Rue d’Armenie

Autor*in(nen)
Schauspiel, Noch frei zur UA
Inhalt

»Rue d'Armenie« beginnt damit, daß jede der drei Hauptfiguren in schönster postdramatischer Form die Geschichte eines anderen Charakters erzählt. Diese sind: ein Junge, der bei dem Versuch, Geld für die weitere Flucht zu verdienen, in eine Prügelei mit anderen Geflüchteten gerät. Ein Mann, den ein Flirt in einer illegalen Schwulenbar zum Gejagten macht und eine Frau, die mit einer öffentlichen Kunstaktion gegen die Vermüllung der Stadt den Ärger der Gesetzeshüter auf sich zieht. Im zweiten Teil stranden die drei Protagonist*innen an einem Kiosk. Die zufällig zusammengewürfelte Gemeinschaft kümmert sich umeinander, pflegt die Wunden der anderen und spricht sich Mut zu. Beobachtet von einem Kioskbesitzer, der beschlossen hat, grundsätzlich keine Stellung mehr zu beziehen. Das »Happy End« bleibt dem Film überlassen. Im dritten Teil wird über die Bilder der schlafenden Protagonist*innen erzählt, wie es mit ihnen weitergeht. Aber kann es in dieser Welt ein Happy End geben oder sehen wir nur eine weitere Station in einem Lebenskampf, der gar nicht gewonnen werden kann?

Armin Wühle legt Spuren. Wo gibt es eine Rue d'Armenie, wo gab es Großdemonstrationen wegen Stadtvermüllungen, entlang welcher Länder und Städte verlaufen Fluchtrouten? Die Fragen könnte einem das Internet beantworten. Doch die eigentlich entscheidende Frage stellt der Kioskbesitzer. Sie lautet nicht »Wo sind wir?«, sondern »Wann sind wir?«. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft? Die Rue d´Armenie, das könnte der Libanon sein, aber eben auch eine Diktatur der Vergangenheit, und nicht zuletzt schimmert ein mögliches Deutschland am Horizont auf, das Beklemmungen auslöst.

RUE D’ARMENIE ist Aufarbeitung, gegenwärtige Bestandsaufnahme und Warnung in einem.