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theater und medien
Theater, UA: 22.3.2013, Wuppertaler Schauspielhaus
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Synopsis

Birger und Kevin sind dem nervenaufreibenden Großstadtleben entflohen und haben sich in einem Neubaugebiet am urbanen Speckgürtel niedergelassen. Dort möchten sie ein beschauliches, zurückgezogenes Leben führen. Doch offensichtlich steckt die gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft in der Krise; Hauptbeschäftigung ist das mißmutige Beobachten neuer Zuzügler. Zu den Beargwöhnten gehört zunächst auch Dorte, eine psychische Grenzgängerin, die sich nebenan ein Haus baut. Doch schon bald kommen sich Kevin und Dorte näher; so nah, daß Dorte von dem gemeinsamen Kinderwunsch des Paares erfährt. Und vor der Frage steht, ob sie nicht auch ein Kind möchte und als Mutter Teil einer Dreierbeziehung sein will. Dorte willigt ein, doch als sie hochschwanger einen Depressionsschub erleidet, lassen Birger und Kevin sie umgehend in eine geschlossene Anstalt einweisen – und beantragen selbst das Sorgerecht.

Das Stück erzählt in messerscharfer sprachlicher Zuspitzung, wie Menschen kaltblütig auf Kosten anderer ihre Lebensentwürfe zu verwirklichen suchen.

ZEIGENThomas Melle
Thomas Melle schreibt Theaterstücke und Prosa. 2007 erschien sein erster Erzählband bei Suhrkamp. U.a. entstanden die Theaterstücke DAS HERZ IST EIN LAUSIGER STRICHER, AUS EUREN BLICKEN BAU ICH MIR EIN HAUS oder NICHT NICHTS. Sein Roman »Sickster« erschien im Herbst 2011 bei Rowohlt Berlin. Der Nachfolger »3000 EURO« landete auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2014 und wurde 15/16 an diversen Theatern aufgeführt. Mit dem Stück BILDER VON UNS (UA, Theater Bonn) wurde er 2016 zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen. Derzeit entstehen neue Stücke, u.a. für die Theater in Bonn und das DT in Berlin. Mit seinem Buch »Die Welt im Rücken« stand Melle erstmals auf der Bestseller-Liste.
Neuigkeiten
Presse
Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Ein tolles Stück über die kleinen Risse in der Fassade der Seele, die Thomas Melle so virtuos katastrophal immer weiter bröckeln und aufreißen lässt. Da sollte vielleicht noch mal einer ran. Bauherren gesucht.«

Deutschlandradio

»›Aus euren Blicken bau ich mir ein Haus‹ ist eine Weiterführung von Thomas Melles Erfolgsroman ›Sickster‹. Wieder geht es um die Suche nach Lebensentwürfen, eine gewissenlose Gier nach einem sicheren Platz im Leben. Doch diesmal am Rande der Metropole, im bürgerlichen Speckgürtel. Die beiden Männer wollen ein Kind, die psychisch instabile Dorte beginnt mit ihnen eine Dreiecksbeziehung und wird schwanger. Doch als sie einen manischen Schub erleidet, wird deutlich, daß Birger und Kevin sie nie dauerhaft in ihr Leben lassen wollten. Dorte bringt das Kind zur Welt und wird abgeschoben, in die Psychiatrie, das Sorgerecht bekommt Vater Kevin. Doch sie kehrt zurück, gesund, sagt sie, aber voller Zorn und Trauer. Diese Geschichte ließe sich als effektvolle Mischung aus Edelboulevard und Psychothriller erzählen. Thomas Melles Stück hat auch einen entsprechenden Spannungsbogen, geht aber sprachlich weit über das Unterhaltungstheater hinaus. Es gibt starke Monologe, in denen die Gedanken pointiert zugespitzt werden. Thomas Melle beschreibt eine tiefe Verunsicherung, aus der die Flucht in konservative Lebensformen keinen Ausweg bietet. Ein ausgezeichnetes Stück, geeignet für jede Kammerspielbühne, eine packende Uraufführung mit hervorragenden Schauspielern.«

nachtkritik

»Das Unbehagen, das irgendetwas im Leben nicht stimmt, ist das Grundgefühl der Protagonisten in Melles Stücken. Das Draußen wird zum Verhängnis, weil es eine andere Sicht auf Dinge und Personen hat. Melle diagnostiziert postmoderne Perspektivlosigkeit nicht nur als Gesellschaftsphänomen, er veranschaulicht sie sprachlich. Ihre Folge sind Einsamkeit, Drogen und Depressionen. Eine distanzierte Haltung ist bei Melle-Stücken sicher nicht unangebracht. Der Autor ist selbst Sprachskeptiker. Aber seine Figuren sind es nicht. Sie jonglieren mit Worten, mal in lakonischen Dialogen, mal in allegorischen, fremdwortgesättigten Monologen, die in all ihrer menschengrausamen Direktheit dennoch poetisch klingen. Melles Menschen sind (lebens)unsicher. Aber Sprache ist für sie wie eine Waffe, die sie zu nutzen wissen.«

Aufführungen

Uraufführung:

22.3.2013, Schauspielhaus Wuppertal