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theater und medien
Theaterstück, UA: 17.9.2010, Theater Bielefeld
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Synopsis

 Mit dem Einzelhandel geht es bergab. Das muß auch Hartmut Wildermann erfahren. Nicht genug, daß die Kundschaft in seinem Teppichgeschäft »Ex Oriente lux – Teppich Wildermann« ausbleibt; auch seine Idee, ein Teppichmuseum – und damit sich selbst ein Denkmal -  aufzubauen, stößt in der Stadt auf wenig Unterstützung. Ziehsohn Sven, nach der Wende in den Westen emigriert und seitdem emsiger Mitarbeiter im Geschäft, treiben derweil ganz andere Sorgen um: ihm graut es bei dem Gedanken an den Ist-Zustand der Geschäftsbücher. 

Als Hartmuts sechzigster Geburtstag ansteht, wird wie jedes Jahr im Kreise der Lieben gefeiert. Svens Freundin Nadine kompensiert unerfüllte Kinderwünsche mit zuviel Alkohol. Auch die Tatsache, daß Sven Maria Wildermann in der Vergangenheit bei der Befriedigung diverser Gelüste zur Hand ging, trägt wenig zur Entspannung bei. Kurzum, die Stimmung ist trübe, bis Wildermann – von Sekt und alten Geschichten euphorisiert – seinen Rückzug aufs Altenteil verkündet und den verdutzten Sven zu seinem Nachfolger kürt. Der jedoch denkt nicht im Traum daran, den hoch verschuldeten Laden zu übernehmen. Hartmut, der die Rechnung ohne seinen designierten Nachfolger gemacht hat, fährt vor Schreck der Infarkt ins Herz. Mit dem Ehemann auf der Intensivstation ist es nun an Maria, sich der Dinge anzunehmen. Unterstützung erfährt sie dabei von Herrn Yildiz, einem Spezialisten für Geschäftsliquidationen. Es gilt, offene Rechnungen zu begleichen. Auf der Liste der Schuldner steht Sven nun ganz oben.

In MEIN TEPPICH IST MEIN ORIENT erzählt Björn Bicker von der Unausweichlichkeit  eines bürgerlichen Totalschadens. Zwei Paare, zwei Generationen haben sich emotional und finanziell derart verheddert, daß am Ende nichts mehr übrigbleibt von der scheinbaren Sicherheit der mühsam aufgebauten Mittelstandsexistenz. Während Privates und Politisches heillos ineinander wuchert, wartet Herr Yildiz mit kühlem Kopf und neoliberaler Herzlichkeit auf die Abwicklung des Familienunternehmens.

Eingeladen zum Heidelberger Stückemarkt 2008

Auszug
ZEIGENBjörn Bicker

Björn Bicker vereint mindestens zwei Autorenseelen in seiner Brust. Zum einen verfasst er Theaterstücke, die ihm und seiner Generation die eigene Herkunft zu erklären suchen; zum anderen ist er ein zutiefst politischer Autor, der in den letzten Jahren mit den Stadtprojekten BUNNYHILL und ILLEGAL höchst erfolgreich alternative Theaterformen und -konzepte umsetzte.

Neuigkeiten
Presse
Süddeutsche Zeitung

»Bickers Kunststück ist, daß das, was in einer nüchternen Inhaltsangabe als Konstrukt erscheint, eine soghafte Zwangsläufigkeit entwickelt. Man hört den Figuren bei ihren teilweise ineinander verwobenen Erzählungen, bei ihrem nach einem Licht im Dunkel der Vergangenheit tastenden Dialogen zu wie in einem Kriminalhörstück auf der Suche nach einer Erkenntnis, die allein die Erzählung selbst gebiert. Geschichte bedeutet bei Wilbert stets zweierlei: Historie und eben Erzählung. Bis sich alle um Kopf und Kragen geredet haben. Das notwendige, lange unterdrückte Reden führt dann regelmäßig zu Katastrophen. Wenn in MEIN TEPPICH IST MEIN ORIENT, Wilberts neuestem Stück, der kulturgeschichtlich begründete Niedergang eines Teppichgeschäfts mit dem Unwillen zur Schwangerschaft angesichts der politischen Forderung, Frauen sollten mehr Nachwuchs aus sich herauspressen verknüpft wird und ausgerechnet ein Deutscher mit anatolischen Eltern zum Insolvenzverwalter des Ladens berufen wird, blüht der Wahnsinn des Alltags wunderschön.«

Aufführungen

Szenische Lesung

Mai 2008

Theater der Stadt Heidelberg, Heidelberger Stückemarkt

Uraufführung

17.9.2010, Theater Bielefeld