Neustart!

Mit viel Hoffnung auf einen weitgehend normalen Betrieb eröffnen viele Häuser an diesem Wochenende ihre Spielzeit.

Den Anfang macht Jan Christoph Gockel am 16. September am Schauspiel Frankfurt (»Öl!« nach dem Roman von Upton Sinclair) auf der Großen Bühne (eingerichtet von Julia Kurzweg).

Am 18. September feiern dann gleich 4 von schaefersphilippen vertretene Künstlerinnen Premieren. In Basel zeigt Thom Luz mit »Viereinhalb Jahreszeiten« sein Opern-Debüt. Lily Sykes inszeniert erstmals am Staatsschauspiel Dresden und eröffnet dort im Großen Haus mit »König Lear« (Bühne: Jelena Nagorni, Kostüm: Jelena Miletić). Ersan Mondtag kehrt mit der Inszenierung von Kurt Weill »Silbersee« an die Flandrische Oper zurück; mit dabei ist erneut Josa Marx, der für die Kostüme verantwortlich zeichnet. Am Staatstheater Saarbrücken zeigt Wilke Weermann seine Stückentwicklung »Augen ohne Gesicht«.

Wir drücken die Daumen und freuen uns auf einen fulminanten Premieren-Marathon!

JEEPS von Nora Abdel-Maksoud

In einem grauen tristen Beamtenbüro treffen zwei Sachbearbeiter auf zwei Damen, die ihnen die Pistole auf die Brust richten – und damit drohen, den lang ersparten Geländewagen in die Luft zu sprengen. Die eine Hartz IV-Empängerin, die beim Pfandflaschensammeln erwischt wurde und nun nicht einsehen möchte, dass der Pfanderlös auf ihre Tagessätze angerechnet werden soll, die andere Tochter eines gerade Verstorbenen, die sich nun um ein Los bewerben möchte, um ihr Erbe zu erhalten. Denn das natürliche altbekannte Erbrecht wurde reformiert und Hinterlassenschaften werden nun per Losentscheid verteilt. Somit haben alle die Chance, etwas von den jährlich vererbten Summen von 400 Millarden Euro zu bekommen.
Mit ihrem Text JEEPS setzt die Autorin und Regisseurin Nora Abdel-Maksoud an einem tiefen sozialen Sicherheitsbedürfnis an.

 

HYPNOS von Wilke Weermann

Im Zugabteil, Rauschen. Und da ist diese Stimme, schlecht zu hören durch das Bordradio. »Bitte, wachen Sie auf«. Immer wieder wird die Stimme durch die Mitreisenden oder das Bordpersonal unterbrochen, verschwimmt wie die Landschaft hinter den Fenstern. »Warum wollen sie dich davon abhalten, mehr zu erfahren? Warum halten sie dich davon ab, aufzuwachen?« Hypnos heißt die Stimme. Eine neue Technologie, welche mit im Koma liegenden Menschen kommunizieren kann. Seit Jahren liegt die Frau hier schon, dies ist die letzte Möglichkeit, sie zu erreichen, sie zurückzuholen. HYPNOS von Wilke Weermann zeichnet ein atmosphärisches Bild des Graubereichs zwischen Leben und Tod. Gefangen in einem Zugabteil befindet sich die Komapatientin auf einer Fahrt zwischen Traum und Wirklichkeit. Wo wird die Reise hingehen?

SPITZENREITERINNEN von Jovana Reisinger

Lisa kann keine Kinder bekommen, wird verlassen, rastet aus. Laura fiebert ihrer Hochzeit entgegen, dem Höhepunkt jedes weiblichen Lebens. Barbara ist verloren, seit sie Witwe geworden ist, ein kleiner Hund hilft. Verena erbt eine Luxusvilla mit Seeblick, sie steigt auf. Jolie wird entlassen und schwanger. Petra findet die Liebe und zieht um. Tina hat große Angst und trifft eine Entscheidung.
In ihrem zweiten Roman SPITZENREITERINNEN feiert Jovana Reisinger die Frauen, die sie nach Frauenzeitschriften benennt. Sie zeigt auf, welchen Rollenzwängen und welcher Gewalt Frauen in unserer Gesellschaft unterworfen sind. Und es werden Tipps, Tricks und Geschlechterstereotype verhandelt. Es ist ein Text über weibliche Wut und Ausdauer mit teils bösem Humor, der jedoch nie seine Protagonistinnen verurteilt.

Neuigkeiten
Nationalstraße - Der Film

Jaroslav Rudiš´ Roman Nationalstraße wurde sowohl dramatisiert als auch verfilmt und kam 2020 in die Kinos. Nun ist der Film auf arte zu sehen.

Opernfilm «Im Stein» von Michael von zur Mühlen

«Sehenswert: der Opernfilm «Im Stein» nach dem gleichnamigen Musiktheater von Sara Glojnarić und Clemens Meyer», meint Jürgen Otten in der aktuellen Opernwelt und sieht «ein wunderbar verrückt-absurdes Gesamtkunstwerk aus Musik, Text, Bildfantasien und politisch präzisem Kommentar. Es ist böse und direkt, ironisch bis zynisch, sarkastisch, skurril und zuweilen dadaistisch, aber zur gleichen Zeit durchdrungen von eklatant-schmerzvoller Poesie. Spürbar wird in jeder Minute die Verzweiflung der Subjekte, die hinter der Groteske wohnt, und ebenso die veritable Wut, mit der sie auf das Diktat der Ökonomie reagieren.»

Clemens Leander in Magedeburg

Wir gratulieren unserem Kostümbildner Clemens Leander, der gemeinsam mit der Regisseurin Clara Weyde und dem Dramaturg Bastian Lomsché die Schauspielsparte des Theater Magdeburg ab der Spielzeit 2022/23 leiten wird.

»Theater heute«-Umfrage 2021

Christopher Rüpings Inszenierung »Einfach das Ende der Welt« am Schauspielhaus Zürich geht als großer Sieger aus der diesjährigen Kritiker:innenumfrage des Fachblatts "Theater heute" hervor. Rüpings Adaption des Familienheimkehrer-Dramas von Jean-Luc Lagarce wurde mit 8 Stimmen Mehrheit unter den insgesamt 38 Kritiker:innen der Umfrage zur »Inszenierung des Jahres« gewählt.

Unter den Nachwuchskünstler:innen erhielt die Macherin des Netztheater-Stücks »werther.live« Cosmea Spelleken als Regisseurin (11 Stimmen) die meisten Nennungen.

Ulrich Rasche startet am DT

In der nervösen und angsterfüllten Atmosphäre der Pestepidemie, untersucht Sophokles‘ Drama »Oedipus« das Menschsein zwischen Herkunft und Zukunft, Schicksal und Selbstbestimmung, Schuld und Wut. Ulrich Rasche wirft dabei einen Blick auf das Macht- und Herrschaftsverständnis, den Spalt zwischen Regierenden und Volk sowie die grundlegenden Fragen an die Demokratie. Nach der Premiere am 28.8. zeigt das Deutsche Theater Berlin weitere Vorstellungen am 29. und 31.8 sowie am 11., 12., 29. und 30.9.

JA OK, ABER: Debütroman von PeterLicht

Darauf haben wir lange gewartet: PeterLicht hat seinen ersten Roman geschrieben. Ein Mann mietet sich in ein Co- Working-Büro ein. Er hat große Pläne, die er verwirklichen will. »Ja okay, aber« ist eine Donquichotterie auf die merkwürdige Einrichtung dieser Welt sowie möglicher anderer. Der Roman erscheint im Klett-Cotta Verlag, Stuttgart.