Nora Abdel-Maksoud erhält Münchner Theaterpreis

Alle drei Jahre verleiht die Landeshauptstadt München den Theaterpreis für das herausragende Gesamtwerk. In diesem Jahr geht der Preis an Nora Abdel-Maksoud. In der Jurybegründung heißt es: »Ihre Theaterarbeiten, die sie größtenteils selbst inszeniert, sind keine vor Agitation scheppernden Dramen, sondern vielschichtige Kompositionen aus Screwball-Komödie, Sprachwitz und intellektueller Analyse, in denen alle, Ober-, Unter- wie Mittelschicht, im Schleudergang der Selbstreflexion bitterböse Momente der Erkenntnis erleben. Alle reden von Spaltung? Nora Abdel-Maksoud bringt die Gesellschaft zusammen. Im Lachen. Im Irrwitz. Und im Nachdenken über die zentrale Frage der Gegenwart: Wie wollen wir als Gesellschaft zukünftig miteinander leben?«

Die Süddeutsche Zeitung hat im Rahmen der Preisverleihung ein kluges und unterhaltsames Gespräch mit Nora geführt.

Alltägliche Spektakel

von Paula Kläy

In ALLTÄGLICHE SPEKTAKEL sitzt eine Gruppe rätselhafter Wesen in einer Landschaft, die ein Archiv ist. Sie sind dabei, sich auf alles Leben, was auf der Erde stattgefunden hat, einen Reim zu machen. Gerade sind sie beim Menschen angekommen. Um etwas verstehen zu können, erzählen sie sich Geschichten von den Liebesbeziehungen, die der Mensch führte, von seiner Mitgliedschaft in Sportvereinen, den Träumen, den Alpträumen. Aber immer wenn einer den Vorhang zuzieht, um schlafen zu können, zündet ein anderer ein Nachtlicht, weil er sich gruselt in der Dunkelheit. Die Wesen können sich auf den Menschen einfach keinen Reim machen. Widerwillig beschließen sie, sich mit seiner Arbeit auseinanderzusetzen. Dieser Tätigkeit, mit der er ein Großteil seiner Zeit verbrachte, und die, wie sie bald merken, den Schlaf, die Liebe und überhaupt alles geprägt hat.

Wokey Wokey

von Nora Abdel-Maksoud

Kulturkämpfe sind Kassenschlager. Nicht nur ideologisch. Es liegt also nahe, daß sich Filmregisseurin Gordon dem vermeintlichen Tugendterror woker Minderheiten widmet und versucht, Orwells 1984 als anti-wokes Musical neu zu erzählen – ein Unterfangen, das von Beginn an zum Scheitern verurteilt ist.
WOKEY WOKEY ist eine rasante Behind‑the‑Scenes‑Farce: schnelle Szenenwechsel, überzeichnete Figuren, filmische Effekte wie Split Screens oder Standbilder und ein Bühnenraum, der wie ein überdimensionaler Kameraausschnitt funktioniert. Dadurch wird sichtbar, wie sehr jede Erzählung von Perspektive und Ausschnitt abhängt

Die »unangefochtene Meisterin im Diskurstheater« (Die Deutsche Bühne) zeigt, wie Wahrheiten konstruiert werden – und wie schnell sie kippen. 

Die kleinen Meerjungraun

von Kim de l'Horizon

An seinem 15. Geburtstag darf das kleine Meer­jungraun endlich an die Meeresoberfläche schwim­men – und entdeckt Ungeheuerliches: einen Marcomann! Wunderschön und auf geraden Beinen. Sofort wird das Meerjungraun von wilden Wünschen gepackt, halb Begehren, halb die Sehnsucht, anders zu sein. Im Tausch für die neue Norm verzichtet es auf Flutschigkeit, schillernde Schuppenpracht und seinen grossen glitzernden Schwanz – und zahlt dafür in der neuen Welt den Preis der Unsichtbarkeit und des Schweigens.

DIE KLEINEN MEERJUNGRAUN ist eine Überschrei­bung des Märchenstoffes um die kleine Meerjungfrau. Es handelt von der Sehnsucht nach einem anderen Körper, dem Traum von der einzigen wahren Liebe – und ist gleichzeitig eine grosse queere Erzählung und ein Aufruf zu Empathie und Solidarität.

