Anschluß

Autor*in(nen)
Theater, UA: März 2021, Staatsschauspiel Dresden
Inhalt

Das neue Vier-Mann-Stück von Jaroslav Rudiš handelt von Männern, die warten: auf die Liebe, Vergebung, den Tod oder einen Neuanfang. In ihrer Tragik sind sie komisch und traurig zugleich und philosophieren über Grenzen, Liebesbriefe und Wildschweine. Drei der vier alten weißen Herren kennen sich schon lange und schwelgen in Erinnerung an die ehemalige Gastwirtin Libuše, an die Züfe Hiroshima und Nagasaki und an rauschende Tanzfeste. Doch immer wieder blitzen unheimliche Begebenheiten auf: Wieso sind so viele Menschen an Jagdunfällen gestorben? Warum stehen im Keller unzählige Koffer und wer hat all die großen Brände gelegt? Einzig der zuletzt Hinzugestoßene, ein ehemaliger Musiker, der aber nicht mehr spielen kann, stellt vorsichtig Fragen, doch auch er hat ein Geheimnis und musste fliehen. Als er sich im Wald verläuft, findet er letztlich noch Zuflucht in der seit langem geschlossenen Gaststätte eines seit langem stillgelegten Rangierbahnhof, der direkt auf der ältesten Grenze Europas steht. Dort warten nun alle vier mit reichlich Schnaps, denn es soll eine Konferenz stattfinden, die die großen Themen verhandelt: Alte Werte, die nicht mehr gültig sind, Arbeiten, die nicht mehr verrichtet werden müssen, Anstand, den es nicht mehr gibt, Anschluss an etwas, das so nicht mehr existiert.
Jaroslav Rudiš zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Autoren Tschechiens. In seinen Romanen, Hörspielen und Essays beschäftigt er sich regelmäßig mit der historischen Entstehung von Grenzorten, den Erfahrungen von Menschen, die dort leben, und der Sehnsucht nach Sicherheit und Identität, die mit klaren Grenzen oftmals Hand in Hand zu gehen scheint.