Seymour

Autor*in(nen)
Theater, Regie: Claudia Bauer, UA: 08.01.2012, Staatstheater Hannover
Inhalt

F├╝nf dicke Kinder in einem Heim in den Bergen. Der abwesende Dr. B├Ąrfuss hat akribische Regeln aufgestellt f├╝r die ┬╗Kur┬ź, mit deren Hilfe die Kleinen abspecken und vielleicht wieder zu richtigen Menschen werden sollen. Alle Hoffnungen richten sich auf die Ankunft des Doktors, der den erzielten Kurerfolg bescheinigen wird und so endlich die Heimkehr erm├Âglichen soll.

Bis dahin ist Durchhaltewillen gefragt. Mit r├╝hrender Eisernheit wiederholen die Kleinen mantraartig die Lehrs├Ątze des Dr. B├Ąrfuss, ermahnen einander, ├╝berwachen sich regelrecht, aller auch ihnen d├Ąmmernden Unsinnigkeit des Unterfangens zum Trotz. Als Leitbild dient der auf einem Diwan liegende Sebastian. Der ist wunderbar d├╝nn - allerdings auch tot.

Die Abgeschiedenheit und Lieblosigkeit dieses Exils setzen allen schwer zu. Max bringt sich um. Auch Leo, dem Neuank├Âmmling, f├Ąllt es schwer, sich in die Absurdit├Ąt einzufinden, und ihm macht zus├Ątzlich zu schaffen, da├č daheim der d├╝nne Cousin Seymour seinen Platz eingenommen hat. Denn er zweifelt insgeheim daran, da├č Seymour tats├Ąchlich wieder geht, wenn er selbst gel├Ąutert und verd├╝nnt wieder heimkehrt.

Zuletzt kommt der schurkische B├Ąrfuss nicht, sondern fl├╝chtet in der Ferne auf Skiern vor der Polizei. Eltern und Vormunde rufen auf dem beinahe vergessenen Telefon an, nur um zu sagen, da├č es leider f├╝r alle Kinder d├╝nnen Ersatz daheim gibt. So bleibt am Ende nichts als adip├Âse Einsamkeit nahe der Baumgrenze.

Anne Lepper hat mit SEYMOUR eine schr├Ąge Parabel geschrieben. Diese fetten Kinder, mit denen wir vordergr├╝ndig nichts gemein haben, wachsen sich aus zu prototypischen Leidensgestalten modernen Seins. Maltr├Ątiert von obskuren Handlungsanweisungen und Heilsversprechen, schleppen sie sich hin auf einem Weg, von dem sie selber ahnen, da├č er nie im Leben zum Ziel f├╝hren kann. Dabei machen sie sich durchaus das Leben auch gegenseitig zur H├Âlle. Gleichzeitig f├╝hrt uns das Schicksal dieser ┬╗Aussortierten┬ź vor Augen, welches Gl├╝ck im Einfachsten liegt, jenen Dingen, von denen diese Kinder in ihrem alpinen Gef├Ąngnis abgeschnitten sind.

 

Ein Werkauftrag des tt St├╝ckemarktes 11

Eingeladen zu den Autorentheatertagen 2012, Deutsches Theater, Berlin

Adaption zum gleichnamigen H├Ârspiel, Westdeutscher Rundfunk 2012

Auszug

┬╗Ich w├╝rde Dich ja so wahnsinnig gern lieben wollen┬ź, k├Ânnte eines der Kinder sagen, ┬╗ehrlich ehrlich, aber du bist mir zu dick, so wie du jetzt bist oder mir deinen K├Ârper pr├Ąsentierst bist du mir zu dick, da r├╝hrt sich in meinem Herzen nichts und auch nichts Sexuelles und das sollte es doch, oder. Was soll das f├╝r eine Liebe sein ohne Sexualit├Ąt.┬ź