Wilke Weermann in Frankfurt

Endlich ist es soweit! Nach einer Corona-bedingten Verschiebung feierte UNHEIM von Wilke Weermann vergangenen Samstag im Schauspiel Frankfurt Premiere. Wilke Weermanns Text ĂŒber eine Ermittlerin in anormalen Angelegenheiten, die einen sonderbaren Fall in einem Prestige-Wohnobjekt, Arcadia, untersuchen muss und sich dafĂŒr in eine hoch digitalisierte Welt begibt, ist zusammen mit seiner starken Ă€sthetischen Inszenierung ein lohnenswerter und beeindruckender Abend. 

Die Deutsche BĂŒhne schreibt: »UNHEIM, das neue StĂŒck (und Auftragswerk) von Wilke Weermann, [...] trĂ€gt den Untertitel »Eine virtuelle Spukgeschichte« und vereint auf geschickte Weise Science Fiction und Dystopie, Horror und schwarze Romantik. Jenseits aller visionĂ€ren FiktionalitĂ€t erzĂ€hlt das StĂŒck sehr viel ĂŒber gegenwĂ€rtige Ängste unserer Gesellschaft. Mit einer durchaus poetischen Sprache, aber auch klaren und schnörkellosen Dialogen hat Wilke Weermann ein StĂŒck der Zeit geschaffen. [...] Wie lĂ€sst sich eigentlich eine Seele in immer digitaleren Zeiten definieren? „Unheim“ stellt wichtige Fragen unserer Zeit, bietet in Weermanns UrauffĂŒhrung gleichermaßen geistreiche DenkanstĂ¶ĂŸe wie gute Unterhaltung – und hat durchaus Nachspielpotenzial! Das Publikum dankte mit lautstarkem Applaus.«
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung geht noch weiter: »Denn Weermann traut dem Theater, und er traut ihm viel zu: Heraus kommt ein fabulierfreudiger kurzer Abend, der mit großer Lust Szenen und Begriffe, die zumindest digitale Adoptivkinder wie ihre Westentasche kennen, auf der analogen BĂŒhne vorfĂŒhrt. [...] alles spielt DigitalitĂ€t und kehrt dabei eine große Lust an den tradierten analogen Mitteln des Theaters hervor [...] alles atmet die Freude am detaillierten Spiel, immer zwischen Ernst und Spaß. [...] Alles im Grunde eine LiebeserklĂ€rung an das Theater.»

Am selben Tag wurde Wilke Weermanns Hörspiel LANDUNTER – WAS WÜRDET DU RETTEN? fĂŒr den Deutschen Hörspielpreis der ARD nominiert!

 

HÄNSEL & GRETA & THE BIG BAD WITCH

von Kim de l'Horizon

Damals, im MĂ€rchen, wurden Kinder in den Wald geschickt, wenn es kein Brot mehr gab. Und Kinder, die in den Wald geschickt werden, gibt es heute noch, aber den Wald nicht. Der ist jetzt eine planetare Monokultur, um VITALIN anzubauen, was alle schlĂŒrfen, um juicyer zu werden. Greta möchte aber lieber die Welt retten und erhĂ€lt unerwartet Hilfe von der Hexe, die gar nicht böse ist, sondern «bad-ass». Aber was heisst das eigentlich, «die Welt retten»? Welche Teile der Welt wollen wir denn retten? Und wer ist dieses WIR? DĂŒrfen die Nichtmenschen auch mitreden, also Flechten, Pilze, Cyanobakterien, die Welt selbst?

Dieses glitzernde, nach moosigem Prosecco riechende KlimastĂŒck ohne Klima ist  Teil 1 von de l’Horizons Septologie des «Posthumanistischen Theaters». 

