KontaktImpressum
theater und medien

Anne Lepper »La Chemise Lacoste«

Unter sieben Brüdern ist Felix der Auserwählte. Der liebe Staat kümmert sich – wenigstens um ihn: Felix darf Balljunge werden. Tennis, Der weiße Sport: wer mitspielt, hat's geschafft. Auf dem Center Court sucht er seinen Platz neben den altvorderen Balljungen Philipp und Tobi. Ein Mädchenchor steht am Spielfeldrand. Wann geht das Tennis los? Und wer bestimmt eigentlich die Regeln des Dazugehörens? Das ungleiche Trio gerät in Gerangel um dünngesäte Privilegien, denn: Wer unten ist, soll unten bleiben - und Felix bleibt eine Irritation, eine Ahnung vom schlechteren Leben.

Mit einer großen Party im Vereinshaus lässt sich der erfolgreiche Tennisspieler Sebastian feiern. Doch das Fest eskaliert: Sebastians Freundin Kay, die an den Normen für das Dazugehören zu scheitern droht, ruft mit ihren verzweifelten Versuchen, sich in Szene zu setzen, Irritationen hervor. Es kommt zu Ausschreitungen eines wütenden Mobs der Gäste gegen sie…

Leppers Bezugssysteme - deutsche Geschichte, Popkultur, 80er-Jahre-Songtexte, Filmzitate, Literatur und Politikerstatements – kreuzen sich wie die Linien einer Platzmarkierung. Bitterböse nimmt LA CHEMISE LACOSTE die Rituale und Denkmuster einer sogenannten liberalen Gesellschaft aufs Korn. Für die Regie der Uraufführung am Düsseldorfer Schauspielhaus (6.2.15) zeichnet Alia Luque verantwortlich.

Mit ihrem Debütstück SONST ALLES IST DRINNEN gewann Anne Lepper beim Münchner Förderpreis für deutschsprachige Dramatik den Publikumspreis. 2011 wurde sie zum tt Stückemarkt des Berliner Theatertreffens eingeladen und erhielt einen Werkauftrag, aus dem SEYMOUR hervorging. Mit ihrem Stück KÄTHE HERMANN wurde sie zu den Mülheimer Theatertagen 2012 eingeladen. Weitere Einladungen, u.a. zu den Autorentheatertagen am DT Berlin folgten. Theater Heute wählte sie zur Nachwuchsdramatikerin des Jahres 2012. Der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft verlieh ihr den mit 10.000 EURO dotierten Dramatikerpreis 2013. Anne Lepper schreibt im Auftrag für das Nationaltheater Mannheim und das Theater Dortmund. 

Sofi Oksanen: »Finnlands dunkle Königin«

Sofi Oksanen schreibt Theaterstücke und Romane, in denen die Schrecken und Träume von Menschen aufleben, die Diktaturen sowjetischer oder nazistischer Machthaber unterworfen waren. Seit ihrem Welterfolg FEGEFEUER - das Stück wurde in über 20 Ländern produziert und der gleichnamige Roman millionenfach verkauft - gehört Oksanen zu den interessantesten und wichtigsten weiblichen Stimmen der zeitgenössischen Literatur. In der Zeit schreibt Susanne Mayer: »Sie zeigt das Böse, das Menschen sich und anderen zufügen unter den Bedingungen auswegloser Unterdrückung.« Wie zuletzt bei FEGEFEUER, ist auch ihr neues Werk ALS DIE TAUBEN VERSCHWANDEN zeitgleich als Roman und Theaterstück entstanden. Die Uraufführung erfolgte im vergangenen Herbst am finnischen Nationaltheater in Helsinki. Das Stück folgt dem Schicksal dreier Esten während des Zweiten Weltkriegs und danach: Roland, einem prinzipientreuen estnischen Freiheitskämpfer, seinem machthungrigen, skrupellosen Cousin Edgar und dessen Frau Juudit, die sich in einen deutschen Offizier verliebt. Ein meisterhaft komponiertes Werk über Machtstreben, Liebe und Verrat. Estland zur Zeit der deutschen Besatzung: Während sich Roland versteckt hält, weil er immer noch an die estnische Befreiung glaubt, versucht Edgar ins Zentrum der Machthaber vorzustoßen. Seine Frau Juudit verliebt sich in einen hohen deutschen Offizier, nicht ahnend, dass ihr Mann über genau diesen Offizier die Karriereleiter emporklettern möchte. Nach dem Krieg werden die Karten neu gemischt, Estland steht unter der Besatzung der Sowjets, und wieder ist es Edgar, der hofft, seiner Vergangenheit zum Trotz auch bei den Kommunisten eine herausragende Rolle zu spielen. Intrigen und Legenden, Verrat und Heimtücke, Liebe und Familie.

