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theater und medien
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Synopsis

Der Archetyp eines Albtraums. Ein leeres Flugzeug im Sturzflug, das Cock-Pit verwaist - die Sitzreihen, wie eine seltsame Arche, voller wilder Tiere.

Der Traum endet, aus den Kreaturen werden Wartende am Terminal. »Da ist wieder was passiert«. Die aufgebrachte Kurzurlauberin mit aufgebrauchter Geduld vermutet hinter den verspäteten Flügen sogleich das Schlimmste. Vielleicht erzeugt auch der bärtige Turbanträger neben ihr diese moderne Hysterie. Offene Gesellschaft, offene Flanken.

Ein Mann im Anzug befindet sich zwecks Statementverkündung auf dem Weg zu einer Katastrophe an einem Mittelmeerstrand. Auch Deutsche unter den Opfern. Journalisten-Getümmel, Leichensäcke im Sand. Doch der tragische Segel-Unfall wächst sich zum mittelschweren PR-Desaster aus; neben deutschen Hobbyseglern, die ihre Fähigkeiten offensichtlich überschätzt haben, liegen - einige Meter entfernt - ertrunkene Flüchtlinge herum. Für die ist der Herr aus Berlin allerdings nicht angereist. Die Situation eskaliert, als die standardisierte Trauer vor den falschen Leichen bekundet wird. Der Tod - vor allem im Gewand des Leichensackes - macht dann doch alle wieder gleich, wobei: das deutsche Beileid gilt in diesem Fall eben nur den staatsbürgerlich zugehörigen Leichen.

In einem Konvolut aus Bildern und Szenen lotet Sascha Hargesheimer unseren immer kleiner werdenden Handlungsspielraum aus, der uns zwischen Political Correctness, Gefühlskälte, Überforderung, sogenannten ›Sprachverboten‹ und Tabus vermeintlich bleibt. Uns begegnen Menschen irrlichternd an modernen Nicht-Orten: an Flughäfen, in Zügen, Straßen, Krankenhäusern. Die Heimat ist verloren, umso mehr gilt es einen Rest von Territorium zu verteidigen und Grenzen zu ziehen. Aus der sehnsüchtigen Reise ist ein lähmender Stillstand geworden.

Geschickt spielt Hargesheimer hier mit Motiven aus der Odyssee und beschreibt unterschiedliche Schicksale von Zuflucht- und Heimatsuchenden im Kontext unserer auseinanderrutschenden Zeit. Dabei entsteht ein europäisches Sittenbild, in dem wir uns mit Schamesröte im Gesicht selbst erkennen: uns, die wir auseinanderfallen, die wir zulassen, was mit den Hehren ›europäischen Werten‹ an Schindluder getrieben wird. Wir, eine Gesellschaft, die überfordert ist mit sich selbst und jeden Halt zu verlieren droht.

ZEIGENSascha Hargesheimer
1982 in Frankfurt am Main geboren. 2004 Gründung des freien Theaters Landungsbrücken Frankfurt. Assistenzen am TAT und Schauspiel Frankfurt, von 2006 bis 2008 Assistent am Maxim Gorki Theater Berlin. Studium Szenisches Schreiben an der UdK Berlin sowie freier Regisseur und Autor. Das Stück POLEN IST MEIN ITALIEN gewinnt bei der Langen Nacht der Neuen Dramatik 2013 den Münchner Förderpreis für deutschsprachige Dramatik, 2014 wird das Nachfolgestück ARCHIV DER ERSCHÖPFUNG mit dem Osnabrücker Dramatikerpreis ausgezeichnet und 2015 im Rahmen der Autorentheatertage am Deutschen Theater Berlin uraufgeführt. Nach Aufträgen u.a. für das Schauspiel Frankfurt schreibt Hargesheimer für das Schauspiel Leipzig.
Neuigkeiten
nachtkritik

»Eine trostlose, tiefsinnierende Gegenwartsanalyse.«

Recklinghauser Zeitung

»Hargesheimers brillante Wortkulissen sorgen dafür, daß die nackte Szenerie in den Köpfen der Zuschauer reich bebildert wird. Eine echte Entdeckung ist der Autor der Uraufführung: Sascha Hargesheimers Text besitzt große literarische Qualität. Der Mittdreißiger ist eine Hochbegabung. Er versteht es, in seinen Texten analytische Schärfe mit philosophischer und poetischer Tiefe zu verbinden.«

Presse
Aufführungen

Uraufführung:

11. Mai 2016, Ruhrfestspiele Recklinghausen

25. Mai 2016, Schauspiel Frankfurt