Stille Nachbarn

Autor*in(nen)
Theater, Regie: Aureliusz Smigiel, UA: 25.01.2019, Residenztheater MĂŒnchen
Inhalt

Wie weit muß man gehen, um fremd zu sein, fremd zu werden, sich fremd zu fĂŒhlen?

Manchmal reicht schon der Weg ins gemeinsame Schlafzimmer, oder quer ĂŒber den Flur. Ein ander Mal ist selbst ein Meer nicht breit genug, um die innigste Verbundenheit zu kappen.

Von dem, was uns auseinandertreibt, aber ebenso von der Sehnsucht, die uns wieder zueinander hinfĂŒhrt, spricht Azar Mortazavis neues StĂŒck STILLE NACHBARN. Von Einzelschicksalen, die sich partout nicht in Statistiken einfangen lassen wollen. Von der großen Welt, die in die kleinste eindringt, und umgekehrt von dem Persönlichsten, aus dem Gesellschaft, Politik und Zeitgeschichte erst erwachsen.

Azar Mortazavi erzĂ€hlt uns einen Mikrokosmos von vier Menschen, die wie einsame Planeten zu ihrem je eigenen Weg verdammt scheinen, wĂ€hrend sie unvermeidlich die Bahnen der anderen beeinflussen, diese kreuzen und dabei manchmal kollidieren. Die eine hat Streß mit ihrer Mutter, die andere hat Streß mit ihrem Freund. Der wiederum hat Streß mit all den Leuten, die Streß haben, weil er so aussieht, wie er aussieht. Und das ist erst der Anfang. Das ist noch gar nichts!

Leyla begegnet den Ungeborenen und lÀchelt.
Charlotte kratzt Eisblumen von den Fensterscheiben.
Isabell vergrÀbt geheime Botschaften.
Ibrahim spricht in die Nacht.

Azar Mortazavis ebenso poetischer wie prĂ€ziser Text zeichnet das SittengemĂ€lde einer Gesellschaft, die sich im Wandel befindet, die um ein neues SelbstverstĂ€ndnis ringt, wĂ€hrend sie zwischen sehr neuen und sehr alten Herausforderungen aufgerieben zu werden droht. Eindrucksvoll fĂŒhrt die Autorin vor Augen, wie schwer es ist, unser GegenĂŒber tatsĂ€chlich wahrzunehmen, und wie wir gerade dann verstummen, wenn wir am lautesten schreien.