
Alltägliche Spektakel
Ende Juli sind alle Bundesländer in den Sommerferien und also auch in der Spielzeitpause. Nach einer langen und schönen Spielzeit verabschieden auch wir uns kurz in den Urlaub und freuen uns, mit unserer ersten Uraufführung am 5. September gemeinsam zu starten. Der Titel soll gleichsam ein Motto für die Spielzeit 2026/26 sein: ALLTÄGLICHE SPEKTAKEL.
Doch in dem zweiten Auftragswerk des Saarländischen Staatstheaters an Paula Kläy geht es um die Abwesenheit des Urlaubs, nämlich um die Arbeit. Eine Gruppe rätselhafter Wesen sitzt in einer Landschaft, die ein Archiv ist. Sie sind dabei, sich auf alles Leben, was auf der Erde stattgefunden hat, einen Reim zu machen. Gerade sind sie beim Menschen angekommen und hinterfragen die Phrasen einer Zeit, die einmal unsere Gegenwart gewesen sein wird. Um etwas verstehen zu können, erzählen sie sich Geschichten von den Liebesbeziehungen, die der Mensch führte, von seiner Mitgliedschaft in Sportvereinen, den Träumen, den Alpträumen.
Nach einer überaus erfolgreichen Spielzeit für Paula Kläy mit vier Uraufführungen (GEWÖLK, FELIX KRULL, ENTTÄUSCHENDE EWIGKEIT und KASSANDRA) können wir diese Texte auch sehr als Sommerlektüre empfehlen, oder etwas von unseren Neuzugängen Jonas Hirner, Sophie Eber, Anne Münch oder Armin Wühle?
Eine erholsame, ruhige und arbeitsfreie Zeit wünscht
schaefersphilippen
Kulturkämpfe sind Kassenschlager. Nicht nur ideologisch. Es liegt also nahe, daß sich Filmregisseurin Gordon dem vermeintlichen Tugendterror woker Minderheiten widmet und versucht, Orwells 1984 als anti-wokes Musical neu zu erzählen – ein Unterfangen, das von Beginn an zum Scheitern verurteilt ist.
WOKEY WOKEY ist eine rasante Behind‑the‑Scenes‑Farce: schnelle Szenenwechsel, überzeichnete Figuren, filmische Effekte wie Split Screens oder Standbilder und ein Bühnenraum, der wie ein überdimensionaler Kameraausschnitt funktioniert. Dadurch wird sichtbar, wie sehr jede Erzählung von Perspektive und Ausschnitt abhängt
Die »unangefochtene Meisterin im Diskurstheater« (Die Deutsche Bühne) zeigt, wie Wahrheiten konstruiert werden – und wie schnell sie kippen.
von Kim de l'Horizon
An seinem 15. Geburtstag darf das kleine Meerjungraun endlich an die Meeresoberfläche schwimmen – und entdeckt Ungeheuerliches: einen Marcomann! Wunderschön und auf geraden Beinen. Sofort wird das Meerjungraun von wilden Wünschen gepackt, halb Begehren, halb die Sehnsucht, anders zu sein. Im Tausch für die neue Norm verzichtet es auf Flutschigkeit, schillernde Schuppenpracht und seinen grossen glitzernden Schwanz – und zahlt dafür in der neuen Welt den Preis der Unsichtbarkeit und des Schweigens.
DIE KLEINEN MEERJUNGRAUN ist eine Überschreibung des Märchenstoffes um die kleine Meerjungfrau. Es handelt von der Sehnsucht nach einem anderen Körper, dem Traum von der einzigen wahren Liebe – und ist gleichzeitig eine grosse queere Erzählung und ein Aufruf zu Empathie und Solidarität.
Vanessa ist obsessed mit den Geschichten hinter der Geschichte: dem Trauma hinter dem Schweigen des Vaters, dem Maß für die kollektive Schuld eines Lebens im Westen des 21. Jahrhunderts. Vanessa liest: Hannah Arendt, David van Reybrouck. Vanessa referiert: über den naziverseuchten BND und seine Rolle im Kampf gegen die Dekolonialisierung – und alle sind überfordert. Aber Vanessa kann nicht anders. Alles hängt mit allem zusammen: der Kolonialismus mit dem Nationalsozialismus, der BND und Adenauers Angst vor einem mächtigen Asien mit dem Putsch gegen den ersten Präsidenten Indonesiens, die anschließenden Pogrome und Massenmorde.
