Pretty Privilege

Autor*in(nen)
Schauspiel, nach Oscar Wilke: Das Leben des Dorian Gray, UA: 07.02.2026, Schauspiel Stuttgart
Inhalt

Was bedeutet im Zeitalter der manipulierten Bilder und Gesichter eigentlich noch der Begriff Schönheit?
Wilke Weermann beleuchtet unseren Schönheitsbegriff im Schatten des heutigen durch Social Media geprägten Körperkults und interpretiert einen der bekanntesten Romane der Moderne neu: Das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wilde (1854 – 1900).
Dorian Gray hat den Wunsch, für immer schön und begehrenswert zu bleiben, und seine Beschwörung geht in Erfüllung: An seiner Stelle welkt und altert sein gemaltes Porträt – ein Bildnis, das ihm schließlich zum Verhängnis wird.
In PRETTY PRIVILEGE erzählt Weermann von einer Welt, in der Schönheit, Gesundheit und Sichtbarkeit zur entscheidenden Währung geworden sind. Im Zentrum steht hier die Schauspielerin Sibyl Vane, die ihr digitales Abbild erstellen lässt, um den steigenden Anforderungen einer Industrie zu entsprechen, die Perfektion, ständige Verfügbarkeit und Reproduzierbarkeit verlangt. Während ihr Avatar Sibyl-2 Karriere macht, Preise gewinnt und zur Projektionsfläche kollektiver Sehnsüchte wird, beginnt ihr reales Leben zu zerfallen.
Parallel dazu etabliert Dorian Gray ein System radikaler Selbstoptimierung und Datengläubigkeit: Mit Hilfe von Tracking, Algorithmen und künstlicher Intelligenz verspricht er ein Leben jenseits von Krankheit, Alter und Erfahrung. Henry Wotton, ein medial allgegenwärtiger Intellektueller, hat sein öffentliches Denken längst an eine KI ausgelagert, während er selbst körperlich und psychisch verschwindet. Zurück bleibt eine Gesellschaft, in der das Abbild um die Welt reist – und der Mensch selbst zum Abfallprodukt wird.
Das Stück verhandelt Fragen von Identität, Körper, Begehren und Verantwortung in einer Gegenwart, in der das Bild mächtiger ist als das Leben und Optimierung als Fürsorge verkauft wird. Was bleibt vom Menschen, wenn Erleben delegiert, Denken ausgelagert und Schönheit technisiert wird?