Stefan Hageneier

Kost├╝m- und B├╝hnenbild
Person

1972 in Oberammergau geboren, absolviert er zuna╠łchst eine Ausbildung zum Holzbildhauer. Sein Ziel ist das Studium an der Mu╠łnchner Kunstakademie ÔÇô doch das Theater funkt ihm dazwischen. An den Mu╠łnchner Kammerspielen wird er Ju╠łrgen Roses Bu╠łhnen- und Kostu╠łmbild-Assistent, danach tourt er vier Jahre lang mit Robert Wilson, wird Zeuge und Komplize eines ┬╗unfassbaren Gespu╠łrs fu╠łr Raum und Proportion┬ź.

┬╗Der Realismus hat mich nie sehr interessiert. Ich fand immer, die Bu╠łhne ist ein Ort, der fremd und magisch sein muss.┬ź Das spiegelt sich in Stefan Hageneiers Liebe zur Groteske und im zentralen, herausfordernden Umgang mit Farbe ÔÇô ein Wehren gegen alle Moden.

Zusammen mit Christian Stu╠łckl gelingt ihm die gefeierte Neubearbeitung des Oberammergauer Passionsspiels 2000, das er mittlerweile zum dritten Mal als Kost├╝m- und B├╝hnenbildner gemeinsam mit St├╝ck realisiert hat. Direkt darauf wechselt er ans Bayerische Staatsschauspiel, wo er unter anderen mit Tina Lanik, Martin Kus╠îej und Thomas Dannemann zusammenarbeitet. Fu╠łr das verschra╠łnkte Doppelspiel in Peter WeissÔÇÖ ┬╗Marat/Sade┬ź etwa bewegt er zwei Drehbu╠łhnen gegeneinander; die installative Anordnung offenbart immer neue, grellere Ra╠łume fu╠łr die theaterblutige Revolution in der psychiatrischen Anstalt.

Parallel dazu entstehen Inszenierungen an der Berliner Schaubu╠łhne, am Wiener Burgtheater oder am Zu╠łrcher Schauspielhaus, an den Staatsopern Mu╠łnchen und Hamburg, in Wiesbaden oder Stuttgart. Zur Neubau-Ero╠łffnung des Mu╠łnchner Volkstheaters schlie├člich sind es Stefan Hageneiers Bu╠łhne und Kostu╠łme, die den Ton fu╠łr Marlowes ┬╗Edward II.┬ź vorgeben: Skelettartig zuru╠łckgenommen die eine, magentafarben u╠łberzeichnet die anderen, u╠łberbru╠łcken sie plakativ die vierhundert Jahre ins Heute. ┬╗Ein lautes Bild muss nicht automatisch dominant sein, und auch ein extremes Bild kann Sprache deutlicher machen. Das ist mein Versuchsfeld.┬ź

┬╗Eine klare Handschrift langweilt mich┬ź, sagt Stefan Hageneier. Er meint: sich selbst als Ku╠łnstler, als Bu╠łhnen- und Kostu╠łmbildner, der stets weiterkommen mo╠łchte, Schritt fu╠łr Schritt, andere Bu╠łhnenwelten erforschen will als die bekannten. So endet der historische Brokat einer Shakespeare-Komo╠łdie im Matsch der Gegenwart; auf einer pinkfarbenen Schra╠łge kippt ein Ein- Familien-Ha╠łuschen mitten ins Parkett; zwischen Beton und Poesie, vermeintlicher Wellness und brutaler Ka╠łlte pumpt eine komplizierte Mechanik erst reines, dann schmutziges Wasser auf die Bu╠łhne von Sarah Kanes ┬╗Gesa╠łubert┬ź.

┬╗Theater kann sich immer wieder neu erfinden┬ź ÔÇô diese Weiterentwicklung ist seine U╠łberzeugung und sein Anspruch. Das vermittelt Stefan Hageneier auch seinen Studierenden; seit 2011 hat er die Professur fu╠łr Bu╠łhnen- und Kostu╠łmbild an der Kunsthochschule Berlin-Wei├čensee inne.