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theater und medien

Dramatikerpreis der deutschen Wirtschaft und

CAA-Stipendium 2013 für Anne Lepper

Anne Lepper erhält in diesem Jahr den Dramatikerpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft. Die Auszeichnung ist mit 10.000 EUR dotiert und mit einer Inszenierung am Nationaltheater Mannheim verbunden.

Die Jury - bestehend aus Markus Kerber, Burkhard C. Kosminski, Sonja Anders, Joachim Lux, Peter Spuhler, Wilfried Schulz, Antonia Ruder, Stephan Frucht und Pamina Gerhardt - wählte Lepper aus einem Kreis von 20 vorgeschlagenen Autoren aus. In der Begründung der Jury heißt es: »Anne Lepper polemisiert in ihrem Stück SEYMOUR auf witzige und gleichzeitig bitterböse Art gegen den Perfektionierungswahn unserer Gesellschaft. In einer anspielungsreichen Sprache thematisiert sie unsere tiefsitzende Angst, nicht zu genügen, und zeichnet ein überspitztes und dadurch umso passenderes Bild der heutigen Zeit, ohne zu moralisieren.«

Zudem erhält Anne Lepper ein Stipendium der Contemporary Arts Alliance (CAA) Berlin, das im Rahmen der Kooperation mit dem Stückemarkt des Theatertreffens vergeben wurde. Barbara Burckhardt, Redakteurin bei Theater Heute und CAA-Expertin im Bereich Theater, begründet die Entscheidung: »Vor genau einem Jahr erschien Anne Lepper wie vom Himmel gefallen in der Theaterwelt: Gleich zwei Stücke der nahezu unbekannten 33-Jährigen kamen innerhalb einer Woche zur Uraufführung: SEYMOUR und KÄTHE HERMANN. Anne Lepper schreibt in einer suggestiven Sprache, in deren Leerstellen sich weite Phantasiewelten öffnen, Stücke, die sich in einer sehr engen Welt ins ganz Große und ganz Weite hineinsprechen wollen - ein aussichtsloses Unterfangen, in dem so viel Komik wie Schrecken steckt.«

Im vergangenen Jahr wurde Anne Lepper zur Nachwuchsdramatikerin des Jahres gewählt, zudem wurden ihre Stücke u.a. zu den Mülheimer Theatertagen und den Autorentheatertagen am Deutschen Theater Berlin eingeladen.

Wir gratulieren sehr herzlich!

Zurück auf der Bühne: Thomas Melle

Mit AUS EUREN BLICKEN BAU ICH MIR EIN HAUS - dritter Teil der lockeren ›Licht frei Haus-Trilogie‹ meldet sich Thomas Melle nach erfolgreicher Prosapause (der Roman SICKSTER erschien 2011 bei Rowohlt, Berlin) furios als Theaterautor zurück. Tatsächlich ist den durchweg guten Kritiken auch ein Tenor der Erleichterung und Freude zu entnehmen, daß ein Autor vom Kaliber Melles dem Theater trotz seiner jüngsten Prosa-Erfolge erhalten bleiben kann. Stefan Keim sieht im nun am Schauspielhaus Wuppertal uraufgeführten Text eine Weiterführung des Romans: »Wieder geht es um die Suche nach Lebensentwürfen, eine gewissenlose Gier nach einem sicheren Platz im Leben. Thomas Melle beschreibt eine tiefe Verunsicherung, aus der die Flucht in konservative Lebensformen keinen Ausweg bietet. Ein ausgezeichnetes Stück, geeignet für jede Kammerspielbühne.« Ähnlich beschreibt es Marion Ammicht in der FAS, die das Stück lobt, der Inszenierung allerdings nicht viel abgewinnen kann: »Ein tolles Stück über die kleinen Risse in der Fassade der Seele, die Thomas Melle so virtuos katastrophal immer weiter bröckeln und aufreißen läßt. Das sollte vielleicht noch mal einer ran. Bauherren gesucht.« Auch Sarah Heppekausen erweist sich auf nachtkritik als große Fürsprecherin von Melles Theaterkunst: »Das Unbehagen, das irgendetwas im Leben nicht stimmt, ist das Grundgefühl der Protagonisten in Melles Stücken. Das Draußen wird zum Verhängnis, weil es eine andere Sicht auf Dinge und Personen hat. Melle diagnostiziert postmoderne Perspektivlosigkeit nicht nur als Gesellschaftsphänomen, er veranschaulicht sie sprachlich. Eine distanzierte Haltung ist bei Melle-Stücken sicher nicht unangebracht. Der Autor ist selbst Sprachskeptiker. Aber seine Figuren sind es nicht. Sie jonglieren mit Worten, mal in lakonischen Dialogen, mal in allegorischen, fremdwortgesättigten Monologen, die in all ihrer menschengrausamen Direktheit dennoch poetisch klingen. Melles Menschen sind (lebens)unsicher. Aber Sprache ist für sie wie eine Waffe, die sie zu nutzen wissen.«

