Polen ist mein Italien

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Theater, UA: 13.06.2014, M├╝nchner Kammerspiele
Inhalt

1980.┬áDas Ende der Welt, ganz in der N├Ąhe von Danzig. Inmitten dieser postapokalyptisch anmutenden Ostsee-├ľdnis, geht dem legend├Ąren (wenngleich kaum bekannten) Berliner Independent-Regisseur Bela Roberti, der gerade an seinem Science-Fiction-Streifen ┬╗Die Wiese der Dinge┬ź arbeitet, das Film-Material aus. Der erfolglose Filmemacher schafft es nicht, das Scheitern des Projekts gegen├╝ber der Filmcrew einzugestehen, und fl├╝chtet stattdessen in eine fiebernde Gedankenwelt zwischen Erinnerung und Traum. Er begegnet zwei polnischen Br├╝dern in ihrem verlassenen Hotel am Meer, einer Kranf├╝hrerin, die kurz vor ihrer Pension gefeuert wurde, und seiner Ex-Frau, die ihn l├Ąngst verlassen hat.

Mit Bela Roberti, dem ┬╗erfolglosen deutschen Independent-Science-Fiction-Filmer┬ź erschuf Sascha Hargesheimer eine sph├Ąrische Kunstfigur, die letzte Fragen zu stellen versucht: ┬╗was w├╝rdest du filmen / mit dem letzten rest meine ich / wenn es der letzte rest film auf der welt w├Ąre / was w├╝rdest du sehen wollen┬ź.

In genau diese Situation ist der Regisseur nun geraten, nahe Danzig im Jahr 1980, dem Jahr, in dem die Oppositionsbewegung blutrot erblühte. 

In der Jury-Begr├╝ndung zum M├╝nchner F├Ârderpreis f├╝r neue Dramatik, den Sascha Hargesheimer mit seinem St├╝ck 2013 gewann, hei├čt es: ┬╗Was bannt man auf die letzte Minute Film?┬áDieser Frage mu├č sich in dem St├╝ck Bela Roberti stellen, dieser vergessene Regisseur des deutschen lndependent-Science-Fiction-Films. Er ist nach Polen aufgebrochen, um in einem verlassenen Hotel in der N├Ąhe von Danzig seinen letzten Film zu drehen. Doch dann geht ihm der Film aus. Roberti und sein Filmteam verstauben in Polen. Aber Roberti wei├č nicht, worauf er warten soll. Was ist es wert, f├╝r die Ewigkeit festgehalten zu werden? W├Ąhrend die Arbeiter auf der Werft in Danzig und ganz Polen f├╝r bessere Lebensbedingungen im Hier und Jetzt k├Ąmpfen, k├Ąmpft Bela Robertti mit sich selbst: ÔÇ║Ich glaube, ich habe den falschen Job oder das falsche leben, aber ich kann nicht sagen, ob es das eine oder andere ist. Gibt es ein anderes Leben?ÔÇ╣ Die Hotelbesitzer haben eine erschreckend einfache Antwort: ÔÇ║Das hier ist ja schon die echte Welt. Es gibt kein Dahinter, keinen n├Ąchsten Horizont.ÔÇ╣ Sascha Hargesheimer hat es mit seinem St├╝ck in einer geradezu elegischen Art auf den Punkt gebracht: Die Wirklichkeit ist immer das, was wir aus ihr machen.┬ź

 

 

Ausgezeichnet mit dem M├╝nchner F├Ârderpreis f├╝r neue Dramatik, 2013