Anne Lepper: Hund wohin gehen wir

Heutzutage ist es eine erfreuliche Seltenheit, wenn zeitgenössische Stücke nach ihrer Uraufführung ein weiteres Mal inszeniert werden - die meisten AutorInnen werden ein Lied davon singen können.

Anne Leppers Stücke sind häufig nachgespielt worden und zuletzt sind auch wieder ältere Texte von ihr auf den Spielplänen zu sehen; SEYMOUR wurde nicht nur in der vergangenen Spielzeit am Staatstheater Darmstadt inszeniert, der Text wird auch für Produktionen in Japan und den USA übersetzt. Aktuell ist zudem eine Produktion von LA CHEMISE LACOSTE am Theater Dortmund zu sehen; das Stück wurde 2015 in der Regie von Alia Luque am Düsseldorfer Schauspielhaus uraufgeführt.

Luque zeichnet nun mit HUND WOHIN GEHEN WIR am Staatstheater Darmstadt erneut für eine Uraufführung von Anne Lepper verantwortlich.

Die vielfach ausgezeichnete Autorin erzählt in diesem bereits älteren Werk einmal mehr von einer Gruppe Kinder, die in einer autoritär geführten Einrichtung zwischen Waisenhaus und Erziehungsanstalt ängstlich und euphorisch einer »modernen Welt« entgegen hoffen. 

Die Uraufführung findet am 21. Oktober 2021 am Staatstheater Darmstadt statt. Anne Lepper schreibt in Folge ein weiteres Stück für das Haus in Darmstadt(Uraufführung 22/23) sowie ein weiteres für das Staatstheater Stuttgart.

 

JEEPS von Nora Abdel-Maksoud

In einem grauen tristen Beamtenbüro treffen zwei Sachbearbeiter auf zwei Damen, die ihnen die Pistole auf die Brust richten – und damit drohen, den lang ersparten Geländewagen in die Luft zu sprengen. Die eine Hartz IV-Empängerin, die beim Pfandflaschensammeln erwischt wurde und nun nicht einsehen möchte, dass der Pfanderlös auf ihre Tagessätze angerechnet werden soll, die andere Tochter eines gerade Verstorbenen, die sich nun um ein Los bewerben möchte, um ihr Erbe zu erhalten. Denn das natürliche altbekannte Erbrecht wurde reformiert und Hinterlassenschaften werden nun per Losentscheid verteilt. Somit haben alle die Chance, etwas von den jährlich vererbten Summen von 400 Millarden Euro zu bekommen.
Mit ihrem Text JEEPS setzt die Autorin und Regisseurin Nora Abdel-Maksoud an einem tiefen sozialen Sicherheitsbedürfnis an.

 

HYPNOS von Wilke Weermann

Im Zugabteil, Rauschen. Und da ist diese Stimme, schlecht zu hören durch das Bordradio. »Bitte, wachen Sie auf«. Immer wieder wird die Stimme durch die Mitreisenden oder das Bordpersonal unterbrochen, verschwimmt wie die Landschaft hinter den Fenstern. »Warum wollen sie dich davon abhalten, mehr zu erfahren? Warum halten sie dich davon ab, aufzuwachen?« Hypnos heißt die Stimme. Eine neue Technologie, welche mit im Koma liegenden Menschen kommunizieren kann. Seit Jahren liegt die Frau hier schon, dies ist die letzte Möglichkeit, sie zu erreichen, sie zurückzuholen. HYPNOS von Wilke Weermann zeichnet ein atmosphärisches Bild des Graubereichs zwischen Leben und Tod. Gefangen in einem Zugabteil befindet sich die Komapatientin auf einer Fahrt zwischen Traum und Wirklichkeit. Wo wird die Reise hingehen?

