Die Kunst der Wunde

Autor*in(nen)
Theater, UA: 09.01.2021, Schauspiel Leipzig
Inhalt

"Es ist ein Text über Asymmetrien, die in der westlichen Demokratie ihren unbewussten/bewussten/negierten/ignorierten/versteckten Ursprung haben und den ganzen Erdball überziehen.« (Sabine Westermaier)
Was ist hier unbemerkt aus dem Lot geraten? Warum schauen mich die Leute in der Bahn auf meinem Weg zur Arbeit so schief von der Seite an? Was ist geschehen, seitdem die Welt zum global village wurde und sich schleichend das Gefühl in mir breitmachte, ich könnte den Anschluss verlieren, dann meinen Job samt meinen Freunden, samt sozialem Ruf? Ein diffuser, nicht ganz fassbarer Grauschleier der Angst und Paranoia entsteht aus einem Gespräch von Stimmen: Gehe ich jetzt mit meiner Selbstoptimierung und Erschöpfung einkaufen oder google ich lieber gleich die nächste ärztliche Konsultationsstelle? »Ich bin ein Gewaltakt wie ich über die Straße gehe, JEDER kann es sehen.«
Schlaglichter auf Diskusfronten und Ängste einer Gesellschaft: Darin stehen Stimmen von Queer-Feministinnen denen von weißen Männern gegenüber, Alt gegenüber Jung, Journalistinnen auf Opfersuche einem Ärzteteam, das sich um ein kranken »Staats-Baby« kümmern möchte. Alles wollen gehört, gesehen, geliebt und verstanden werden, jeder versucht auf der richtigen Seite zu stehen. Viele Ichs geistern durch einen vielfach gebrochenen Gesellschaftszustand, suchen ihren Sinn, ihre Realitäten, ihr Zuhause, ihre Fronten, rangeln darum, stattfinden zu dürfen. Am Ende fragen sie sich, wer in ihrer Zusammenkunft eigentlich die Regeln gemacht hat. Welche Normen formen uns in unserem alltäglichen Zusammensein und wann werden sie problematisch?