen wie Dennis Kelly oder Wolfram Lotz. Unter seiner Leitung entstehen am Theater Dortmund einzigartige und ungewöhnliche Formate wie DAS GOLDENE ZEITALTER oder DIE SHOW. Über DIE BORDERLINE PROZESSION schrieb die SZ: »Größenwahnsinnig, grandios, inspirierend und erschlagend zugleich.« Die Produktion wurde 2017 zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Voges inszeniert auch an der Oper Hannover und am Schauspiel Stuttgart.
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nachtkritik

»Manchmal erinnern die Dortmunder Schauspieler an die jungen, frischen Zeiten der Berliner Volksbühne. Es ist ein überwältigender Spaß, diesen anscheinend zu allem bereiten Darstellern zuzuschauen, wie sie die Situationen auf die Spitze treiben. Mehrfach gebrochen sind die Erzählperspektiven, ständig spielt die Inszenierung mit den Realitätsebenen. Was perfekt zum fragmentarischen, die Hauptfiguren und ihre Handlung erst langsam entfaltenden Roman von Michail Bulgakow passt. Doch Regisseur Kay Voges dekonstruiert die Vorlage nicht, sondern setzt die vielschichtigen ästhetischen Mittel im Dienste einer emotionalen Erzählung ein. So gibt er dem Abend bei aller Lust am Spielrausch ein Zentrum. Es ist die Frage ‚Woran glaubst du? Es ist ein großer Abend: Berührend, heftig, verstörend, enorm unterhaltsam. Bulgakows irrwitzige Mischung aus Satire, Trauer und Romantik wird zu Fleisch, Blut und Rockmusik. Woran man nun glauben soll? An dieses Theater.«

Focus

»Den Soundtrack zum Dortmunder Theaterereignis dieses Frühjahrs steht als Kunstwerk für sich: Osteuropäische Zigeunermusik, raubeiniger Jazz, wuchtige Rocksongs, am Schluss zwei der schönsten Balladen, die Wallfisch je geschrieben hat und hier wunderbar zart singt. Die musikalische Umsetzung der weit verzweigten Bulgakow-Satire gelingt fabelhaft. WHAT DO YOU BELIEVE IN ist das eindeutig beste Werk der Band geworden. Und man fragt sich wieder einmal, wann dieses dem amerikanischen Rock-Underground längst entwachsene Quartett die verdiente Würdigung beim breiten Publikum erfährt.«

Westdeutsche Allgemeine Zeitung

»Theater Dortmund trifft mit voller Wucht. Das Publikum erlebt furiose Theater-Action. Theater wird hier zur multimedialen Performance, zu einer Klang-Licht-Raum-Skulptur, und Verstehen heißt hier erkennbar nicht länger nur, die Dinge in ihren Zusammenhängen zu begreifen, sondern vor allem, sie in ihrer existentiellen Wucht zu spüren. Mehr als in jeder anderen Produktion der Dortmunder Ära Voges wird hier Leidenschaft erkennbar, Begeisterung, Getriebenheit, Obsession. Das ist begeisterndes Theater.«

Aufführungen

Premiere,

22.3.2012, Theater Dortmund