Die zweite Sonne

Autor*in(nen)
Theater, 14.05.2022, Stadttheater Ingolstadt
Inhalt

1999 irgendwo in einer Wohnhaussiedlung: Das Medium einer Sekte hat f├╝r die letzte Sonnenfinsternis des 20. Jahrhunderts die Apokalypse vorhergesagt. Eine Familie steht in ihrem Garten in Erwartung auf die gro├če Katastrophe und eine junge Reporterin berichtet direkt vom Geschehen. Doch anstelle des Weltuntergangs kommt es zu einem ganz anderen Ungl├╝ck. Aus mysteri├Âsen Gr├╝nden verschwinden ├╝berall die M├╝tter und lassen ihre Angeh├Ârigen zur├╝ck. 2010 steht die Welt wieder kurz vor dem Abgrund. Die alleinerziehenden V├Ąter versuchen verzweifelt mit ihrer Situation umzugehen, w├Ąhrend eine Krise nach der anderen die Gesellschaft ersch├╝ttert. Die Reporterin bleibt am Fall der verschwundenen Frauen und dem drohenden Ende des Planeten dran. Aber auch in den folgenden Jahrzehnten zeichnen sich keine echten L├Âsungen f├╝r die globalen Krisenerscheinungen ab. Gelassen und vergn├╝gt betrachten die Kosmischen, eine h├Âher entwickelte Lebensform, von au├čen, wie sich die Menschheit nach und nach selbst abschafft. Denn sie haben in ihrem Paralleluniversum schon lange ein Utopia erschaffen, in dem sie alles hinter sich gelassen haben.

Irrwitzig, temporeich und intelligent beschreibt Svenja Viola Bungarten in ihrem St├╝ck die Untergangsstimmung unserer Zeit und l├Ąsst dabei kein aktuell brennendes Thema aus. Klimawandel, Patriarchat, Neoliberalismus und Kolonialismus h├Ąngen zusammen ÔÇô und f├╝hren zwangsl├Ąufig in die Trag├Âdie. Oder geht es auch anders? Ist unsere Realit├Ąt nur eine Alternative unter vielen? Und m├╝ssen wir nur unsere veralteten Sichtweisen abstreifen, um die Welt zu retten? ┬╗Der Text ist eine raffinierte Partitur der Vielstimmigkeit, die ├╝beraus vers├Âhnlich und enorm komisch ist. Die Autorin k├╝ndigt den Generationenvertrag und spielt mit der Katastrophe. Wir m├╝ssen uns aus M├Âhren Fl├Âten schnitzen, die H├Ąnde halten und neu anfangen┬ź, so die Regisseurin Mareike Mikat.