Tell – Eine wahre Geschichte

Autor*in(nen)
Theater, UA: Februar 21, Theater Luzern
Inhalt

Christian Winkler hat nach seiner grandiosen 30-teiligen Live-Theater-Serie »Taylor AG« eine Überschreibung des Klassikers Wilhelm Tell von Schiller vorgelegt: Im Sommer 2020 reist der Regisseur Franz von Strolchen in einem alten weißen Postbus um den Vierwaldstättersee, um jene Orte zu besuchen, die in der Sage von Wilhelm Tell Erwähnung finden. Gemeinsam mit seinem Team spricht er mit den Bewohnern vor Ort über die «wahren» Helden und Heldinnen von heute. Die gesammelten Berichte und Interviews sind Grundlage einer «Tell»-Adaption, die den Schweizer Gründungsmythos als eine moderne Vater-Sohn Beziehung erzählt. Der berühmte Apfelschuss wird zum Sinnbild für eine archaische Herausforderung, die der Held der Geschichte alleine gar nicht bewältigen kann. Damit wird dieser Tell zu einer Figur mit Fehlern, Widersprüchen und Zweifeln – und eignet sich gerade deshalb so gut als Identifikationsfigur unserer Zeit. Auf seiner Recherchereise findet von Strolchen aber auch moderne Held*innen, die aktuelle Probleme mit Selbstaufgabe und Hingabe angehen und somit zu starken Figuren werden - und gleichzeitig zum Personal des Schiller-Klassikers umfuktioniert werden. Die Adaption zeichnet sich durch dokumentarische Genauigkeit und eine poetische Sprache und Denkweise aus, die dem Original einen neuen Glanz verleihen.