Es geht wieder los!

Der September und somit die neue Spielzeit beginnt mit der Premiere »FIJK« am Dramaten in Stockholm, wo Wolfgang Menardi für die Bühne verantwortlich zeichnet sowie Paula Kläys Uraufführung ALLTÄGLICHE SPEKTAKEL am Saarländischen Staatstheater. Es folgen Lena Braschs »Romeo und Julia« in Hannover, Jan-Christoph Gockels Inszenierung von »Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk« in Frankfurt, Marco Štormans Opernproduktion »Innocence« in Bremen sowie Christopher Rüpings Uraufführung DEUTSCHER HERBST am Deutschen Theater Berlin. Mit Anne Leppers neuem Stück MIAU (AT) in Dortmund setzt sich der Premierenreigen fort, bevor Thorleifur Örn Arnarsson mit »Fanny und Alexander« in Düsseldorf und Susanne Kennedy mit Stockhausens »Mittwoch aus Licht« an der Deutschen Oper Berlin Premiere feiern. Weitere Höhepunkte des Monats sind die Uraufführung »Blau« mit Kostümen von Kathi Maurer in Gelsenkirchen, »Die Wildente« in Essen mit Kostümen von Anna Schories, Lucia Bihlers »Bernarda Albas Haus« in Düsseldorf, die »Geierwally« am Münchner Volkstheater mit Bühnenbild von Jelena Nagorni, sowie Wilke Weermanns Berliner Uraufführung »Wie Grischa mit einer verwegenen Idee beinahe den Weltfrieden auslöste«. Die Kostüme von Marilena Büld und Kathi Maurer sind in München zu sehen, das Bühnenbild von Marie Roth in Wien.
Kay Voges' Uraufführung »In bester Lage« am Schauspiel Köln eröffnet nach 14 Jahren Renovierung das Schauspiel- und Opernhaus in der Innenstadt, wo auch direkt anschließend die Uraufführung »Tag und Nacht« in der Regie von Lily Sykes zu sehen sein wird. 

Alltägliche Spektakel

von Paula Kläy

In ALLTÄGLICHE SPEKTAKEL sitzt eine Gruppe rätselhafter Wesen in einer Landschaft, die ein Archiv ist. Sie sind dabei, sich auf alles Leben, was auf der Erde stattgefunden hat, einen Reim zu machen. Gerade sind sie beim Menschen angekommen. Um etwas verstehen zu können, erzählen sie sich Geschichten von den Liebesbeziehungen, die der Mensch führte, von seiner Mitgliedschaft in Sportvereinen, den Träumen, den Alpträumen. Aber immer wenn einer den Vorhang zuzieht, um schlafen zu können, zündet ein anderer ein Nachtlicht, weil er sich gruselt in der Dunkelheit. Die Wesen können sich auf den Menschen einfach keinen Reim machen. Widerwillig beschließen sie, sich mit seiner Arbeit auseinanderzusetzen. Dieser Tätigkeit, mit der er ein Großteil seiner Zeit verbrachte, und die, wie sie bald merken, den Schlaf, die Liebe und überhaupt alles geprägt hat.

Wokey Wokey

von Nora Abdel-Maksoud

Kulturkämpfe sind Kassenschlager. Nicht nur ideologisch. Es liegt also nahe, daß sich Filmregisseurin Gordon dem vermeintlichen Tugendterror woker Minderheiten widmet und versucht, Orwells 1984 als anti-wokes Musical neu zu erzählen – ein Unterfangen, das von Beginn an zum Scheitern verurteilt ist.
WOKEY WOKEY ist eine rasante Behind‑the‑Scenes‑Farce: schnelle Szenenwechsel, überzeichnete Figuren, filmische Effekte wie Split Screens oder Standbilder und ein Bühnenraum, der wie ein überdimensionaler Kameraausschnitt funktioniert. Dadurch wird sichtbar, wie sehr jede Erzählung von Perspektive und Ausschnitt abhängt

Die »unangefochtene Meisterin im Diskurstheater« (Die Deutsche Bühne) zeigt, wie Wahrheiten konstruiert werden – und wie schnell sie kippen. 

Die kleinen Meerjungraun

von Kim de l'Horizon

An seinem 15. Geburtstag darf das kleine Meer­jungraun endlich an die Meeresoberfläche schwim­men – und entdeckt Ungeheuerliches: einen Marcomann! Wunderschön und auf geraden Beinen. Sofort wird das Meerjungraun von wilden Wünschen gepackt, halb Begehren, halb die Sehnsucht, anders zu sein. Im Tausch für die neue Norm verzichtet es auf Flutschigkeit, schillernde Schuppenpracht und seinen grossen glitzernden Schwanz – und zahlt dafür in der neuen Welt den Preis der Unsichtbarkeit und des Schweigens.