Sascha Hargesheimer bei den Autorentheatertagen

Die Jury der diesjährigen Autorentheatertage am DT Berlin hat aus 207 eingesandten Stücken drei ausgesucht, die in diesem Frühjahr durch das Burgtheater Wien, das Schauspielhaus Zürich und das Deutsche Theater Berlin uraufgeführt werden. Mit dabei ist Sascha Hargesheimer mit seinem neuen Stück IN SALZ. Mit seinem Erstling POLEN IST MEIN ITALIEN debütierte Hargesheimer im vergangenen Jahr bei schafersphilippen ™. Das Stück, das im Juni 2014 an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt wurde und mit dem Hargesheimer den Münchner Förderpreis für neue Dramatik 2013 gewann, erzählt die fiktionale Geschichte des Independent-Regisseurs Bela Roberti, der 1980 in der Nähe von Danzig eines Science-Fiction-Film dreht. Inmitten der postapokalyptisch anmutenden Ostsee-Ödnis gehen Roberti erst das Film-Material und dann die Ideen aus (oder ist es umgekehrt?). Der vom Schicksal gebeutelte Filmemacher flüchtet ob des bevorstehenden Scheiterns seines Films in eine fiebernde Gedankenwelt zwischen Erinnerung und Traum. Er begegnet zwei polnischen Brüdern in ihrem verlassenen Hotel am Meer, einer Kranführerin, die kurz vor ihrer Pension gefeuert wurde und seiner Ex-Frau, die ihn längst verlassen hat. Während die Oppositionsbewegung um ganz reale Verbesserungen ihrer Lebensbedingungen kämpft, verzweifelt Roberti an seinem Beruf, an seinem Leben, an seiner Existenz und seinem Intellekt. Sascha Hargesheimer wurde 1982 in Frankfurt am Main geboren. 2004 gründete er das freie Theater Landungsbrücken Frankfurt, wo auch erste eigene Regiearbeiten entstanden. Es folgten Assistenzen am TAT und Schauspiel Frankfurt, von 2006 bis 2008 war er fester Assistent am Maxim Gorki Theater Berlin sowie Student des Studiengangs Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin und freier Regisseur und Autor. Im April 2015 wird sein erstes Libretto "OHIO" an der Deutschen Oper Berlin zur Uraufführung kommen.

 

»Illegale Helfer«: neues Stück von Maxi Obexer

Maxi Obexer hat sich einen Namen mit politischen Stücken, Hörspielen und Essays gemacht. So ist DAS GEISTERSCHIFF, ihr bislang am häufigsten gespieltes Stück, eine Auseinandersetzung mit den modernen Flüchtlingskatastrophen an Europas Küsten. ILLEGALE HELFER liegt nun ein neuer Theatertext vor, der gewissermaßen als Fortsetzung des Themas aus innereuropäischer Perspektive zu begreifen ist. Die vielzitierte Festung Europa fordert Opfer. Nicht nur von den Menschen, die in Nußschalen Meere überqueren, wie flüchtige Räuber über Land ziehen oder im Versteckten in ständiger Angst vor Entdeckung leben müssen. Sondern auch von jenen innerhalb der Festung, die diese Zustände nicht akzeptieren wollen und sich mit ihrem Helfen selbst in die Illegalität vorwagen. Was für Menschen sind es, die so konsequent für ihre Überzeugungen eintreten? Sind sie moderne Samariter oder Wichtigtuer mit Helfersyndrom? Und was sagt ihr Agieren über uns, die wir zusehen und maximal mal eine Online-Petition unterzeichnen? Klar ist, sie kommen aus der Mitte der Gesellschaft, sie gehören allen Altersgruppen an und allen Schichten. Einige von ihnen waren als Aktivisten schon mehrfach straffällig; andere riskieren Beruf oder Beamtenstatus. Denn ihre Hilfe steht meist im Widerspruch zur Rechtslage oder befindet sich im Graubereich des Gesetzlichen, nämlich dort, wo menschliche Unterstützung zur Straftat wird. Maxi Obexer hat in ILLEGALE HELFER reale Stimmen kondensiert und zu einer dichten, literarischen Reflexionsfläche verwoben, ohne beim Dokumentarischen zu verharren. Ihr Text eröffnet eine neue Perspektive auf eine vielbeleuchtete Thematik und stellt dabei die bohrende Frage nach der eigenen Haltung. ILLEGALE HELFER wird im Frühjahr 2015 als Hörspiel vom WDR urgesendet.

