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theater und medien
Theaterstück nach Karl Kraus, UA dieser Fasssung: 8.11.2008, Staatstheater Stuttgart, Regie: Hans-Werner Kroesinger
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Synopsis

Sein Stück, das "nach irdischem Zeitmaß etwa zehn Abende umfassen würde", sei "einem Marstheater zugedacht - Theatergänger dieser Welt vermöchten ihm nicht standzuhalten", schrieb der berühmte österreichische Publizist und Satiriker Karl Kraus im Vorwort zu seinem einzigen Bühnenwerk, das - vor allem mit den Mitteln des Humors und der Satire - in über zweihundert Szenen nichts weniger als die Realität, Ursachen und Folgen des Ersten Weltkriegs darzustellen versucht. 

Bis heute gilt Kraus' Werk als die umfassendste und nach wie vor gültige literarische Auseinandersetzung mit jener Katastrophe, die endgültig die Ankunft Europas im 20. Jahrhundert markiert. Die Konflikte von damals und die Zukunftsvisionen von Kraus sind dabei von erstaunlicher Aktualität. Sei es die religiöse oder politische Kluft, die Russland und Serbien vom Rest Europas trennt oder die Ahnung der Europäer, einst von Asien überflügelt zu werden oder dem eigenen Konsum- und Zeitdruck nicht standzuhalten. Wer genau hinsieht, muß feststellen, wie sehr das neue Europa alten Denkmustern verhaftet ist.

So vermag Kraus' Werk "Die letzten Tage der Menschheit" das Theater noch immer herauszufordern.

Auszug
ZEIGENHans-Werner Kroesinger

Hans-Werner Kroesinger gilt als einer der wesentlichsten Vertreter des dokumentarischen Theaters im deutschsprachigen Raum. Unter anderem war er  künstlerischer Mitarbeiter an Heiner Müllers »Hamlet/Hamletmaschine«. Kroesinger arbeitete in den vergangenen Spielzeiten in der freien Szene, am Berliner HAU sowie zunehmend auch am Stadttheater (Staatstheater Stuttgart, Theater Aachen, Theater Freiburg, Staatstheater Hannover). In seinen Arbeiten beschäftigt sich der Autor und Regisseur mit komplexen nationalen und internationalen politischen Themen.

Neuigkeiten
Kroesinger und Kraus

Für das Staatstheater Stuttgart bearbeitete und inszenierte Hans-Werner Kroesinger das einzige Bühnenwerk des östrreichischen Publizisten und Satirikers Karl Kraus. Bis heute gilt das Werk als die umfassendste und nach wie vor gültige literarische Auseinandersetzung mit jener Katastrophe, die endgültig die Ankunft Europas im 20. Jahrhundert markiert.

Presse
Stuttgarter Nachrichten

»›Nach irdischem Zeitmaß etwa zehn Abende‹ würde die Aufführung dauern, schrieb Karl Kraus im Vorwort zu seiner Tragödie. Das Schauspiel Stuttgart zeigt jetzt die drei Teile des Mammutwerks an einem Abend. Die von Hans-Werner Kroesinger inszenierte szenische Lesung fesselte die Zuschauer der ausverkauften Premiere zu Recht - wegen ihrer Dichte. Von den über fünfhundert Figuren des Dramas kann Kroesinger indes nur einen Bruchteil zu Wort kommen lassen. Geschickt hat Kroesinger insbesondere die Szenen aus dem Text herausgefiltert und collagiert, welche die Aktualität des neunzig Jahre alten Dramas besonders dokumentieren. Dank der Ausdrucksstärke der Darsteller schwingt der Zynismus heutiger Hasardeure und Profitgeier aus Politik und Wirtschadft immer im Raum. An Hans-Werner Kroesingers Arbeit beeindruckt vor allem der lapidare Ton, mit dem er seine Schauspieler die Oberflächlichkeit und Borniertheit ihrer Figuren zeichnen läßt

die tageszeitung

»Bilder vom Krieg und vom Terror bringt uns im Medienzeitalter das Fernsehen hautnah und hyperrealistisch direkt ins Wohnzimmer. Da kann - sollte man meinen - das Theater nicht mithalten. Umso erstaunlicher ist es, daß ausgerechnet eine szenische Lesung es vermag, intensivste Schreckensszenarien vor dem inneren Auge entstehen zu lassen. Die scharfsinnige Analyse von Karl Kraus scheint am Beginn des 21. Jahrhunderts nichts von ihrer Relevanz eingebüßt zu haben. Hans-Werner Kroesinger und sein Team schälen sie aus dem Konvolut der Textvorlagen heraus, in dem sie den Zuschauer intellektuell und von der Konzentration her fordern, aber auch mit dem Gefühl von Erkenntnis belohnen.«

Cannstätter Zeitung

»Karl Kraus hielt das Drama für unspielbar. Theatergänger dieser Welt vermöchten ihm nicht standzuhalten. In Stuttgart hielten sie stand. Dies ist in erster Linie Regisseur Kroesinger zu verdanken. Gemeinsam mit den Dramaturgen Christian Holtzhauer und Stéphanie Samesch hat er das monumentale Drama im Verlauf der Proben immer weiter komprimiert. Kroesinger gilt als Spezialist für dokumentarisches Theater. Waren bei ›Vorsicht, Schusswaffen!‹ Tonbandmitschnitte die Basis der Wortgefechte, so sind es in ›Die letzten Tage der Menschheit‹ überwiegend Zitate aus Zeitungsmeldungen, militärischen Befehlen, behördlichen Verordnungen, Gerichtsurteilen und Anzeigentexten, die schlaglichtartig auftauchen. Der Headlinecharakter der Texte bleibt bei allem impulsiven Herausbrüllen der Kriegsgräuel erhalten. Das schafft Distanz, und das ist gut so.«

Aufführungen

Uraufführung dieser Fassung

8.11.2008

Staatstheater Stuttgart