A. ist eine andere

Autor*in(nen)
Theater, UA: 9.3.2001, StĂ€dtische BĂŒhnen Chemnitz, Regie: Bettina Jahnke
Inhalt

A. hat sich verbrannt. Auf offenem Feld, direkt neben ihrem Wagen. Die Indizien scheinen keinen Irrtum zuzulassen. Man fand auch ein paar angefangene Briefe. Gestotterte, unvollendete Liebesbriefe an Gerd, ihren Mann. Gerd hat noch ihren Duft an den Fingern. A. war jung, voll Lust, mit normal verrĂŒckten TrĂ€umen. Nichts Ungewöhnliches, nichts AuffĂ€lliges. Vier Tage spĂ€ter sind die FormalitĂ€ten erledigt. A. ist in der Urne, die an einem verregneten Tag auf der Wiese ausgestreut wird. Die Situation ist so unfaßbar, daß sie weder Schock noch BetĂ€ubung zulĂ€ĂŸt. Vier Menschen suchen mĂŒhsam nach einem Alltag nach dem Tod und erinnern sich an A. Pheres, ihr Vater, der als Bonsai-Spezialist einen Bonsai auf die Wiese setzt, obwohl der im Freien keine Chance hat. Bongo, der lebenslustige Barmann, der mit Gerd in Italien so wunderschön bis zum Umfallen Chianti trank. Nina, die Medizinstudentin, die A. in der Pathologie sah und inzwischen ihre Sachen trĂ€gt. Gerd, der Architekt, dem das Leben mit A. bisher so leicht war. Mit einem fast unbemerkt gleitenden Wechsel zwischen erzĂ€hlten Passagen und unterbrochenen Dialogen wird A. immer prĂ€senter. Vergessene, alltĂ€gliche Details werden groß. Lebensgeschichten einfach und unwiederbringlich. Behutsam fließen die Gedanken der Figuren ineinander, bis A. in den Dialog tritt. Lebendiger, je mehr ihr Verschwinden als Tatsache akzeptiert wird. Und ihr gehört konsequent der letzte Monolog in dieser bizarr gebauten Liebesgeschichte.

Ausgezeichnet mit dem Kleist-Förderpreis fĂŒr junge Dramatik 2000