 

Berlin. Berlin. Mannheim: Drei Mal Olivia Wenzel

Mit ihrem neuesten Stück EXZESS, MEIN LIEBLING ist Olivia Wenzel zur langen Nacht der Autoren am Berliner DT eingeladen worden. In ihrem mittlerweile vierten Bühnentext erzählt Wenzel vom Tod eines Jungen, von der zermürbenden Suche nach Glück und diversen Klangschalen. Lily Sykes inszeniert am 15.6.13 auf der Großen Bühne des Deutschen Theaters Berlin. Für Mareike Mikat hat Olivia Wenzel den Text WEISSES MÄUSCHEN WARME PISTOLE verfasst, der am 21. Juni unter dem Titel UNTER DREI - BEATE, UWE UND UWE am Ballhaus Ost Berlin Premiere feiert. Es handelt sich dabei um eine Koproduktion von Ballhaus Ost, Staatstheater Braunschweig und Theater Rampe Stuttgart. Für die Mannheimer Schillertage hat sich das Theater- und Medienkollektiv machina eX - ebenfalls mit Olivia Wenzel als Autorin - mit Schillers Ballade vom verschleierten Bild zu Sais befasst und unter dem Titel BLIND VARIATION #3 auf Wahrheitssuche begeben. Machina eX macht theatrale Computerspiele in lebensechter Grafik. Im Rahmen der Doppelpass-Förderung der Kulturstiftung des Bundes kooperiert das Kollektiv mit dem fft Düsseldorf.

Zurück ins Radio: HATE RADIO im WDR und ORF

Radio ist ein Begleitmedium, heißt es. Auch ein Begleitmedium beim Morden? HATE RADIO zeigt, daß Worte töten können. Und es getan haben. Nach dem großen internationalen Erfolg der Theater-Produktion ist Milo Raus HATE RADIO nun gewissermaßen wieder beim "Ursprungs-Medium" angekommen. WDR und ORF haben das 53-minütige Hörspiel in der Umsetzung von Milena Kipfmüller produziert, die Ursendung erfolgte am 16. April 2013. Der Massenmord, der sich 1994 in Ruanda ereignete, hatte einen „Soundtrack“ - und der kam aus dem Radio. Auf dem populären Sender RTLM wurden coole Moderationen, aktuelle Sportnachrichten und die neuesten Hits verbunden mit Hasspropaganda und gezielten Aufrufen zum Mord. Wenn die Hörer anriefen, wünschten sie sich Musik und denunzierten die Verstecke derjenigen, die als nächste zu Opfern des Genozids werden sollten. Der lässige Stil, der Groove und die Formate von RTLM sind die gleichen wie die von Radiostationen überall auf der Welt. Das Hörspiel „Hate Radio“ holt RTLM und seine Mechanismen der Propaganda in die deutsche Radiowirklichkeit - mit den Radiomoderatoren Max von Malotki, Bianca Hauda und Uwe Wassermann. Denn man muss nur wenige Namen, Orte und Zeitbezüge weglassen, und das, was dieses Radio begleitete und auslöste, könnte überall auf der Welt geschehen sein oder noch geschehen.

Neuigkeiten
Bicker in Deutschlandradio Kultur

In einem Interview mit Deutschlandradio Kultur sprach Björn Bicker über sein Stadtraumprojekt URBAN PRAYERS, das am 6. Juni Premiere an den Münchner Kammerspielen hat. Das Projekt geht der Frage nach, auf welche Weise Glaubensgemeinschaften in einer Stadt sichtbar werden und welche Wechselwirkungen zwischen ihnen und dem urbanen Raum besteht.

