Entwurf fĂŒr ein Totaltheater

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Theater, noch frei zur UA
Inhalt

Bonnies Drama beginnt mit der Flucht aus einer Ehe, in der sie scheinbar alles hat: Himbeerjoghurt, ein Zimmer und monatliche 500 Pfund. Doch im Leben muß es mehr als alles geben.

Also flieht sie den ZustĂ€nden - nur um sogleich im nĂ€chsten AbhĂ€ngigkeitsverhĂ€ltnis zu landen. Im Staatsdienst und an der Seite eines KĂŒchenmĂ€dchens ist sie fĂŒr die Verteilung von Wurstbroten zustĂ€ndig. Protegiert von einer Ă€ltlichen Dame und drangsaliert von einem stimmstarken Polizei-Chor kann das nun wirklich lĂ€ngst nicht alles sein. Der eigentliche Weg ist der zum Theater - und zum nĂ€chsten Vollmond soll es dort eine Hauptrolle zu ergattern geben.

Der Mond ist sichtbar, aber er ist sichtbarerweise auch eine FĂ€lschung. WĂ€hrend der AmĂŒsierbetrieb aufrecht erhalten wird und der Chor singt und tanzt, verschwindet scheinbar ganz nebenbei die alte Dame. Einzig die zarte Bande zum KĂŒchenmĂ€dchen gibt Bonnie Halt. Doch dann liegt das KĂŒchenmĂ€dchen erschlagen im Straßengraben. 

In einem anspielungsreichen Text entwirft Anne Lepper tatsĂ€chlich ein totales Theater; das Individuum irrt nackt und alleine durch ein kafkaeskes Staatengebilde auf der Suche nach Wurstbroten, die fĂŒr alle - nur nicht fĂŒr Bonnie - vorgesehen sind.

Wie so hĂ€ufig bei Anne Lepper strebt auch die Hauptfigur Bonnie nach einem Ausgang und einem Weg, das Jetzt, die undurchsichtige und offenkundig sinnlose Gegenwart zu ĂŒberwinden. Derweil ĂŒbt sich die umgebende Außenwelt in schier endlosen und sinnlosen Exerzitien, die fĂŒr alle - mit Ausnahme des Individuums - vollkommen selbstverstĂ€ndlich erscheinen. 

Eine grĂ¶ĂŸere Einsamkeit hat es selten gegeben. Die Ordnung, mag sie noch so sinnlos erscheinen, ist totalitĂ€r. Dem freien Blick auf Himmel und Mond, dem Weg zum Theater - oder Ă€hnlichen Zufluchtsorten - stehen große weiße HĂ€user, Polizeichöre, unsichtbare Hindernisse und ein willkĂŒrlicher Rechtsstaat entgegen.

Wie keine Autorin ihrer Generation vermag es Anne Lepper, unsere trostlose und oft scheinbar ausweglose Existenz mit ungewöhnlichen Bildern zu beschreiben, die einen tiefen literarischen Sog entwickeln. ENTWURF FÜR EIN TOTALTHEATER ist Leppers bislang mutigster Text.

Eingeladen zum Heidelberger StĂŒckemarkt 2016