Black Square

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Theater, noch frei zur UA
Inhalt

Dick und Duck, ein distinguiert-bürgerliches Pärchen, werden umgarnt und verführt von zwei Personen, die plötzlich auftauchen und sich einfach nur „Black Square“ nennen: zwei schwarze Racheengel, die angeblich direkt aus der Zukunft kommen, von einem Ort afrofuturistischer Utopie, angesiedelt zwischen Addis Abeba und Lagos. Es entsteht eine merkwürdige Atmosphäre, oszillierend zwischen sexuell mehrdeutiger Anziehung, freundlich-überheblicher Hilfestellung und subtiler Bedrohung.

Schließlich wird immer deutlicher, dass ihr Plan offenbar nicht nur darin besteht, das Pärchen Tremane, stellvertretend für die white supremacy, finanziell auszunehmen und gegeneinander auszuspielen, sondern den beiden auch aufzuzeigen, dass es in der Zukunft keinen Platz mehr gibt für ihre kapitalistische, rassistische und ausbeuterische Lebens- und Verhaltensweise. Doch die beiden Black Squares 1 und 2 haben den Ballast (un-)menschlicher Evolution offensichtlich noch nicht ganz abgeschüttelt, denn sie verfallen bei der Ausführung des obskuren Plans in alte genetische Prägungen von Rachsucht und Geiz, und schlussendlich bringen sie sich gegenseitig um, ohne ihre Mission erfüllt zu haben.

Doch das Rad dreht sich weiter – oder wieder zurück? – und es kommen zwei neue Vertreter aus der überlegenen Zukunft – oder sind es nur wieder die alten? –, entschuldigen sich höflichst bei Duck und Dick für das schlechte Verhalten der beiden Vorgänger, erläutern die geheime Mission und machen gleichzeitig alles vollends undurchschaubar.

Stadelmaier spielt prägnant und elegant mit Ideen des Afrofuturismus’ und mischt Science-Fiktion-Elemente mit aktuellen Diskussionen um Gender-, Rassen- und Identitätskonstruktionen. Sein Zugang ist ein leichtfüßiger und zugleich tiefgründiger Marsch durch die Geschichte des Kolonialismus’, Postkolonialismus’ bis hin zur utopischen Überwindung althergebrachter Strukturen des eurozentristischen Systems. Irgendwie ahnt man: Das Andere ist natürlich nicht das Abzulehnende und Böse. Aber es ist per se eben auch lediglich die andere Seite der Medaille. Was es braucht ist eine Überwindung, eine wirkliche Transformation.