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Theater, Noch frei zur UA
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Synopsis

Vor Leylas Tür taucht eines Tages Isabell auf, die Nachbarin aus der Wohnung von oben, die ihre wütende Mutter soeben in ein Altenheim umgesiedelt hat und deren von Migräne geplagter Mann sich schon bald als ein Phantom entpuppen wird. Leyla lebt mit Ibrahim zusammen, der nicht ihr Mann ist und der Anderes zu tun hat, als mit ihr eine Familie zu gründen und Urlaub am Mittelmeer zu machen. Daß er in den überfüllten Turnhallen der Stadt als Übersetzer arbeitet und sein dunkler Bart in der Nachbarschaft für Irritation sorgt, wird ihm zum Verhängnis, als in der Stadt etwas passiert.

Aber auch davor liegt schon vieles in der Luft, das sich schwer in Worte fassen läßt. Und trotzdem: Isabell fühlt sich hingezogen zu Leyla, der jungen, dürren Frau, der sie nun bald täglich einen Besuch abstatten wird. Erst, um Milch zu borgen, später mit einem Kuchen in den Händen, dann einfach, weil es sich besser reden lässt zu zweit und sie sich dabei erholen kann von der Sprachlosigkeit, mit der sie den Tiraden ihrer Mutter gegenüber sitzt.

Ein fremder bärtiger Mann. Eine junge dunkelhaarige Frau mit deutschem Pass. Eine einsame Nachbarin, die es nur gut meint. Eine traurige alte Frau, die ihre Lebensangst noch ein letztes Mal in Wut verwandelt.

Mit großer Konzentration und genauem Gespür für Ihre Figuren sowie fernab von sprachlicher Effekthascherei zieht Azar Mortazavi ihre erzählerischen Kreise, bis sich das von ihr gespannte Netz zusammenzieht und den Handlungsspielraum der Agierenden unerbittlich Richtung Tragödie verengt.

Eindrucksvoll wird uns dabei vor Augen geführt, wie schnell wir einander fremd werden, wie wir verstummen, wenn das Wesentliche ungesagt bleibt und Worte in unseren Köpfen metastasieren, wie aus Nachbarn Verdächtige und Menschen zu Kategorien werden. In Mortazavis Text löst sich jedes noch so zarte Band der Nähe, das seine Figuren unbeholfen zu knüpfen versuchen, in Unverständnis auf. So trifft Azar Mortazavi mit „Unter Deutschen“ das Jetzt einer Gesellschaft ins populistische Herz, die sich überfordert von der Komplexität des Weltgeschehens wegduckt und mit Hilfe vorgefundener Kategorien und Assoziationsblasen zu bestimmen versucht, was ihr fremd ist.

ZEIGENAzar Mortazavi
Azar Mortazavi, geboren 1984, studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim. Für ihr Stück »Todesnachricht« wurde sie mit dem Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis ausgezeichnet. 2011 erhielt sie den Exil-Dramatikerinnen-Preis der "Wiener Wortstaetten". Mit ihrem zweiten Stück ICH WÜNSCH MIR EINS wurde Mortazavi u.a. zum Heidelberger Stückemarkt, zu den Autorentheatertagen Berlin und zu den Mülheimer Theatertagen 2013 eingeladen. Für das Theater Osnabrück entstand das Auftragswerk SAMMY UND DIE NACHT, für die "Wiener Wortstaetten" schrieb sie das Stück ZWISCHENZEIT. Mortazavi arbeitet an ihrem Romandebüt. Mit UNTER DEUTSCHEN liegt ein neues Stück der Autorin vor.
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