PRIDE in Kopenhagen

Im Rahmen der siebten Ausgabe von WorldPride hat das Königliche Theater Falk Richter und sein Team (u.a. Wolfgang Menardi und Andy Besuch) nach Kopenhagen eingeladen, eine neue Arbeit zu entwickeln. Die Uraufführung von PRIDE ist für den 19. August geplant.
 
Gemeinsam mit einem Ensemble von LGBTIQ+-Tänzer*innen, Schauspieler*innen und Performer*innen aus fünf Ländern hat Falk Richter eine Produktion entwickelt, die sich auf sehr persönliche Art und Weise mit der Frage auseinandersetzt, was es bedeutet, in der heutigen Welt LGBTIQ+ zu sein. Was haben wir erreicht? Was liegt hinter uns? Was wird die Zukunft bringen? Die Performer*innen teilen ihre Erfahrungen und Geschichten, ihren Stolz auf die errungene Freiheit und ihre Scham über die anhaltende Unterdrückung. Sie erzählen Geschichten von Transformation, von Utopien, für die sie kämpfen und die sie bereits leben, von ihren Träumen von einer Welt, in der sich alle frei und sicher fühlen können.
 
PRIDE ist eine Crossover Performance, die Tanz, Theater, Musik und Video verbindet, um mit Stolz Diversität und Zugehörigkeit zu feiern. Weitere Vorstellungen sind bis zum 25. September 2021 angesetzt.

JEEPS von Nora Abdel-Maksoud

In einem grauen tristen Beamtenbüro treffen zwei Sachbearbeiter auf zwei Damen, die ihnen die Pistole auf die Brust richten – und damit drohen, den lang ersparten Geländewagen in die Luft zu sprengen. Die eine Hartz IV-Empängerin, die beim Pfandflaschensammeln erwischt wurde und nun nicht einsehen möchte, dass der Pfanderlös auf ihre Tagessätze angerechnet werden soll, die andere Tochter eines gerade Verstorbenen, die sich nun um ein Los bewerben möchte, um ihr Erbe zu erhalten. Denn das natürliche altbekannte Erbrecht wurde reformiert und Hinterlassenschaften werden nun per Losentscheid verteilt. Somit haben alle die Chance, etwas von den jährlich vererbten Summen von 400 Millarden Euro zu bekommen.
Mit ihrem Text JEEPS setzt die Autorin und Regisseurin Nora Abdel-Maksoud an einem tiefen sozialen Sicherheitsbedürfnis an.

 

HYPNOS von Wilke Weermann

Im Zugabteil, Rauschen. Und da ist diese Stimme, schlecht zu hören durch das Bordradio. »Bitte, wachen Sie auf«. Immer wieder wird die Stimme durch die Mitreisenden oder das Bordpersonal unterbrochen, verschwimmt wie die Landschaft hinter den Fenstern. »Warum wollen sie dich davon abhalten, mehr zu erfahren? Warum halten sie dich davon ab, aufzuwachen?« Hypnos heißt die Stimme. Eine neue Technologie, welche mit im Koma liegenden Menschen kommunizieren kann. Seit Jahren liegt die Frau hier schon, dies ist die letzte Möglichkeit, sie zu erreichen, sie zurückzuholen. HYPNOS von Wilke Weermann zeichnet ein atmosphärisches Bild des Graubereichs zwischen Leben und Tod. Gefangen in einem Zugabteil befindet sich die Komapatientin auf einer Fahrt zwischen Traum und Wirklichkeit. Wo wird die Reise hingehen?

SPITZENREITERINNEN von Jovana Reisinger

Lisa kann keine Kinder bekommen, wird verlassen, rastet aus. Laura fiebert ihrer Hochzeit entgegen, dem Höhepunkt jedes weiblichen Lebens. Barbara ist verloren, seit sie Witwe geworden ist, ein kleiner Hund hilft. Verena erbt eine Luxusvilla mit Seeblick, sie steigt auf. Jolie wird entlassen und schwanger. Petra findet die Liebe und zieht um. Tina hat große Angst und trifft eine Entscheidung.
In ihrem zweiten Roman SPITZENREITERINNEN feiert Jovana Reisinger die Frauen, die sie nach Frauenzeitschriften benennt. Sie zeigt auf, welchen Rollenzwängen und welcher Gewalt Frauen in unserer Gesellschaft unterworfen sind. Und es werden Tipps, Tricks und Geschlechterstereotype verhandelt. Es ist ein Text über weibliche Wut und Ausdauer mit teils bösem Humor, der jedoch nie seine Protagonistinnen verurteilt.

Neuigkeiten
So beginnt die neue Spielzeit!

