Sein Stück, das "nach irdischem Zeitmaß etwa zehn Abende umfassen würde", sei "einem Marstheater zugedacht - Theatergänger dieser Welt vermöchten ihm nicht standzuhalten", schrieb der berühmte österreichische Publizist und Satiriker Karl Kraus im Vorwort zu seinem einzigen Bühnenwerk, das - vor allem mit den Mitteln des Humors und der Satire - in über zweihundert Szenen nichts weniger als die Realität, Ursachen und Folgen des Ersten Weltkriegs darzustellen versucht.
Bis heute gilt Kraus' Werk als die umfassendste und nach wie vor gültige literarische Auseinandersetzung mit jener Katastrophe, die endgültig die Ankunft Europas im 20. Jahrhundert markiert. Die Konflikte von damals und die Zukunftsvisionen von Kraus sind dabei von erstaunlicher Aktualität. Sei es die religiöse oder politische Kluft, die Russland und Serbien vom Rest Europas trennt oder die Ahnung der Europäer, einst von Asien überflügelt zu werden oder dem eigenen Konsum- und Zeitdruck nicht standzuhalten. Wer genau hinsieht, muß feststellen, wie sehr das neue Europa alten Denkmustern verhaftet ist.
So vermag Kraus' Werk "Die letzten Tage der Menschheit" das Theater noch immer herauszufordern.