Marilu

Autor*in(nen)
Theater, noch frei zur UA
Inhalt

Ein flirrend träger Sommertag. Leises Vogelgezwitscher, das Geräusch eines Rasensprengers, die Kühle des Pools. Ein alter Mann mit Kopfhörern vor dem Fenseher. Endlose Ballwechsel, Aufschlag, Schnitt, Gegenschnitt. Eine alte Dame und die Nachbarin. Ein kleiner Skandal um den schwarzen Tennislehrer erfrischt den Alltag ein wenig.

Die dahinsiechende Idylle wird durch die Ankunft eines schönen Mädchens und eines Jungen unterbrochen. Die beiden wollen Monsieur Godard besuchen, um mit ihm über Filme und vielleicht sogar über ihre eigenen Projekte zu sprechen. Der aber interessiert sich nicht mehr für Kunstproduktion und auch nicht für hübsche Frauen, die hübsche Dinge tun. Sein ungeteiltes Interesse gilt nur mehr dem Sport im Allgemeinen und dem Tennis im Besonderen.

Warten, Ausharren. Die Vergänglichkeit spüren. Der Alte sieht fern, die reifen Damen nehmen Tabletten am Pool, während sich die Jungen nach Kunst und Bedeutung sehnen, selber Künstler und bedeutend sein wollen. Ihr Verlangen nach epischen Bildern läuft seltsam leer an einem Ort wie diesem. An einem Ort, an dem sich die Tage endlos wiederholen, bis irgendwann der letzte aller Tage anbricht.

MARILU ist wie auf Zellophan geschrieben. Unwirklich und entrückt, morbide und ungreifbar. Was ist das für ein Ort? Das Refugium eines genialen Greises? Der Atmosphäre des Stückes, die zwischen Tagebucheintragungen, Notizen und kurzen Gesprächen aufzieht, vermag man sich kaum zu entziehen. Könnte das Leben ein zur Realität gewordener Traum sein?

Wie schreibt man über das, was flüchtig ist, sich nicht in Worte fassen läßt, wenn die Objekte unserer Sehnsucht per Definition unerreichbar bleiben müssen? Das schöne Mädchen und der Junge in Dröschers Stück versuchen sich an der Quadratur des Kreises, indem sie ankommen und verharren an einem unwirklichen Ort. Zu Beginn noch selbst mit Referenzen an Godards Meisterwerk »Le Mépris« spielend, werden sie schnell selbst Teil des Unsagbaren, entfernen sich voneinander, verlieren sich zwischen den vermengten und überlagerten Ebenen. Schließlich verschwindet das schöne Mädchen. Und Godard spricht.