Hofmann & Lindholm und andcompany&Co. bei der Impulse Biennale 2013

»Nebenschauplätze Nr. 1: Das 20. Jahrhundert« von Hofmann & Lindholm und »Der (kommende) Aufstand« von andCompany&Co. sind zwei der "bemerkenswerten künstlerischen Arbeiten der freien Theaterszene", die im Programm der Impulse Biennale 2013 vom 27. Juni bis 6. Juli in Bochum, Düsseldorf, Köln und Mülheim a.d. Ruhr gezeigt werden. Wir gratulieren zur Einladung und empfehlen den Besuch dieser außergewöhnlichen Produktionen!

Triumph in Mainz: Gockels »Deutsches Märchen«

»Alles gewollt, alles gewagt, alles gewonnen: Theatertriumph in Mainz« schreibt das Darmstädter Echo zu Gockels Grimm-Abend am Staatstheater in Mainz. Und weiter: »GRIMM. EIN DEUTSCHES MÄRCHEN« gehört mit Abstand zum Besten, was das Mainzer Schauspiel seit Jahren zu bieten hat«. Jan-Christoph Gockel befreit die Erzählungen in seiner eigenen Fassung und Regie vom staubigen Märchenton und offenbart dadurch einen ungewöhnlichen Blick auf deutsche Geschichte, Kultur und Tiefenpsychologie. Er macht sich gemeinsam mit dem Puppenbauer und -spieler Michael Pietsch auf eine Spurensuche nach der Biografie der beiden unzertrennlichen und dennoch so verschiedenen Brüder. In ihrem Theaterabend folgen sie den Lebensstationen der Grimms und betrachten sie dabei durch den surreal verzerrenden Spiegel ihrer eigenen Märchenkreationen.

Das Sausen der Welt: PeterLicht und SEE! am Schauspiel Köln

»In seinen besten Momenten läßt dieser Abend konkrete Krisen links liegen und entwickelt sich zu einer Art Traum-Mediation. Er benennt Ungreifbares, läßt Aufmerksamkeit für Kleines, Unhörbares, Unbewusstes entstehen« kommentiert Dorothea Marcus im Deutschlandfunk die Uraufführung DAS SAUSEN DER WELT. PeterLicht ist mit diesem Text zum Theater zurückgekehrt und fragt: »Warum Oje statt OK« und bietet dabei »ein Espressöchen« an. Im SAUSEN DER WELT folgen wir Krisenkinder einem Rattenbündel im Kreisgang, wir verzinsen uns in Richtung der Zukunft (einer fernen Erscheinung), während uns das Eigentliche entgleitet. DAS SAUSEN DER WELT ist ein Tinnitus, ein Exerzitium, eine Wahrnehmbarmachung der dunklen Melodien, ein Kreisel aus bösen Geistern, Endkunden und einem Tässchen Kaffee. Eine Raumeroberung aus Musik, Text, Gesang, Tanz und Bewegung (Uraufführung: 14. Februar 2013, Schauspiel Köln). Konzept und Regie: SEE!

Sechs von 25: Goethe-Institut portraitiert Performance-Künstler und Regiekollektive

Auf den Internetseiten des Goethe-Instituts wird mit der neu geschaffenen Rubrik „Performance-Künstler und Regiekollektive“ der aktuellen Entwicklung im Bereich Theater und Tanz Rechnung getragen. Die 25 ausgewählten Gruppen und Künstler zeichnen sich dadurch aus, daß sie in ihren Arbeiten die traditionellen Sparten- und Gattungsgrenzen hinter sich lassen. Ihr interdisziplinärer Ansatz geht in vielen Fällen einher mit der Suche nach veränderten Produktionsbedingungen, die von der freien Szene und ihren Produktionshäusern getragen mittlerweile auch in die Stadt- und Staatstheater Einzug gehalten haben. Mit andcompany&Co., Auftrag : Lorey, Hans-Werner Kroesinger, Hofmann&LindholmMilo Rau und Rimini Protokoll werden sechs dieser 25 Künstler und Kollektive von schaefersphilippen ™ vertreten.