DIE ZUKÜNFTIGE

von Svenja Viola Bungarten

Eine Normalfamilie, irgendwo im lĂ€ndlichen Raum. Die Eltern ZahnĂ€rzt:innen von unsicherem Wohlstand und einem FamilienglĂŒck, das alsbald bröckeln wird: Erst fĂ€llt der Vater aus, »Nervenzusammenbruch«, sagt die Mutter. Dann geht die Praxis pleite – und die Ehe in die BrĂŒche. Die Zwillingstöchter teilen sich mit den Eltern auf, verbringen fortan ungleiche Leben. Und in diese private Katastrophe schwappt, wie beilĂ€ufig, stĂ€ndig die ErderwĂ€mung hinein.

Der Text gewann den Else Lasker-SchĂŒler-StĂŒckepreis und ist noch frei zur UrauffĂŒhrung.

RABATT

von Nora Abdel-Maksoud

Was passiert eigentlich, wenn man in diesem Land stirbt und kein Geld fĂŒr die Beerdigung da ist? Klar, niemand will sich wirklich darĂŒber Gedanken machen. Aber was fĂŒr Möglichkeiten bleiben denn fĂŒr diese letzte Reise? Stichwort: Sozialbestattung.
FĂŒr ihre neue Komödie widmet sich die Regisseurin und Autorin einmal mehr den AbsurditĂ€ten, die die Verteilungslage unserer Gesellschaft hervorruft. In einer, immer wieder schrĂ€ge Volten schlagenden Handlung, wirbelt sie ihre Hauptfigur, eine erfolgreiche Journalistin, von Berlin ins »Valley«, einem unverschĂ€mt reichen Dorf vor den Toren der Stadt. Hier regiert der Undertaker, Discountbestatter, VisionĂ€r, und bisher geltende Gewissheiten scheinen sich umzukehren. Aber was haben Wasserrohre mit all dem zu tun und wer bezahlt das eigentlich alles?

Neuigkeiten
Kunst und Kind

Ein kluger Artikel ĂŒber die Vereinbarkeit von Theaterleben und Elternschaft, hier im Fokus Sara Ostertag. 

Nestroy-Preis fĂŒr Bungarten und Vulesica

Der diesjĂ€hrige Nestroy-Preis fĂŒr die beste BundeslĂ€nder-AuffĂŒhrung erhĂ€lt GARLAND von Svenja Viola Bungarten in der Regie von Anita Vulesica. Autorin Svenja Viola Bungarten bringt hier auf originelle Weise die GefĂŒhlswelt der »Kinder der Krise«, also der Generationen Y und Z, auf den Punkt. Die Regisseurin Anita Vulesica inszeniert die UrauffĂŒhrung am Schauspielhaus Graz mit rasantem Timing.

BLUTBUCH erhÀlt den Deutschen und den Schweizer Buchpreis

Der DebĂŒt-Roman BLUTBUCH von Kim de l'Horizon wird mit dem Deutschen und dem Schweizer Buchpreis 2022 ausgezeichnet. Herzlichen GlĂŒckwunsch!

Lydia Haider im GesprÀch

Auf nachtkritik.de ist die neue Folge der Reihe »Streitfall Drama« erschienen, in der Lydia Haider mit Caren Jeß darĂŒber diskutiert, welcher Zugang zur Sprache fĂŒr eine zeitgenössische Dramatik fruchtbar gemacht werden kann.

Ersan Mondtag nominiert

FĂŒr seine Inszenierung »Antikrist« an der Deutschen Oper Berlin wurde Ersan Mondtag in der Kategorie â€șrediscovered workâ€č fĂŒr die Internationalen Opern Awards nominiert. Wir drĂŒcken die Daumen!

Sara Ostertag: Eine Posthumane Geschichte

Die Premiere am Landestheater Linz bringt eine gute Kritik nach der anderen: »Grandios!« schließt die KronenZeitung, das Fazit der OÖ Nachrichten: »Regisseurin Sara Ostertag verwandelt eine groteske Geschichte in relevantes, sinnliches Schauspiel.«