JEEPS von Nora Abdel-Maksoud in München

Den aktuellen Münchner Corona-Verschärfungen ist die Uraufführung von JEEPS gerade noch einmal von der Schippe gesprungen. Seit dem 21. November ist Nora Abdel-Maksouds zweiter Streich JEEPS (mit CAFÉ POPULAIRE und CORTISON (AT) Teil einer Trilogie) an der Münchner Kammerspielen zu sehen.

Wir überlassen der begeisterten Kritik das Feld und gratulieren:

»Was Nora Abdel-Maksoud in und mit ihrem Stück JEEPS bewerkstelligt, hat echte Traute und sehr viel Schmiss.«

(Christine Dössel, SZ)

»Die Komik ist kein reiner Selbstzweck. Nora Abdel-Maksoud betreibt Überzeichnung hin zur Kenntlichkeit.« 

(Christoph Leibold, Bayerischer Rundfunk)

»JEEPS ist tempohart, peitscht in neunzig Minuten durch ein Zeitgeist-Minenfeld. Das Ensemble spielt wie aus einem Guss und ist dabei wild entschlossen, sein Publikum zum Lachen zu bringen. Das gelingt eindrucksvoll, trotz Maskenpflicht.«

(Hannes Hintermeier, FAZ)

Abdel-Maksoud  verlässt sich weitgehend auf ihren bösen, klugen und mit all seinen Rückblenden ohnehin schon komplexen Text. Von ihren wortgewaltigen, knallharten und sich im Pingpong der Positionen abstrus zuspitzenden Analysen dürfte sich kaum jemand nicht wenigstens ein bisschen entlarvt fühlen.«

(Sabine Leucht, taz)

 

DER GROßE SOMMER von Ewald Arenz

Ein Roman, der jeden sich erinnern lässt: an die erste, vielleicht einzige große Liebe, an das Glück der Freundschaft und an die unablässige Arbeit, die Erwachsenwerden heißt. Hellsichtig und klug erzählt Ewald Arenz von den Momenten, die uns für immer verändern. Die Zeichen auf einen entspannten Sommer stehen schlecht für Frieder: Nachprüfungen in Mathe und Latein. Damit fällt der Familienurlaub für ihn aus. Ausgerechnet beim gestrengen Großvater, der gerne in lateinischen Zitaten spricht, muss er lernen. Doch zum Glück gibt es Alma, Johann – und Beate, das Mädchen im flaschengrünen Badeanzug. In diesen Wochen erlebt Frieder alles: Freundschaft und Angst, Respekt und Vertrauen, Liebe und Tod. Ein großer Sommer, der sein ganzes Leben prägen wird. 
Ausgezeichnet als »Lieblingsbuch der Unabhängigen« 2021!

AUGEN OHNE GESICHT von Wilke Weermann

Die (unbefleckte) Opfer-Heldin, das Survivor Girl, dient dem männlichen Blick als Projektionsfläche und Identifikationsfigur. In Georges Franjus surreal-poetischem Meisterwerk »Les Yeux sans visage« von 1960 verliert die junge Christiane ihr Gesicht. Ihr Vater, vielgerühmter plastischer Chirurg, raubt fortan anderen Frauen ihre Gesichter, um Christiane ein neues zu schenken. Doch ihr Körper wehrt sich, stößt wieder und wieder die fremde Haut ab. Und auch Christiane selbst sehnt sich nach der Freiheit einer eigenen Identität.
Mit AUGEN OHNE GESICHT überschreibt Wilke Weermann den Klassiker und seziert den männlichen Blick: Was lauert in den blinden Flecken? Welche Macht kann eine Protagonistin erlangen, der jedes Wort von einem Mann in den Mund gelegt wurde? Und wo sitzt er, der eigentliche Horror, wenn doch der Schrecken der Schauspielerinnen selbst dann noch eine Fortsetzung erfahren kann, nachdem die Kameras lange abgestellt sind?

ZERTRETUNG I von Lydia Haider

Fortunas Rad des Lebens, das Schicksalsrad, dreht sich, es fährt dahin und walzt und vernichtet einfach alle, hier speziell die oberste Riege der österreichischen Gesellschaft, von Sebastian Kurz über Peter Handke bis zu Thomas Bernhard. Erbarmen gibt es nicht. Darum wird aber auch gar nicht erst gebeten. Vielleicht wollen sie ja auch sterben? Wer sagt denn, dass es nicht so ist? Es ist unerhörtes Theater: Dornen, Kreuze, Schweiß, Blut, Speichel, Exkremente in einem goldenen Raum der endlos veränderlichen, wandelbaren Dinge und Körper. Was, wenn wir nicht mehr wissen, wer jetzt die Guten und die Bösen sind, oder die Schützenswerten, oder die, die zu vernichten sind?
Lydia Haider lässt die Leser*innen pendeln von de Sade zu Genet, von Mallarmé zu Artaud, doch am ehesten grüßt der große Pierre Guyotat: ZERTRETUNG –1. KREUZ BRECHEN oder ALLE ARSCHLÖCHER ABSCHLACHTEN  ist ein unendlicher, emotionaler, obszöner Strom der Wörter, in dem wir wie gefangen sind.

