Ersan takes Berlin

Zur Eröffnung dieser krisenhaften Saison hatte Ersan Mondtag Glück. Seine Inszenierung von WUT am Schauspiel Köln mit imposantem Bühnenbild und einem von Benny Claessens angeführten furiosen Ensemble kam noch zur Premiere; die nächste Produktion, IT'S GOING TO GET WORSE, - eine Stückentwicklung für das Maxim Gorki Theater - mußte bereits mehrfach verschoben werden - und kann nun, aufgrund der jüngsten Entwicklungen, tatsächlich am 8. Juni uraufgeführt werden.

Dies führt dazu, daß Ersan Mondtag im Juni gleich drei Premieren in der Hauptstadt feiern kann. Am Berliner Ensemble (auch hier mußte die Premiere geschoben werden) zeichnet Mondtag für die Regie und das Bühnenbild verantwortlich (Kostüme: Josa Marx, Musik: Max Andrzejewski), wenn Thomas Köcks Wagner-Überarbeitung der »Nibelungen« am 3. Juni auf die Bühne kommt.

Mondtags Berliner Reigen findet dann am 19. Juni mit der Uraufführung seines ersten Tanzstücks am HAU seinen Abschluß. U. a. mit Kate Strong und einem Kinder-Ensemble setzt sich JOY OF LIFE mit Schicksalen und Biographien von Kindern auf der Flucht auseinander (Bühne: Stefan Britze, Text: Olga Bach, Eva Bertschy, Diawara Bandiougu).

Wenn weiterhin alles gut geht, kehrt Ersan Mondtag mit seinem Team im Sommer nach Belgrad zurück. Dort hätte im vergangenen Juni ein Stück von ihm gezeigt werden sollen. Wiederum mit etwas Glück kommt es diesmal dazu: die Premiere ist im rahmen des BITEF-Festivals im September geplant. Wir drücken die Daumen!

 

JEEPS von Nora Abdel-Maksoud

In einem grauen tristen Beamtenbüro treffen zwei Sachbearbeiter auf zwei Damen, die ihnen die Pistole auf die Brust richten – und damit drohen, den lang ersparten Geländewagen in die Luft zu sprengen. Die eine Hartz IV-Empängerin, die beim Pfandflaschensammeln erwischt wurde und nun nicht einsehen möchte, dass der Pfanderlös auf ihre Tagessätze angerechnet werden soll, die andere Tochter eines gerade Verstorbenen, die sich nun um ein Los bewerben möchte, um ihr Erbe zu erhalten. Denn das natürliche altbekannte Erbrecht wurde reformiert und Hinterlassenschaften werden nun per Losentscheid verteilt. Somit haben alle die Chance, etwas von den jährlich vererbten Summen von 400 Millarden Euro zu bekommen.
Mit ihrem Text JEEPS setzt die Autorin und Regisseurin Nora Abdel-Maksoud an einem tiefen sozialen Sicherheitsbedürfnis an.

 

HYPNOS von Wilke Weermann

Im Zugabteil, Rauschen. Und da ist diese Stimme, schlecht zu hören durch das Bordradio. »Bitte, wachen Sie auf«. Immer wieder wird die Stimme durch die Mitreisenden oder das Bordpersonal unterbrochen, verschwimmt wie die Landschaft hinter den Fenstern. »Warum wollen sie dich davon abhalten, mehr zu erfahren? Warum halten sie dich davon ab, aufzuwachen?« Hypnos heißt die Stimme. Eine neue Technologie, welche mit im Koma liegenden Menschen kommunizieren kann. Seit Jahren liegt die Frau hier schon, dies ist die letzte Möglichkeit, sie zu erreichen, sie zurückzuholen. HYPNOS von Wilke Weermann zeichnet ein atmosphärisches Bild des Graubereichs zwischen Leben und Tod. Gefangen in einem Zugabteil befindet sich die Komapatientin auf einer Fahrt zwischen Traum und Wirklichkeit. Wo wird die Reise hingehen?

