Alle die uns kennen

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Theater, Noch frei zur UA
Inhalt

Die Schule ist ein Universum für sich. Voller halbwüchsiger Phantasien, Projektionen, unerreichbarer Ideale und Objekte. Was aber, wenn ein Lehrer zu einem solchen Objekt wird?

Am Umgang mit Regen erkennt man die Seele des Menschen, heißt es. Die Schülerin Polly und der junge Lehrer Nick treffen nach Schulschluß  auf dem Parkplatz scheinbar zufällig aufeinander. Es regnet, der Bus ist weg, und das Mädchen bittet darum, im Auto mitgenommen zu werden. Das wiederum will Nick aus gutem Grund verhindern, kursiert doch ausgerechnet von Polly ein Video, das für explizites Aufsehen sorgt.

Daß seine Schutzbefohlene dann wenig später doch neben ihm im Auto sitzt, mag mit Pollys Teenage-Rhetorik zu tun haben, der schwer beizukommen ist - vielleicht aber auch mit der Tatsache, daß nicht nur sie ein Faible für das Spiel mit dem Tabu hat. Schnell verschwimmen die im Klassenzimmer klar gezogenen Grenzen der Autorität und machen den Weg frei für ein filigranes Geflecht aus Machtausübung, Behauptung, Provokation und echter Gefahr.

Dani Dröscher hat einen großartig arrangierten Verführer-Dialog verfaßt, der mit allen Regeln der Provokation von zwei vermeintlich ungleichen Partnern geführt wird. Doch ein junges Mädchen ist in der Betrachtung der Welt eben nie nur ein junges Mädchen - und Polly dreht den Spieß um, indem sie Nick zum Objekt macht.

Auszug

»Als Kind will man Feuerwehrmann werden. Astronaut. Polizist. Aber Lehrer? Ich kann Ihnen verraten, was Adorno über den Lehrerberuf sagt. Wir denken, sagt er, daß Lehrer verkappte Henker sind. Pensionsberechtigte Akademiker zweiter Klasse, die das Recht des Stärkeren genießen. Unangenehm. Anbiedernd. Erotisch verkrüppelt.«