Christian Weise in Kassel

Darf man über Nazis lachen? Das musste sich schon Ernst Lubitsch fragen lassen, als er seinen Welterfolg 1942 auf die Leinwand brachte.

Am 9. Oktober bringt Christian Weise (Bühne und Kostüme: Paula Wellmann) die auf Basis des Drehbuchs entstandene Komödie »Sein oder Nichtsein« von Nick Whitby am Staatstheater Kassel auf die Bühne. Es ist seine erste Arbeit in Kassel, wo in diesen Tage die Eröffnung der neuen Intendanz unter Florian Lutz gefeiert wird.

Christian Weise wird im weiteren Verlauf der Spielzeit außerdem am Nationaltheater Mannheim (»Das Floß der Medusa«) und am Maxim Gorki Theater Berlin (»King Lear«, u.a. mit Corinna Harfouch) inszenieren.

Am gleichen Wochenende - jeweils am 10. Oktober - feiern zudem Wilke Weermann am ETA Hoffmann Theater in Bamberg sowie Thom Luz am Residenztheater München Premiere.

JEEPS von Nora Abdel-Maksoud

In einem grauen tristen Beamtenbüro treffen zwei Sachbearbeiter auf zwei Damen, die ihnen die Pistole auf die Brust richten – und damit drohen, den lang ersparten Geländewagen in die Luft zu sprengen. Die eine Hartz IV-Empängerin, die beim Pfandflaschensammeln erwischt wurde und nun nicht einsehen möchte, dass der Pfanderlös auf ihre Tagessätze angerechnet werden soll, die andere Tochter eines gerade Verstorbenen, die sich nun um ein Los bewerben möchte, um ihr Erbe zu erhalten. Denn das natürliche altbekannte Erbrecht wurde reformiert und Hinterlassenschaften werden nun per Losentscheid verteilt. Somit haben alle die Chance, etwas von den jährlich vererbten Summen von 400 Millarden Euro zu bekommen.
Mit ihrem Text JEEPS setzt die Autorin und Regisseurin Nora Abdel-Maksoud an einem tiefen sozialen Sicherheitsbedürfnis an.

 

HYPNOS von Wilke Weermann

Im Zugabteil, Rauschen. Und da ist diese Stimme, schlecht zu hören durch das Bordradio. »Bitte, wachen Sie auf«. Immer wieder wird die Stimme durch die Mitreisenden oder das Bordpersonal unterbrochen, verschwimmt wie die Landschaft hinter den Fenstern. »Warum wollen sie dich davon abhalten, mehr zu erfahren? Warum halten sie dich davon ab, aufzuwachen?« Hypnos heißt die Stimme. Eine neue Technologie, welche mit im Koma liegenden Menschen kommunizieren kann. Seit Jahren liegt die Frau hier schon, dies ist die letzte Möglichkeit, sie zu erreichen, sie zurückzuholen. HYPNOS von Wilke Weermann zeichnet ein atmosphärisches Bild des Graubereichs zwischen Leben und Tod. Gefangen in einem Zugabteil befindet sich die Komapatientin auf einer Fahrt zwischen Traum und Wirklichkeit. Wo wird die Reise hingehen?

SPITZENREITERINNEN von Jovana Reisinger

Lisa kann keine Kinder bekommen, wird verlassen, rastet aus. Laura fiebert ihrer Hochzeit entgegen, dem Höhepunkt jedes weiblichen Lebens. Barbara ist verloren, seit sie Witwe geworden ist, ein kleiner Hund hilft. Verena erbt eine Luxusvilla mit Seeblick, sie steigt auf. Jolie wird entlassen und schwanger. Petra findet die Liebe und zieht um. Tina hat große Angst und trifft eine Entscheidung.
In ihrem zweiten Roman SPITZENREITERINNEN feiert Jovana Reisinger die Frauen, die sie nach Frauenzeitschriften benennt. Sie zeigt auf, welchen Rollenzwängen und welcher Gewalt Frauen in unserer Gesellschaft unterworfen sind. Und es werden Tipps, Tricks und Geschlechterstereotype verhandelt. Es ist ein Text über weibliche Wut und Ausdauer mit teils bösem Humor, der jedoch nie seine Protagonistinnen verurteilt.

Neuigkeiten
Diana Syrses Oper »Der Kiosk« nominiert

Für die deutsche Oper am Rhein hat die argentinischstämmige Komponistin Diana Syrse die Familienoper DER KIOSK geschaffen. Diese ist nun in der Kategorie »Beste Oper« für die YAMAwards nominiert, welche von der weltweit größten NGO für Kinder- und Jugendmusik vergeben werden. Einen Trailer zur Produktion und die Möglichkeit abzustimmen, finden Sie hier.

Opernfilm «Im Stein» ausgezeichnet

Das Jahrbuch der Opernwelt hat Michael von zur Mühlens »Im Stein« als einen der fünf wichtigen Streams dieser Saison ausgezeichnet. Der Opernfilm, der ein neu kreiertes Genre ist, »entpuppt sich als ein wunderbar verrückt-absurdes Gesamtkunstwerk aus Musik, Text, Bildfantasien und politisch präzisem Kommentar.«

Die Premieren im Oktober

Lucia Bihler (Schauspiel Köln) hatte am 2.10. mit »Orlando« den Anfang gemacht; am zweiten Oktober-Wochenende folgen Christian Weise in Kassel, Wilke Weermann in Bamberg und Thom Luz am Residenztheater in München mit aktuellen Premieren. Am 14.10 inszeniert Kay Voges am Volkstheater Wien Lydia Haiders ZERTRETUNG 1. KREUZ BRECHEN..., gefolgt von Jessica Glause, die ihre Stückentwicklung UNSER FLEISCH, UNSER BLUT am 16.10. zur Eröffnung des neuen Münchner Volkstheaters zeigt. Marco Štorman ist erstmals an der Oper Bern zu Gast (»Don Carlos«, ebenfalls am 16. Oktober). Am Staatstheater Darmstadt wird Anne Leppers Stück HUND WOHIN GEHEN WIR von Alia Luque uraufgeführt und Roscha A. Säidow inszeniert »A Cockroach's Tarantella« an der Oper Luzern.

Jaroslav Rudiš erhält den Bundesverdienstorden!

Wir gratulieren sehr herzlich Jaroslav Rudiš und können uns nur der Begründung anschließen: »Die sechs Frauen und zehn Männer haben sich in herausragender Weise für die Kunst und das von den Corona-Einschränkungen besonders betroffene Kulturleben eingesetzt. Mit ihren außerordentlichen Verdiensten fördern sie ein solidarisches Miteinander und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.«

Hörspiel von und mit Katja Brunner

Der Deutschlandfunk präsentiert DIE HAND IST EIN EINSAMER JÄGER von Katja Brunner, ein Hörspiel über weiblich gelesene Körper als Ort der Machtausübung. Die Ursendung finden Sie hier.

Falk Richter an den Kammerspielen

Falk Richter aktualisiert und inszeniert »Heldenplatz« von Thomas Bernhard an den Münchner Kammerspielen. Der BR zeigt exklusiv eine Preview.