Himmelangst

Autor*in(nen)
Theater, UA: 03.10.2009, Schauspiel Bochum
Inhalt

Shirin, Rukaya und Leyla, drei persische Schwestern, üben als Flugbegleiterinnen ihren Beruf am Himmel aus. Nicht unbedingt der ideale Arbeitsplatz, denn sie sind furchtsame Menschen und zumindest eine von ihnen hat Angst vorm Fliegen. Hoch über den Wolken treffen sie auf einen Mann, der auf dem Weg ist, der nächste amerikanische Präsident zu werden, und der niemals Angst hat. Angeblich. Denn dorthin, wo sie sich begegnen, gelangt nur, wer Angst hat und sich schützen muß. Und dort gelten andere Gesetze. Gefühle kulminieren, Geheimnisse und Ängste werden bloßgelegt.

Gretchen, Johanna und Lulu, so könnten sie auch heißen. Drei tragische Mädchenfiguren, drei Sehnsüchtige, die sich hingeben - an die Liebe, an die Idee, an die Männer - um in ihrer Hingabe sich selbst zu finden. Doch sie tragen andere Namen, persische. Sie sind moderne Figuren, die in ihre Zeit gehören, in die Gegenwart also. Schon deshalb müssen sie sich unausweichlich von ihrer tragischen Vorlage trennen, sich gegen die Konservierung und Restauration einer Vergangenheit stellen, die nicht die ihre ist, und neue Wege einschlagen. Denn nur so gelangen sie zu einer eigenen Geschichte, die im Jetzt startet. So wie die Schwestern die Vergangenheit ihrer Vorlage wie eine Erinnerung in sich tragen, so schlummert auch im Präsidenten nur eine Spur, eine Potentialität, die aller vernünftigen Realität widerspricht: Othello ist nur eine Ahnung davon, wie eine Geschichte enden könnte. Daß sie anders enden wird, steht fest. Denn der Weg ins Paradies liegt vor ihnen.

Eingeladen zu »Radikal Jung«.

Auszug

»Du siehst mir in die Augen und ich frage dich, wann du das letzte Mal glücklich gewesen bist, und du sagst: als Kind. Nie habe ich eine andere Antwort auf diese Frage, aber du kannst nicht aufhören, sie mir nicht zu ersparen.«