Meerjungraun gewinnt in Mülheim

In DIE KLEINEN MEERJUNGRAUN öffnet Kim de l’Horizon eine schillernde Unterwasserwelt, in der Körper, Identität und Verwandlung ineinander übergehen. Das Stück erzählt in Anlehnung an das Märchen über die kleine Meerjungfrau von Wesen, die sich jeder Festlegung entziehen – fluide, vielstimmig, widerständig. Zwischen Humor, Poesie und politischer Dringlichkeit entsteht ein Raum, in dem Mythen neu bewohnt und Grenzen spielerisch verschoben werden. Das kleine Meerjungrau verliebt sich in einen Marcomann und will ihm, komme was wolle, an Land folgen. Im Tausch für die neue Norm und ein besseres Leben verzichtet es auf Flutschigkeit, schillernde Schuppenpracht und seinen großen glitzernden Schwanz – und zahlt dafür in der neuen Welt mit Unsichtbarkeit und Schweigen.

Nun ist das Stück mit dem Mülheimer Dramatikerpreis 2026 ausgezeichnet worden, was nach der Einladung zu den Autor:innentheatertagen Berlin 2026 die besondere Bedeutung dieses Textes innerhalb der aktuellen Dramatik unterstreicht. Die Neue Zürcher Zeitung bezeichnete Kim de l’Horizons Schreiben einmal als »radikal sinnlich und zugleich präzise im Denken« – eine Haltung, die auch dieses Stück prägt.

DIE KLEINEN MEERJUNGRAUN lädt ein, sich treiben zu lassen und zugleich neu auf die Welt zu blicken: fließend, offen, vielgestaltig. Herzlichen Glückwunsch an Kim de l'Horizon!

Wokey Wokey

von Nora Abdel-Maksoud

Kulturkämpfe sind Kassenschlager. Nicht nur ideologisch. Es liegt also nahe, daß sich Filmregisseurin Gordon dem vermeintlichen Tugendterror woker Minderheiten widmet und versucht, Orwells 1984 als anti-wokes Musical neu zu erzählen – ein Unterfangen, das von Beginn an zum Scheitern verurteilt ist.
WOKEY WOKEY ist eine rasante Behind‑the‑Scenes‑Farce: schnelle Szenenwechsel, überzeichnete Figuren, filmische Effekte wie Split Screens oder Standbilder und ein Bühnenraum, der wie ein überdimensionaler Kameraausschnitt funktioniert. Dadurch wird sichtbar, wie sehr jede Erzählung von Perspektive und Ausschnitt abhängt

Die »unangefochtene Meisterin im Diskurstheater« (Die Deutsche Bühne) zeigt, wie Wahrheiten konstruiert werden – und wie schnell sie kippen. 

Die kleinen Meerjungraun

von Kim de l'Horizon

An seinem 15. Geburtstag darf das kleine Meer­jungraun endlich an die Meeresoberfläche schwim­men – und entdeckt Ungeheuerliches: einen Marcomann! Wunderschön und auf geraden Beinen. Sofort wird das Meerjungraun von wilden Wünschen gepackt, halb Begehren, halb die Sehnsucht, anders zu sein. Im Tausch für die neue Norm verzichtet es auf Flutschigkeit, schillernde Schuppenpracht und seinen grossen glitzernden Schwanz – und zahlt dafür in der neuen Welt den Preis der Unsichtbarkeit und des Schweigens.

DIE KLEINEN MEERJUNGRAUN ist eine Überschrei­bung des Märchenstoffes um die kleine Meerjungfrau. Es handelt von der Sehnsucht nach einem anderen Körper, dem Traum von der einzigen wahren Liebe – und ist gleichzeitig eine grosse queere Erzählung und ein Aufruf zu Empathie und Solidarität.

Asiawochen

von Yannic Han Biao Federer

Vanessa ist obsessed mit den Geschichten hinter der Geschichte: dem Trauma hinter dem Schweigen des Vaters, dem Maß für die kollektive Schuld eines Lebens im Westen des 21. Jahrhunderts. Vanessa liest: Hannah Arendt, David van Reybrouck. Vanessa referiert: über den naziverseuchten BND und seine Rolle im Kampf gegen die Dekolonialisierung – und alle sind überfordert. Aber Vanessa kann nicht anders. Alles hängt mit allem zusammen: der Kolonialismus mit dem Nationalsozialismus, der BND und Adenauers Angst vor einem mächtigen Asien mit dem Putsch gegen den ersten Präsidenten Indonesiens, die anschließenden Pogrome und Massenmorde.

ASIAWOCHEN ist »Ein subtiles Drama über die Zusammenhänge von Essen, Kolonialismus und Stereotypen. « (Nachtkritik)

Neuigkeiten
FAUST-Theaterpreis: Nominierungen

Die Nominierungen für den FAUST- Theaterpreis 2026 stehen fest. In der Kategorie MEDIEN ist das Nils Corte für »Ich hasse Menschen« am Theater Altenburg Gera, für REGIE Jan-Christoph Gockel für »Wallenstein« an den Münchner Kammerspielen,  Marlene Lockemann für RAUM für »Romeo und Julia« am Residenztheater, Josa Marx für KOSTÜM bei »Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui« am Schauspiel Frankfurt und Ayşe Güvendiren als GENRESPRINGERIN für »Dinge I über I Leben« am Nationaltheater Mannheim. Wir drücken die Daumen für die Preisverleihung am 14. November.

Weltenbauer Award für Eva Veronica Born

Für ihr spektakuläres Bühnenbild in der Produktion »Eines langen Tages Reise in die Nacht« am Schauspielhaus Bochum (Regie: Johan Simons) hat Eva Veronica Born den WELTENBAUER AWARD 2026 in der Kategorie MUT verliehen bekommen. Der Weltenbauer Award ist eine herausragende Auszeichnung für die kreative und technische Meisterleistung, die Born zurecht für die Umsetzung einer Hausexplosion auf einer Theaterbühne erhält. Der Preis wurde im Rahmen der Bühnentechnischen Tagung in Rostock verlieben. Der Preis ehrt die kreative Umsetzung einer künstlerischen Vision durch Bühnentechnik. Wir gratulieren! 

Warm, Kalt und Sehnsucht

ist der schöne Titel der noch schöneren Novelle von Jan Koslowski, die am 07.06. erscheint. Am 03.06. gibt es dazu ein Radio-Interview mit Marion Brasch im studioeins im Bikini Berlin.

All Right. Good Night bei den Ruhrfestspielen

Auch noch fünf Jahre nach der Uraufführung tourt das fantastische ALL RIGHT. GOOD NIGHT von Helgard Haug. Aktuell ist es in Marl am 22. und 23. Mai im Rahmen der Ruhrfestspiele zu sehen.

Wallenstein bei 3Sat

Ein Höhepunkt des diesjährigen Theatertreffens war die Produktion »Wallenstein« der Münchner Kammerspiele. Die Inszenierung von Jan-Christoph Gockel wurde von 3Sat aufgezeichnet und ist dort nun als Stream abrufbar.

Windstärke 17 in Hamburg

Am Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg feierte der zweite Roman von Caroline Wahl eine fulminante Uraufführung (»Rockstar Applaus für eine wütende Frau« Hamburger Abendblatt; »Der Abend ist packend bis zum Schluss.« Theaterzeit Hamburg) und wird im Mai und Oktober nochmals aufgenommen. Tickets gibt es hier.