Zertretung – 1. Kreuz brechen. Also alle Arschlöcher abschlachten

Autor*in(nen)
Theater, Frühjahr 2021
Inhalt

In der Inszenierung dieses ersten Teils ihres mehrteiligen Werks ZERTRETUNG trifft Roger Corman im Grand Guignol auf die Two thaousand Maniacs von Hershell Gordon Lewis. Fortunas Rad des Lebens, das Schicksalsrad, dreht sich, es fährt dahin und walzt und vernichtet einfach alle. Erbarmen gibt es nicht. Darum wird aber auch gar nicht erst gebeten. Vielleicht wollen sie ja auch sterben? Wer sagt denn, dass es nicht so ist? Lydia Haider, die mit Beginn der Spielzeit 20/21 am Volkstheater als Hausautorin sichtbar sein wird, schreibt ihr erstes Theaterstück. Es wird unerhörtes Theater: Dornen, Kreuze, Schweiß, Blut, Speichel, Exkremente in einem goldenen Raum der endlos veränderlichen, wandelbaren Dinge und Körper. Was, wenn wir nicht mehr wissen, wer jetzt die Guten und die Bösen sind, oder die Schützenswerten, oder die, die zu vernichten sind? In diesem Stück ist es so. Was passiert hier? Ist es Willkür? Darf man* das?
Lydia Haider ist eine radikale und sprachgewaltige Stimme der österreichischen Literatur. Sie nimmt eine literarische Extremposition ein, die selten geworden ist. In ihren Erzählungen, die keine sind, bleibt oft nur Sprache. Die Leser*innen pendeln von de Sade zu Genet, von Mallarmé zu Artaud, doch am ehesten grüßt der große Pierre Guyotat: Es ist ein unendlicher, emotionaler, obszönerStrom der Wörter, in dem wir wie gefangen sind.