Neuigkeiten
»Großer Wurf«: die FAZ bejubelt Jan-Christoph Gockel in Mainz

»Gänsehauttheater: Am Staatstheater Mainz inszeniert Jan-Christoph Gockel „Die Ratten“ von Gerhart Hauptmann. Bis in alle Nebenfiguren hinein gelingt dem mit stupender Wachheit agierenden Mainzer Ensemble diese traumwandlerische Gleichzeitigkeit widerstreitender Gefühle. Zum großen Wurf aber wird Gockels aufrüttelnder Hauptmann-Abend durch die Puppen von Michael Pietsch. Im Zusammenspiel der Puppen mit den Schauspielern entstehen szenische Momente, die zutiefst verstören. Wie Gockel und Pietsch mit ihren zu Urangst-Tableaus gefrierenden Bildern unbewusste Seelengeschichten im Zuschauer angreifen, die unheimliche Dauerpräsenz der Gestorbenen versinnbildlichen und in verdrängte Gründe leuchten, jagt einem immer wieder eine Gänsehaut über den Körper. Vibrierende Stille im Mainzer Staatstheater, ehe das Premierenpublikum sich die Anspannung aus dem Körper jubelt. Es sind solche Erlebnisse, für die man ins Theater geht, so selten sie sich auch ereignen.«

2 von 10: Thom Luz und Christopher Rüping beim Theatertreffen 2015

Thom Luz und Christopher Rüping sind zum diesjährigen Theatertreffen eingeladen worden. Die Produktionen "Atlas der abgelegenen Inseln" (Staatstheater Hannover) und "Das Fest" (Staatstheater Stuttgart) werden während des Festivals im kommenden Mai in Berlin gezeigt. Beide Regisseure waren im vergangenen Sommer in der Kritikerumfrage des Fachmagazins »Theater Heute« zu den Nachwuchsregisseuren des Jahres gewählt worden. Wir gratulieren sehr herzlich und freuen uns über die erfolgreiche Zusammenarbeit!

Juliane Kann: Einladung zu Radikal Jung in München

Mit ihrer Inszenierung ›Prinz Friedrich von Homburg‹ (Staatstheater Darmstadt) ist Juliane Kann zum Festival Radikal Jung ans Volkstheater München eingeladen worden. »Der Großteil des Ensemble und die Konzeption Juliane Kanns leuchten. Die Virtuosität von Juliane Kanns Regiekonzept könne aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß Koch das Problem dieser Inszenierung sei» schreibt die Allgemeine Zeitung der Rhein-Main-Presse. Die Frankfurter Rundschau hingegen empfindet Samuel Kochs Besetzung als kongenial: »Die Regisseurin folgt einem Konzept, das nicht nur Samuel Koch, der den Prinzen gibt, entgegenkommt, sondern sich auch als zum Stück passend erweist. Die ungewöhnlichen Positionswechsel geben den Worten oft besonderes Gewicht. Sie wirken hier stärker strukturgebend als die Szenenabfolge. Das Gefühl von Passivität und Ausgeliefertsein wird so nahezu unerträglich.« nachtkritik ergänzt: »Was zunächst nur einengt, wird zur paradoxen Quelle der Freiheit. Wenn Theater aus seiner Ambivalenz von körperlicher Präsenz und ab-/anwesendem Text lebt, bietet das Verfahren "Inklusion" durchaus reizvolle neue Schlüssel an.«

Milo Rau: Werkschau in Paris

Vom 3.-15. März 2015 präsentieren das Théâtre Nanterre-Amandiers und das Centre Culturel Suisse Paris die erste umfassende Retrospektive zur Arbeit von Milo Rau in Frankreich. Die Pariser Retrospektive versammelt sechs der wichtigsten Theater- und Filmproduktionen eines der "europaweit gefragtesten" (La Libre Belgique) Regisseure unserer Zeit: eine Gesamtschau über die wechselnden Ansätze und ästhetischen Formate von Milo Raus Produktionsgesellschaft IIPM. Die Werkschau wird begleitet von Diskussionen, Künstlergesprächen und einem Seminar über die ästhetischen und politischen Hintergründe von Produktionen wie „Breiviks Erklärung“ (2012), „Die Moskauer Prozesse“ (2013) oder „The Civil Wars“ (2014).