Neuigkeiten
Ein kleines Meisterwerk

... nennt Alexander Altmann im Münchner Merkur Marie Schleefs aktuelle Arbeit »(Münchner) Verkehr« an den Kammerspielen. Aus dem Kontrast von naturalistischen Geräuschen und streng stilisiertem Körperausdruck erwachsen die »betörend anmutige Komik und augenzwinkernde Poesie des Abends«. Auch Nachtkritik ist begeistert: »›(Münchner) Verkehr‹ dauert nur eine Stunde, aber die ist eine Wucht.« Unbedingt ansehen!

Nestroy Nominierungen

Für den diesjährigen Nestroy-Preis, der am 22. November vergeben wird, sind u.a nominiert: Felicitas Brucker für die Regie, 3 SCHWESTERN von Barbi Marković und WALLENSTEIN nach Friedrich Schiller, in der Inszenierung von Jan-Christoph Gockel. Wir drücken die Daumen!

Welti-Preis für Kim de l'Horizon

Die Stadt Bern vergibt den Welti-Preis für Dramatik an Kim de l'Horizon. Die mit 10.000 Franken dotierte Auszeichnung wird in diesem Jahr zum letzten Mal vergeben. Der Preis wurde aus dem Welti-Fonds finanziert und so lange verliehen, bis dessen Mittel ausgeschöpft waren, was jetzt der Fall ist. 

Hofmann&Lindholm: Hörspiel des Monats

»Gerechte Strafen«, die aktuelle Produktion von Hofmann&Lindholm  wurde von der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste als Hörspiel des Monats November ausgezeichnet!. Wir gratulieren! Die Jury begründet ihre Entscheiung wie folgt: »Das hochkomplexe Panorama entwickelt einen unglaublichen erzählerischen Sog und katapultiert uns beim Hören in das kalte Herz der bundesrepublikanischen Provinz. Dieses Hörspiel zeigt eindrücklich, was das Medium Radiokunst heute kann: Ein herausragendes Sprecherensemble, eine zugleich präzise wie aus dem Vollen schöpfende Klnagkomposition und eine sensible dramaturgische Verdichtung machen das Hören zu einem bleibenden Erlebnis.« Zugleich ist »Gerechte Strafen« damit auch als Hörspiel des Jahres 2026 nominiert und reiht sich damit in den Kreis der insgesamt zwölf dafür ausgewählten Hörspielproduktionen ein.

Nachhaltigkeit als künstlerische Strategie

Für die Neugestaltung des Werkraums der Münchner Kammerspiele entwickelte die Szenografin und Architektin Eva Veronica Born ein nachhaltiges, modulares Raumkonzept. Statt mit einem klassischen Budget wurde mit einem CO₂-Limit geplant und vorwiegend mit gebrauchten Materialien aus Fundi und Werkstätten des Theaters gearbeitet. Das Fonds-Zero-Projekt zeigt, wie Nachhaltigkeit zur künstlerischen Strategie werden kann. Über ihre Erfahrungen mit dem Werkraum spricht Eva Veronica Born im November bei der Konferenz „FABRICating circular systems“ an der Hochschule für Bildende Künste Dresden (5.–6.11.2026) sowie bei einer Veranstaltung des Fonds Zero der Kulturstiftung des Bundes im Deutschen Hygiene-Museum Dresden. Mehr über Entwurf und Umsetzung: Der ausführliche Artikel „Ein Ort, viele Formate“ von Eva Maria Fischer ist in der aktuellen Bühnentechnischen Rundschau (BTR 03/2026) erschienen.

Wolfgang Menardi im Portrait

Das Fachmagazin ›Theater heute‹ widmet Wolfgang Menardi in seiner Juli-Ausgabe 2026 ein ausführliches Portrait und zeichnet den Weg eines außergewöhnlichen Theaterkünstlers nach: vom Schauspieler über den Bühnenbildner zum Regisseur. Im Mittelpunkt steht Menardis Fähigkeit, Schauspiel, Bühne, Sound und Licht zu einem eigenständigen Gesamtkunstwerk zu verbinden. Der Artikel beschreibt einen Regisseur mit ausgeprägtem ästhetischem Gespür, großer Detailgenauigkeit und einer unverwechselbaren, oft überraschenden Bildsprache. Seine Inszenierungen - u.a. am Volkstheater Wien, dem Burgtheater oder dem Schauspiel Köln -  interessieren sich für die »Verschiebung von Realität» und geben Körper, Raum und Bild eine eigene Dramaturgie – jenseits der reinen Textebene. Fazit: Wolfgang Menardi ist »endgültig mehr als ein ›nur Regie führender Bühnenbildner‹. Er hat sich als eigenständiger Regisseur etabliert – mit einer Theaterhandschrift, in der alle Elemente der Inszenierung gleichwertig zusammenwirken.«