Alles in Ordnung

Autor*in(nen)
Theater, UA: 18.06.2010, Theater Rampe, Stuttgart
Inhalt

Der Tag, der ihr Leben verändern könnte, beginnt am frühen Morgen auf einer Brücke. Susa steht auf der Brüstung, bereit zum Sprung, mit dem sie sich selbst den Mut zum Neuanfang beweisen will. Daß dieser Sprung lediglich eine Kopie ist, der hilflose Versuch, den Gesetzen der Zeit zu trotzen und ein gemeinsam erlebtes Gefühl allein zu reproduzieren, das alles kann Gerd nicht wissen, der herbeistürmt, um die junge Frau vor einem Selbstmord zu bewahren, der keiner ist. Eine Szene, die romantischer kaum sein könnte, hätte man nur die Augen dafür. Im Gerangel des Rettungsversuches rutscht Susa schließlich ab und fällt - ganz unfreiwillig - ins Wasser. So hat sie sich den Neubeginn nicht vorgestellt. 

Eher widerwillig und stockend beginnt ein gemeinsamer Tag. Schicksal oder Zufall? Beiden scheint bewußt, daß das hier irgendwie besonders sein könnte, allein, es fühlt sich nicht so an. Während einer zunächst ziellosen Autofahrt bleiben sich Susa und Gerd fremd auf engstem Raum, bis sie die gemeinsame Utopie eines spontanen Ausbruchs bis ans Meer führt.

Da stehen sie nun wie ein Liebespaar, das keines ist, intim und fremd zugleich, und es reift die Erkenntnis, daß Sehnsucht allein noch keine Zweisamkeit generiert. Nur Gerds Freund Bongo ahnt, daß das die ganz große zweite Chance ist. Während er hektisch versucht, Gerd ans Telefon zu kriegen, befindet sich das ungleiche Paar weiterhin auf der Fahrt ins seelisch Ungewisse. Der Abend naht. Ist alles in Ordnung? Haben sie sich einer Illusion hingegeben?

Andreas Sauter und Bernhard Studlar haben 10 Jahre nach ihrem großen Erfolg A. IST EINE ANDERE gewissermaßen eine Fortsetzung geschrieben, in der sie von der Fragilität von Chancen und den Sekundenbruchteilen erzählen, in denen wir uns entscheiden und die in ihrem Vergehen Zufall und Schicksal unterscheiden. Unter der standardisierten Antwort »Alles in Ordnung«, mit der wir gemeinhin unwillkommene Fragen abweisen, haben die beiden Autoren eine unterbewußte und brodelnde Welt entdeckt, die uns vom Ausbruch aus dem Alltäglichen zurückhält. Sauter und Studlar jedenfalls haben mit diesen drei Wörtern ein Ventil zum Verdrängten und Unbewußten hin geöffnet und all jenes Jenseitige dramatisch durchdrungen und in einen wunderbaren, philosophischen wie hochkomischen und nicht zuletzt lebensbejahenden Bühnentext verwandelt.

Wenn das Leben an uns vorbeizuziehen scheint und es Zeit ist, auf die Bremse zu treten und innezuhalten, so ist ALLES IN ORDNUNG der szenisch brillant montierte Road-Trip dazu. Ein Stück über den täglichen Neuanfang und die Chancen, die wir übergehen, über die Angst, alles zu versauen, den richtigen Moment zu verpassen oder schlicht und ergreifend einer kindischen Farce aufzusitzen.