Nach einer langen und vor allem unsicheren Zeit ohne analoges Theater freuen wir uns, daß die neue Spielzeit allein im August und September mit mehr als 15 Produktionen von KünstlerInnen beginnt, die von schaefersphilippen vertreten werden: Anta Helena Recke macht den Anfang, wenn am 22.8. das Maxim Gorki mit der Roman-Bearbeitung ›1000 Serpentinen Angst‹ eröffnet. Wenige Tage später (am 28.8.) setzt Ulrich Rasche (nach ›4:48 Psychose‹) seine Zusammenarbeit mit dem DT mit einer Neu-Inszenierung von ›Ödipus‹ fort. Sebastian Kreyer hat Nora Abdel-Maksouds Erfolgsstück CAFÉ POPULAIRE für das Schauspielhaus Hamburg inszeniert, die Premiere musste verschoben werden und findet nun am 4.9. im Malersaal statt. Es folgen ›König Korzak‹ von Christoph Klimke am DT Göttingen (5.9.), ›Das neue Leben‹ in der Regie von Christopher Rüping am Schauspielhaus Bochum (10.9.) und ›Living Room‹ von Ersan Mondtag beim BITEF Festival in Belgrad. Es geht weiter am Schauspiel Frankfurt, an das Jan-Christoph Gockel mit  der Inszenierung ›Öl!‹ (Upton Sinclair) zurückkehrt sowie drei weiteren Premieren am 18.9. von Wilke Weermann (›Augen ohne Gesicht‹ am Staatstheater Saarbrücken), Ersan Mondtag (›Silbersee‹ an der Oper Flandern) und Lily Sykes (›König Lear‹ am Staatsschauspiel Dresden). Thom Luz bleibt dem Theater Basel treu und zeigt im dortigen Opernhaus ›Viereinhalb Jahreszeiten‹ (19.9), während das Theater Dortmund die Premiere von Anne Leppers LA CHEMISE LACOSTE nachholt, die ursprünglich für die vergangene Spielzeit vorgesehen war (ebenfalls am 19.9.). Auf eine neue Arbeit von Saar Magal musste man lange warten, nun zeigt das Wiener Burgtheater ihre Stückentwicklung ›(Ob)Sessions‹ ab dem 24.9., während man einen Tag danach am Kölner Schauspielhaus an dem Audio Walk HYPNOS - nach dem gleichnamigen Theaterstück von Wilke Weermann - teilnehmen kann. Die aus unserer Sicht letzte September-Position ist dann am Hans Otto Theater in Potsdam zu sehen, wo Nis-Momme Stockmanns IMPERIUM DES SCHÖNEN neu inszeniert wird.

Sykes und Team mit STELLA-Theaterpreis ausgezeichnet

Für ihre erste Inszenierung am Burgtheater Wien (»Stolz und Vorurteil (oder so)«) ist Lily Sykes und ihr Team mit dem STELLA-Theaterpreis in der Kategorie »Herausragende Produktion für Jugendliche« ausgezeichnet worden. In der Jury-Begründung heißt es: »Unter der Regie von Lily Sykes wird auf der Bühne des Burgtheater-Kasino ein wahres Feuerwerk an Spielfreude entfacht. In der herausragenden, locker-luftigen Inszenierung wird jeglicher Staub, der einem literarischen Werk aus dem 19. Jahrhundert vermeintlich anhaften könnte, von der Bühne gefegt. Mit viel Witz werden die Liebe und ihre Wirrungen sowohl aufs Korn als auch bitterernst genommen. Die Ausstattung von Thea Hoffmann-Axthelm schafft eine ästhetisch bunte Spielwiese für die Darstellerinnen, in der die feine englische Gesellschaft zum Leben erwacht. Denn das fünfköpfige Ensemble schlüpft verblüffend rasant in alle Frauen- und Männerrollen, macht zwischendurch lustig-dramatische Karaoke-Einlagen und hat dabei immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. Mit großartiger Leichtigkeit sprühen sie ihre geballte Power sowohl ins Live-Publikum als auch durch die Bildschirme und spielen als ginge es um alles. Dabei geht es doch nur um die Liebe. Oder so.« Wir gratulieren!

Constanza Macras erhält Tabori-Preis

Die Choreografin Constanza Macras und ihr interdisziplinäres Ensemble Dorky Park erhielten den mit 20.000 Euro dotierten Tabori Preis 2021. Damit würdigt die Preisjury »die künstlerische Kontinuität dieser langjährig arbeitenden Company [und] die einmalige, unverkennbare Handschrift ihrer interdisziplinären, wegweisenden Praxis, die ästhetische Maßstäbe auf internationalem Niveau setzt«.
Herzlichen Glückwunsch!

PeterLichts Tartuffe in Berlin

Seit dem 22. Mai ist PeterLichts Molière-Überschreibung TARTUFFE ODER DAS SCHWEIN DER WEISEN vor dem Deutschen Theater in Berlin zu sehen. Ein Abend, der zeigt, was »gutes Theater« (SZ) ist, ein »flotter Rumba« (BZ), »der PeterLichts vergnügliche Sprachkritik als anregendes Sommertheater« (FAZ) zeigt.

Lucia Bihler inszeniert Thomas Bernhard

Am Burgtheater in Wien ist seit dem 26. Mai »Die Jagdgesellschaft« von Thomas Bernhard in einer bildstarken Inszenierung von Lucia Bihler zu sehen. Ein »Blutrausch« voller »Monster«, die die Welt so noch nicht gesehen hat. (Der Standard)

Jessica Glause ONLINE

»Eine posthumane Geschichte« von Pat To Yan inszeniert von Jessica Glause im Rahmen der Frankfurter Positione. Das Online-Angebot ist nach der filmischen Uraufführung noch bis einschließlich 31. Mai 2021 on demand verfügbar.