ASIAWOCHEN ist »Ein subtiles Drama über die Zusammenhänge von Essen, Kolonialismus und Stereotypen. « (Nachtkritik)
In DIE KLEINEN MEERJUNGRAUN öffnet Kim de l’Horizon eine schillernde Unterwasserwelt, in der Körper, Identität und Verwandlung ineinander übergehen. Das Stück gewinnt den Stückpreis 2026 in Mülheim. Wir gratulieren!
Die Nominierungen für den FAUST- Theaterpreis 2026 stehen fest. In der Kategorie MEDIEN ist das Nils Corte für »Ich hasse Menschen« am Theater Altenburg Gera, für REGIE Jan-Christoph Gockel für »Wallenstein« an den Münchner Kammerspielen, Marlene Lockemann für RAUM für »Romeo und Julia« am Residenztheater, Josa Marx für KOSTÜM bei »Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui« am Schauspiel Frankfurt und Ayşe Güvendiren als GENRESPRINGERIN für »Dinge I über I Leben« am Nationaltheater Mannheim. Wir drücken die Daumen für die Preisverleihung am 14. November.
Für ihr spektakuläres Bühnenbild in der Produktion »Eines langen Tages Reise in die Nacht« am Schauspielhaus Bochum (Regie: Johan Simons) hat Eva Veronica Born den WELTENBAUER AWARD 2026 in der Kategorie MUT verliehen bekommen. Der Weltenbauer Award ist eine herausragende Auszeichnung für die kreative und technische Meisterleistung, die Born zurecht für die Umsetzung einer Hausexplosion auf einer Theaterbühne erhält. Der Preis wurde im Rahmen der Bühnentechnischen Tagung in Rostock verlieben. Der Preis ehrt die kreative Umsetzung einer künstlerischen Vision durch Bühnentechnik. Wir gratulieren!
Die Wiener Regisseurin und »Teata«-Leiterin Sara Ostertag soll ab der Spielzeit 2027/28 auch die künstlerische Leitung des Schauspielhauses Wien übernehmen. Ostertag leitet seit dieser Saison unter dem Namen »Teata« das ehemalige Theater an der Gumpendorfer Straße, das derzeit saniert wird. Beide Häuser sollen künftig unter der Dachmarke Schauspielhaus Wien eine strukturelle Partnerschaft eingehen. Sara Ostertag ist Mitbegründerin des mehrfach ausgezeichneten Kollektivs »makemake« und inszeniert im In- und Ausland. Von 2015 bis 2025 war sie Kuratorin für die Kulturdirektion des Landes Oberösterreich im Bereich darstellende Kunst. Als Dramaturgin ist sie seit vielen Jahren für die Choreografin Florentina Holzinger tätig. Ostertags Regiearbeiten sind mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet; 2017 und 2025 erhielt sie unter anderem den NESTROY-Theaterpreis.
Lily Sykes wird neue Schauspieldirektorin am Theater Magdeburg. »Mit Lily Sykes gewinnen wir eine starke, charismatische Persönlichkeit, die nicht nur ein für Magdeburg fantastisches intelligentes Konzept vorgelegt hat, sondern auch große Fähigkeiten und Möglichkeiten mitbringt, sich international zu vernetzen«, sagt der Generalintendant des Theaters Magdeburg, Julien Chavaz. Lily Sykes selbst sagt zu ihrer Berufung: »Ich freue mich sehr darauf, für die Stadt Magdeburg und die Menschen, die hier leben, Theater zu machen – an einem Haus, das in den vergangenen Jahren durch künstlerische Exzellenz, ein herausragendes Ensemble und engagierte Gewerke und Mitarbeitende überzeugt hat. Theater ist für mich ein Raum, der Menschen zusammenbringt, Widersprüche aushält und neue Blickwinkel eröffnet.«
Jovana Reisinger erhielt in diesem Jahr den Grimme-Preis Spezial für UNTERWEGS IM NAMEN DER KAISERIN »für die zeitgemäße Dekonstruktion des Sisi-Hypes durch eine radikale Ästhetik.« Wow, herzlichen Glückwunsch!