SPITZENREITERINNEN von Jovana Reisinger

Lisa kann keine Kinder bekommen, wird verlassen, rastet aus. Laura fiebert ihrer Hochzeit entgegen, dem Höhepunkt jedes weiblichen Lebens. Barbara ist verloren, seit sie Witwe geworden ist, ein kleiner Hund hilft. Verena erbt eine Luxusvilla mit Seeblick, sie steigt auf. Jolie wird entlassen und schwanger. Petra findet die Liebe und zieht um. Tina hat große Angst und trifft eine Entscheidung.
In ihrem zweiten Roman SPITZENREITERINNEN feiert Jovana Reisinger die Frauen, die sie nach Frauenzeitschriften benennt. Sie zeigt auf, welchen Rollenzwängen und welcher Gewalt Frauen in unserer Gesellschaft unterworfen sind. Und es werden Tipps, Tricks und Geschlechterstereotype verhandelt. Es ist ein Text über weibliche Wut und Ausdauer mit teils bösem Humor, der jedoch nie seine Protagonistinnen verurteilt.

Neuigkeiten
Gordon Kämmerer: Film-Premiere in Cottbus und Cambridge

In Zusammenarbeit mit dem Staatstheater Cottbus entstand der von Gordon Kämmerer produzierte und inszenierte Film »Die Waldgänger«. Die Premiere findet nun im Rahmen des Filmfestivals Cottbus am 3. November statt. Weiter geht es für Kämmerer und sein Team dann Ende November beim Filmfestival Cambridge, wo sein Film UK Premiere im Wettbewerb feiert. 

Diana Syrses Oper »Der Kiosk« nominiert

Für die deutsche Oper am Rhein hat die in Mexiko geborene Komponistin Diana Syrse die Familienoper DER KIOSK geschaffen. Diese ist nun in der Kategorie »Beste Oper« für die YAMAwards nominiert, welche von der weltweit größten NGO für Kinder- und Jugendmusik vergeben werden. Einen Trailer zur Produktion und die Möglichkeit abzustimmen, finden Sie hier.

Opernfilm «Im Stein» ausgezeichnet

Das Jahrbuch der Opernwelt hat Michael von zur Mühlens »Im Stein« als einen der fünf wichtigen Streams dieser Saison ausgezeichnet. Der Opernfilm, der ein neu kreiertes Genre ist, »entpuppt sich als ein wunderbar verrückt-absurdes Gesamtkunstwerk aus Musik, Text, Bildfantasien und politisch präzisem Kommentar.«

Die Premieren im Oktober

Lucia Bihler (Schauspiel Köln) hatte am 2.10. mit »Orlando« den Anfang gemacht; am zweiten Oktober-Wochenende folgen Christian Weise in Kassel, Wilke Weermann in Bamberg und Thom Luz am Residenztheater in München mit aktuellen Premieren. Am 14.10 inszeniert Kay Voges am Volkstheater Wien Lydia Haiders ZERTRETUNG 1. KREUZ BRECHEN..., gefolgt von Jessica Glause, die ihre Stückentwicklung UNSER FLEISCH, UNSER BLUT am 16.10. zur Eröffnung des neuen Münchner Volkstheaters zeigt. Marco Štorman ist erstmals an der Oper Bern zu Gast (»Don Carlos«, ebenfalls am 16. Oktober). Am Staatstheater Darmstadt wird Anne Leppers Stück HUND WOHIN GEHEN WIR von Alia Luque uraufgeführt und Roscha A. Säidow inszeniert »A Cockroach's Tarantella« an der Oper Luzern.

Jaroslav Rudiš erhält den Bundesverdienstorden!

Wir gratulieren sehr herzlich Jaroslav Rudiš und können uns nur der Begründung anschließen: »Die sechs Frauen und zehn Männer haben sich in herausragender Weise für die Kunst und das von den Corona-Einschränkungen besonders betroffene Kulturleben eingesetzt. Mit ihren außerordentlichen Verdiensten fördern sie ein solidarisches Miteinander und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.«

Hörspiel von und mit Katja Brunner

Der Deutschlandfunk präsentiert DIE HAND IST EIN EINSAMER JÄGER von Katja Brunner, ein Hörspiel über weiblich gelesene Körper als Ort der Machtausübung. Die Ursendung finden Sie hier.