Dr. Alici (AT)

Autor*in(nen)
Theater, UA: Januar 2019, Münchner Kammerspiele
Inhalt

Von Arthur Schnitzler ist bekannt, daß er Arzt gewesen ist und zudem Romane und Dramen verfasste. Der Psychoanalyse Sigmund Freuds anverwandt geben seine Werke treffende Diagnosen des Seelen- und Trieblebens der Menschen ab. Mit dem Einblick in das Innerste der Figuren liefert er auch ein treffendes Bild der Wiener Gesellschaft um die Jahrhundertwende. ›Professor Bernhardi‹ gibt ein realitätsgetreues Abbild der universitären, politischen und krankenhausinternen Intrigen jener (und jeder) Zeit. Im Zentrum steht dabei der erstarkende Antisemitismus, welcher von zahlreichen Widersachern des Professor Bernhardis, der jüdischen Glaubens ist, ausgenutzt wird, um ihren eigenen karrieristischen Zielen nachzugehen und Bernhardi von seiner Position zu verdrängen. Die Religion dient hier lediglich als Verschleierungshilfe für skrupelloses und egoistisches Handeln. Schnitzler verhandelt in ›Professor Bernhardi‹ einen Kampf zwischen Aufklärung, Rationalität und Dogmatismus und stellt die Frage nach der Möglichkeit ›das Richtige zu tun‹ in den Vordergrund.

Olga Bach greift in ihrem Stück ›Dr. Alici‹ die Konflikte und Fragen Arthur Schnitzlers auf und adaptiert sie in die Gegenwart. Wo verlaufen heute die Konfliktlinien zwischen Ethik und Politik? Wie weit sind Menschen bereit für ihre Karriere zu gehen? Und wie wirken Entscheidungen die heute getroffen werden, sich auf die Zukunft aus? Mit skurrilen Figuren und einem dystopischem Setting wirft sie einen kritischen Blick auf unsere Gegenwart. Das Krankenhaus wird zum Polizeipräsidium und Professor Bernhardi zu Dr. Alici. Ein Mann zur Frau, das Judentum getauscht gegen den Islam. Die Konflikte verlaufen nicht gleich, genau so wenig wie sich die Vergangenheit wiederholt - aber die schleichende Veränderung des menschlichen Zusammenlebens und Zusammenarbeitens, die subtilen Mechanismen, mit denen Rassismus gesellschaftsfähig wird und die Korruption des Politikbetriebs finden ihr zeitgenössisches Pendant in ›Dr. Alici‹. Und das im Bayern des Jahres 2023. Zwei Monate vor der Bayerischen Landtagswahl.