Chinchilla Arschloch waswas

Autor*in(nen)
Theater, H├Ârspiel, Text und Regie: Helgard Haug, UA: 11.04.2019, Schauspiel Frankfurt
Inhalt

┬╗Keine Absicht - nur Tourette┬ź, schickt Christian Hempel eilig voraus, wenn er sich unter Leuten bewegt. Seine Schimpftiraden und seine motorischen Ausbr├╝che sind nicht steuerbar. Sie sind Reaktionen auf die Welt, in der er sich bewegt. Das Tourette-Syndrom sucht die ├ľffentlichkeit, es will Konfrontation und Aufsehen erregen.

Mit Tourette Theater zu machen, scheint auf den ersten Blick unm├Âglich: Kein Text ist sicher, keine Bewegung wiederholbar. Die B├╝hnentechnik muss in Sicherheit gebracht, spezielle Hotelzimmer gebucht werden. Was nicht Tourette-kompatibel ist, wird ge├Ąndert. Und diese ├änderungen bilden ein Material, formen irgendwann einen Text, einen Anfang und einen Schluss.

In Frankfurt wird Hempel das erste Mal eine Theaterb├╝hne betreten, zusammen mit dem Musiker und Altenpfleger Benjamin J├╝rgens und dem Politiker Bijan Kaffenberger. Auch sie haben Tourette. Gemeinsam mit der Musikerin Barbara Morgenstern werden sie das Theater auf die Probe stellen: Wieviel Absichtslosigkeit h├Ąlt das Theater aus? Wieviel Schutz kann es bieten, ist die B├╝hne doch f├╝r das Gegenteil geschaffen: Pr├Ązision, Wiederholbarkeit, Kontrolle, Weltgeschichte, Spektakel? Und nach dem Applaus wird vielleicht klar: Dieses St├╝ck handelt nicht von Tourette.

Es handelt vom Publikum, vom Theater, der Angst vor dem Kontrollverlust und der Welt, durch die wir uns bewegen.

Auszug

┬╗Ich schreie, belle, zucke, schreie vor allem unm├Âgliche Worte und Wortkombinationen, die doch h├Ąufig eben darauf angelegt sind, dass sie nicht gut passen in den Kontext oder m├Âglichst sprengen - so w├╝rde ich die┬áTicks┬ábeschreiben, die ich habe. - Das passt sich immer der Umgebung an - aber immer unpassend an.┬ź