Gutmenschendämmerung

Autor*in(nen)
Theater, Noch frei zur UA
Inhalt

Zwei weiße europäische Frauen schuften unter qualvollen Bedingungen. Ihre Vorgesetzte - gar nicht aus Europa - schikaniert die beiden nach Belieben und mit Vergnügen.

Auf perfide Weise schafft sie es dabei, ihnen einzureden, daß diese Maßnahmen aus purer Alternativlosigkeit und zu ihrem Vorteil erfolgen würden. Angesichts ihrer mißlichen Lage machen sich Laura und Julia jene Gedanken, die sich unterdrückte Massen machen, und verstricken sich dabei in den ideologischen Zwickmühlen, die das Verhältnis zwischen Ausbeutenden und Ausgebeuteten seit je bestimmen: Lohnt es sich, gegen die herrschenden Strukturen zu rebellieren? Oder setzt man durch einen Aufstand nicht die eigene Situation aufs Spiel? Aber haben wir überhaupt etwas zu verlieren?

»Gutmenschendämmerung« spielt mit Motiven und Konstellationen aus Jean Genets »Zofen«. Es ist eine bemerkenswert scharfzüngige und schwarzhumorige Parabel, die sich an der strukturellen Schizophrenie europäischer Verhaltensreflexe gegenüber Immigrant*innen abarbeitet. Ständig wechseln die Protagonistinnen ihre Positionen im Graubereich zwischen Hilfsbereitschaft und Selbstgeißelung. Sie sind gefangen in ihren vermeintlich politisch korrekten Vorstellungen von sich und ihrem Verhältnis zur Welt. Dabei führt die Realität vor ihren Augen unbemerkt eine Tragödie nach der anderen auf. Die programmatische Umdrehung der Herrschaftsverhältnisse der »Zofen« führt zu einer kontinuierlichen Achterbahnfahrt durch Machtstrukturen und Moralvorstellungen und rührt dabei an Fragen nach einer kollektiven Schuld und Verantwortung Europas.

»Gutmenschendämmerung« ist als Recherche-Performance mit dem tunesischen Kollektiv Yemina (yemina gharbi & mehdi younes) entstanden und als Werkstattaufführung im Berliner Theater unterm Dach produziert worden. Es ist zur Uraufführung frei.