DIE KLEINEN MEERJUNGRAUN ist eine Überschrei­bung des Märchenstoffes um die kleine Meerjungfrau. Es handelt von der Sehnsucht nach einem anderen Körper, dem Traum von der einzigen wahren Liebe – und ist gleichzeitig eine grosse queere Erzählung und ein Aufruf zu Empathie und Solidarität.

Neuigkeiten
Demo Tape geht weiter

Der politischer Song-Salon von und mit Fatima Çalışkan und Martin Kaluza an der Volksbühne Berlin geht weiter: Am 10. Oktober folgt die fünfte Ausgabe mit Yasmin Polat.

Die Inszenierung des Jahres

In der Jahresbestenliste des Fachblatts »Theater Heute« wurde Jan-Christoph Gockels Aktualisierung von Friedrich Schillers WALLENSTEIN an den Münchner Kammerspielen zur Inszenierung des Jahres gewählt. Wir gratulieren Jan-Christoph Gockel, dem ebenso von uns vertretenen Lion Bischof (Video) sowie dem gesamten Team und den Münchner Kammerspielen herzlich zu diesem groben Erfolg. Zudem freuen wir uns über die Preise »Schauspielerin des Jahres« (Paulina Alpen) in Lucia Bihlers Stuttgarter Inszenierung »Die Welt im Rücken« und »Video des Jahres« (Jan Isaak Voges) in der Kölner Eröffnungsarbeit »Imagine« in der Regie von Kay Voges.

Meerjungraun gewinnt in Mülheim

In DIE KLEINEN MEERJUNGRAUN öffnet Kim de l’Horizon eine schillernde Unterwasserwelt, in der Körper, Identität und Verwandlung ineinander übergehen. Das Stück gewinnt den Stückpreis 2026 in Mülheim. Wir gratulieren!

FAUST-Theaterpreis: Nominierungen

Die Nominierungen für den FAUST- Theaterpreis 2026 stehen fest. In der Kategorie MEDIEN ist das Nils Corte für »Ich hasse Menschen« am Theater Altenburg Gera, für REGIE Jan-Christoph Gockel für »Wallenstein« an den Münchner Kammerspielen,  Marlene Lockemann für RAUM für »Romeo und Julia« am Residenztheater, Josa Marx für KOSTÜM bei »Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui« am Schauspiel Frankfurt und Ayşe Güvendiren als GENRESPRINGERIN für »Dinge I über I Leben« am Nationaltheater Mannheim. Wir drücken die Daumen für die Preisverleihung am 14. November.

Weltenbauer Award für Eva Veronica Born

Für ihr spektakuläres Bühnenbild in der Produktion »Eines langen Tages Reise in die Nacht« am Schauspielhaus Bochum (Regie: Johan Simons) hat Eva Veronica Born den WELTENBAUER AWARD 2026 in der Kategorie MUT verliehen bekommen. Der Weltenbauer Award ist eine herausragende Auszeichnung für die kreative und technische Meisterleistung, die Born zurecht für die Umsetzung einer Hausexplosion auf einer Theaterbühne erhält. Der Preis wurde im Rahmen der Bühnentechnischen Tagung in Rostock verlieben. Der Preis ehrt die kreative Umsetzung einer künstlerischen Vision durch Bühnentechnik. Wir gratulieren! 

Sara Ostertag wird Leiterin des Schauspielhaus Wien

Die Wiener Regisseurin und »Teata«-Leiterin Sara Ostertag soll ab der Spielzeit 2027/28 auch die künstlerische Leitung des Schauspielhauses Wien übernehmen. Ostertag leitet seit dieser Saison unter dem Namen »Teata« das ehemalige Theater an der Gumpendorfer Straße, das derzeit saniert wird. Beide Häuser sollen künftig unter der Dachmarke Schauspielhaus Wien eine strukturelle Partnerschaft eingehen. Sara Ostertag ist Mitbegründerin des mehrfach ausgezeichneten Kollektivs »makemake« und inszeniert im In- und Ausland. Von 2015 bis 2025 war sie Kuratorin für die Kulturdirektion des Landes Oberösterreich im Bereich darstellende Kunst. Als Dramaturgin ist sie seit vielen Jahren für die Choreografin Florentina Holzinger tätig. Ostertags Regiearbeiten sind mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet; 2017 und 2025 erhielt sie unter anderem den NESTROY-Theaterpreis.