Die nächsten Premieren

Am 27. Februar muß man sich zwischen Dortmund und Mainz entscheiden. Kay Voges inszeniert am eigenen Haus mit THE RETURN OF GOLDENES ZEITALTER den zweiten Teil seiner theatralen Herausforderung, die er gemeinsam mit seinem Dramaturgen und Co-Autoren Alexander Kerlin konzipiert hat. Am Staatstheater Mainz folgt mit DIE RATTEN die zweite Mainzer Inszenierung von Jan-Christoph Gockel in dieser Spielzeit. Milo Rau begibt sich mit verschiedenen Werken auf Tournee: neben HATE RADIO wird auch THE CIVIL WARS im März mit jeweils 6 Vorstellungen prominent am Théatre Nanterre-Amandiers in Paris gezeigt. Mit CIVIL WARS geht es u.a. weiter nach Bern, zu den Wiener Festwochen und an die Berliner Schaubühne. Am 11. April erfolgt zudem die Uraufführung seines neuen Stücks THE DARK AGES am Residenztheater München. Am 20. März inszeniert Christian Weise "Wie werde ich reich & glücklich" am Nationaltheater Weimar - zuletzt hat Weise eine umjubelte "Johanna der Schlachthöfe" am Theater Augsburg rausgebracht. Am 27. März findet am Schauspiel Frankfurt Ulrich Rasches Inszenierung von DANTONS TOD statt. Roscha Saidow dramatisiert und inszeniert in Dortmund MOBY DICK (28. März), am gleichen Abend folgt am Deutschen Theater in Berlin die nächste Premiere von Christopher Rüping ("Romeo & Julia").

4 x Milo im neuen Jahr

Vier neue Großprojekte lanciert Milo Raus Produktionsgesellschaft IIPM im Jahr 2015: Mit "The Dark Ages" (UA Residenztheater München, 11. April 2015) und "Die Geschichte des Maschinengewehrs" (UA Schaubühne am Lehniner Platz Berlin, 11. November 2015) kommen nach dem von Presse und Publikum gefeierten "The Civil Wars" Teil 2 und Teil 3 von Milo Raus Europa-Trilogie in die Theater. Der Film "Das Kongo Tribunal", eine deutsch-schweizerische Koproduktion über den seit 20 Jahren andauernden Konflikt im Ostkongo, geht mit zwei öffentlichen Tribunalen in Bukavu/Ostkongo (Mai 2015) und Berlin (Juni 2015) in die Drehphase. Kinostart ist das Frühjahr 2016. Ebenfalls für die Spielzeit 2015/2016 entsteht in Kooperation mit CAMPO Gent und den Berliner Sophiensaelen unter dem Arbeitstitel "Pedophilia" erstmals eine Regiearbeit von Milo Rau mit Kindern und Jugendlichen. Zu "The Dark Ages" hat das IIPM gemeinsam mit der slowenischen Band Laibach einen Music-Clip produziert.

Obexers Hörspiel ILLEGALE HELFER gefördert

Das Hörspiel ILLEGALE HELFER, welches Maxi Obexer für den WDR geschrieben hat, wurde von der Film und Medien Stiftung NRW gefördert. Herzlichen Glückwunsch!

Deutscher Hörspielpreis für Rimini Protokoll (Haug und Wetzel)

Der Deutsche Hörspielpreis der ARD geht an Daniel Wetzel und Helgard Haug für ihr Hörspiel »Qualitätskontrolle oder warum ich die Räusper-Taste nicht drücke«. Der Preis wurde von einer Expertenjury um den Literaturkritiker Jochen Hieber vergeben und ist mit 5.000 Euro dotiert. Die Jury begründet ihre Entscheidung wie folgt: »Das neue Stück ist ein Triumph der Sprache. Maria-Cristina kann sprechen, weil der Zwerchfellstimulator und die Lungenmaschine es ermöglichen und weil sie es will. Und weil es ein Triumph der Sprache ist, ist es auch einer des Radios. „Qualitätskontrolle“ erzählt vom Nie-allein-sein-Können, von Versehrtheit, Verzweiflung, Not, emphatisch auch vom ethischen Dilemma der modernen Medizin – und wird darüber zu einer großen Eloge auf das Wagnis der Existenz. Eine durch ihre Lakonie beeindruckende Dokumentation und artistisch wie technisch brillante Inszenierung finden zu einer Synthese, die uns ergreift und beglückt.« Wir gratulieren sehr herzlich aus Köln!