SPITZENREITERINNEN von Jovana Reisinger

Lisa kann keine Kinder bekommen, wird verlassen, rastet aus. Laura fiebert ihrer Hochzeit entgegen, dem Höhepunkt jedes weiblichen Lebens. Barbara ist verloren, seit sie Witwe geworden ist, ein kleiner Hund hilft. Verena erbt eine Luxusvilla mit Seeblick, sie steigt auf. Jolie wird entlassen und schwanger. Petra findet die Liebe und zieht um. Tina hat große Angst und trifft eine Entscheidung.
In ihrem zweiten Roman SPITZENREITERINNEN feiert Jovana Reisinger die Frauen, die sie nach Frauenzeitschriften benennt. Sie zeigt auf, welchen Rollenzwängen und welcher Gewalt Frauen in unserer Gesellschaft unterworfen sind. Und es werden Tipps, Tricks und Geschlechterstereotype verhandelt. Es ist ein Text über weibliche Wut und Ausdauer mit teils bösem Humor, der jedoch nie seine Protagonistinnen verurteilt.

Neuigkeiten
Die nächsten Premieren

Wir haben schon alle nicht mehr damit gerechnet: nach den Theatern in der Schweiz und Österreich können nun auch die Häuser in Deutschland nochmal vor dem Sommer öffnen. Für Ersan Mondtag bedeutet dies, daß er im Juni gleich drei Premieren in Berlin feiern kann. Am 3.6. zeigt das Berliner Ensemble seine Inszenierung von Wagners "Nibelungen", überschrieben von Thomas Köck (Musik: Max Andrzejewski, Kostüm: Josa Marx). Am 8.6. zeigt das Maxim Gorki Theater "It's going to get worse", eine Stückentwicklung von Ersan Mondtag & Ensemble, die eigentlich bereits im Herbst 2020 hätte uraufgeführt werden sollen. Am 19.6. zeigt das HAU, Berlin, die Uraufführung von "Joy of Life" (Regie: Ersan Mondtag, Text: Eva Bertschy, Olga Bach, Diawara Bandiougu, Bühne: Stefan Britze). Am 15. Juni wird am Schauspielhaus Wien Lydia Haiders AM BALL auf die Bühne gebracht, bislang war die Produktion nur als Film-Premiere zu sehen. Ab dem 18. Juni zeigt das Nationaltheater Weimar Christian Weises Inszenierung von "Wie es euch gefällt" als Sommertheater. ANSCHLUSS von Jaroslav Rudis musste in dieser Spielzeit ebenfalls mehrfach umdisponiert werden, nun zeigt das Staatstheater Dresden die Produktion am 26. Juni. Premieren und Produktionen u.a. von PeterLicht, Kay Voges, Lucia Bihler und Christian Winkler sind bereits seit Mai wieder in den Spielplänen in Berlin, Wien und Luzern zu sehen. To be continued...

Constanza Macras erhält Tabori-Preis

Die Choreografin Constanza Macras und ihr interdisziplinäres Ensemble Dorky Park erhielten den mit 20.000 Euro dotierten Tabori Preis 2021. Damit würdigt die Preisjury »die künstlerische Kontinuität dieser langjährig arbeitenden Company [und] die einmalige, unverkennbare Handschrift ihrer interdisziplinären, wegweisenden Praxis, die ästhetische Maßstäbe auf internationalem Niveau setzt«.
Herzlichen Glückwunsch!

PeterLichts Tartuffe in Berlin

Seit dem 22. Mai ist PeterLichts Molière-Überschreibung TARTUFFE ODER DAS SCHWEIN DER WEISEN vor dem Deutschen Theater in Berlin zu sehen. Ein Abend, der zeigt, was »gutes Theater« (SZ) ist, ein »flotter Rumba« (BZ), »der PeterLichts vergnügliche Sprachkritik als anregendes Sommertheater« (FAZ) zeigt.

Christian Winklers TELL

Auch in der Schweiz ist wieder Theater zu sehen: Nachdem Christian Winklers TELL - EINE WAHRE GESCHICHTE pandemiebedingt als Film gezeigt wurde, konnte nun auch die Spielversion Premiere am Theater Luzern feiern: eine »heldenhafte Apokalypse«! (nachtkritik)

Lucia Bihler inszeniert Thomas Bernhard

Am Burgtheater in Wien ist seit dem 26. Mai »Die Jagdgesellschaft« von Thomas Bernhard in einer bildstarken Inszenierung von Lucia Bihler zu sehen. Ein »Blutrausch« voller »Monster«, die die Welt so noch nicht gesehen hat. (Der Standard)

Kay Voges am Volkstheater

Mit dem »Theatermacher« von Thomas Bernhard gab Kay Voges am 26. Mai seinen »fulminanten Einstand« am Wiener Volkstheater und überzeugt mit einem »rasenden Performance-Ritt durch sämtliche Regiestile.« (nachtkritik)