Forst der Finsternis

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Theater, UA: 10.03.2022, Schauspielhaus Graz
Inhalt

WaldstĂŒck nach Anton Tschechows »Der Waldschrat«

Fast die HĂ€lfte der FlĂ€che Österreichs und 61 % der Steiermark sind bewaldet. In diesem Land wachsen 3,4 Milliarden BĂ€ume, 406 pro Einwohner*in. Sie machen nicht nur die Steiermark, sondern das ganze Land zwischen Forstau und Waldegg, Waldviertel und der Waldstadt Wien grĂŒn. Aber ach, der Wald, erleidet. Durch den Klimawandel sind der Holzstandort Österreich und sein Brotbaum, die Fichte, gefĂ€hrdet. Wissenschaft, Aktivismus und Politik arbeiten mit Hochdruck daran, den langsam wachsenden Wald fit zu machen fĂŒr die Zukunft und streiten um die beste Strategie.

Michail Lwowitsch Chruschtschow, genannt der »Waldschrat«, war auch so ein VisionĂ€r. Bereits 120 Jahre vor den Waldbesetzer*innen, die hier und da gegen Abholzung protestieren, kĂ€mpfte er gegen das Verschwinden des russischen Waldes, den er fĂŒr kĂŒnftige Generationen bewahren wollte. Erfunden hat diese Figur Anton Tschechow in der Gewissheit, dass jeder von uns ein Waldschrat ist: »Sie alle irren im finsteren Wald umher und tasten sich durchs Leben.« Das VorgĂ€ngerstĂŒck zum spĂ€teren »Onkel Wanja« bietet fĂŒr das Regie-Duo Nele Stuhler und Jan Koslowski eine reizvolle Folie, um mit einer Überschreibung zeitgenössischen Klima-Aktivismus in den Blick zu nehmen.

Stuhler und Koslowski werden also in der typischen Lethargie von Tschechow die aktiven Widerstandpotenziale suchen und umnutzen, denn Protest muss heute ja auch Spaß machen, damit er funktioniert. Wie man bereits in ihrer »goetheschen Schmonzette« unter dem Titel DIE LEIDEN DER JUNGEN WÄRTER in der Spielzeit 19/20 sehen konnte: Bei den beiden stecken hinter einer unterhaltsamen OberflĂ€che immer ernste Fragen. Zum Beispiel: Kann zivilgesellschaftliches politisches Engagement die soziale und ökologische Wende (noch) erzwingen, wie viel Sinn haben modische Erlösungsideen wie Selbstversorgung und Veganismus, wo beginnt privates und institutionelles Greenwashing und was haben Nationalismus und Ökologie miteinander zu tun?