Neuigkeiten
Endspurt 2021: die letzten Premieren

Das kommende Wochenende hat es nochmal in sich: mit 6 Premieren unserer KünstlerInnen. Die Deutschsprachige Erstaufführung von DAS GESICHT DES BÖSEN verspricht Nis-Momme Stockmann at his very best: ein schnelles, kluges und dialogstarkes Stück für zwei Personen (3.12.2021, Schauspiel Frankfurt). Am gleichen Abend und nebenan am Nationaltheater Mannheim zeigt Christian Weise seine Inszenierung von Franznobels »Das Floß der Medusa«. Am Samstag, den 4. Dezember kommt Falk Richters »Heldenplatz« nach diversen Verschiebungen an den Münchner Kammerspielen raus, die Bühne hat Wolfgang Menardi entworfen. An der Volksbühne Berlin feiert Constanza Macras Uraufführung mit ihren aktuellen Stück »The Future«, während Jan-Christoph Gockel und Julia Kurzweg die ehemalige Mainzer Inszenierung »Grimm. Ein deutsches Märchen« am Staatstheater Kassel wieder aufnehmen. Mareike Mikat zeigt am Stadttheater Ingolstadt »Lola« nach dem Drehbuch von Rainer Werner Faßbinder. Die aus unserer Sicht letzte Premiere des Jahres ist wieder eine Uraufführung: Helgard Haug inszeniert ihr Stück ALL RIGHT. GOOD NIGHT. am Berliner HAU (16.12.2021).

NESTROY für Christopher Rüping

Christopher Rüpings Inszenierung von »Einfach das Ende der Welt« (Schauspielhaus Zürich) ist beim Nestroy 2021 als »beste Aufführung im deutschsprachigen Raum« ausgezeichnet worden. Herzlichen Glückwunsch! Zuvor wurde diese Arbeit bereits von Kritiker*innen bei der Umfrage von Theater Heute zur »Inszenierung des Jahres« gewählt. Mit einer Vielzahl von Auszeichnungen und nunmehr 4 Einladungen zum Berliner Theatertreffen ist Christopher Rüping mittlerweile zu einem der herausragenden und renommiertesten Regisseure der jüngeren Generation avanciert.

»Unter Tieren«, der neue Roman von Maxi Obexer

Nach ihrem Erstling »Wenn gefährliche Hunde lachen« und dem vielbeachteten »Europas längster Sommer«, mit dem sie auch nach Klagenfurt eingeladen war, schreibt Maxi Obexer gerade an ihrem dritten Roman mit dem Titel »Unter Tieren«: Menschen wie Tiere sind körperliche Wesen, die sich auf der Erde bewegen und fortbewegen können. Der Roman geht den Verbindungen nach, die zuerst von den Tieren in die Landschaft gelegt wurden, ihren Spuren, den Fährten, den Pfaden. Dicht gefolgt von den Menschen, die daraus ihre Verbindungswege in die Welt organisierten. Noch heute, da die ehemals vielseitigen Beziehungen aufgelöst sind, die Tiere an der Seite der Menschen verschwinden, bevölkern sie unser Bewußtsein. Die Sehnsucht ist vorhanden, Eingang zu finden in eine Welt, der wir zwar auch angehören, die wir aber nicht kennen, nicht ohne die Tiere …

Aleks Pavlović erhält Bonacker-Preis 2021

Die Bühnen- und Kostümbildnerin Aleksandra Pavlović ist »für besondere Leistungen in bühnenkünstlerischer Gestaltung« mit dem Bonacker-Preis 2021 ausgezeichnet worden. Dieser wird jedes Jahr von den Freunden des Thalia Theaters, Hamburg, vergeben. Gewürdigt werden damit Pavlovićs Arbeiten in den Produktionen »Vor dem Fest« und »Opening Night«. Herzlichen Glückwunsch.

Diana Syrses Oper »Der Kiosk« nominiert

Für die deutsche Oper am Rhein hat die in Mexiko geborene Komponistin Diana Syrse die Familienoper DER KIOSK geschaffen. Diese ist nun in der Kategorie »Beste Oper« für die YAMAwards nominiert, welche von der weltweit größten NGO für Kinder- und Jugendmusik vergeben werden. Einen Trailer zur Produktion und die Möglichkeit abzustimmen, finden Sie hier.

Opernfilm «Im Stein» ausgezeichnet

Das Jahrbuch der Opernwelt hat Michael von zur Mühlens »Im Stein« als einen der fünf wichtigen Streams dieser Saison ausgezeichnet. Der Opernfilm, der ein neu kreiertes Genre ist, »entpuppt sich als ein wunderbar verrückt-absurdes Gesamtkunstwerk aus Musik, Text, Bildfantasien und politisch präzisem Kommentar.«