
2007 gründete Milo Rau das International Institute of Political Murder (IIPM), ein international tätiges Künstler- und Forschernetzwerk. Mit der Produktion DIE LETZTEN TAGE DER CEAUSESCUS gelang dem IIPM um Milo Rau, Jens Dietrich, Marcel Bächtiger und Nina Wolters der internationale Durchbruch. Die Produktionen des IIPM stehen für eine neue dokumentarisch und ästhetisch verdichtete Form politischer Kunst. DIE LETZTEN TAGE DER CEAUSESCUS wurde von Alexander Kluge als »ergreifendes Realtheater in der Tradition von Peter Weiss« bezeichnet.
Mit der aktuellen Produktion HATE RADIO, die Ende 2011 zu begeisterten Presse- und Publikumsreaktionen in Österreich, Deutschland und Ruanda führte, perfektioniert Milo Rau die Form des Reenactments und schafft ein theatrales Mahnmal von beeindruckender Intensität, in dem er an eine besonders perfide Episode des Genozids in Ruanda erinnert.
»Vergleichen kann man dieses Stück mit gar nichts. Auch wenn man seit dem Vietnamkrieg um den Zusammenhang von Rock, Drogen, Mord und Massaker weiß, und Peter Weiss’ Ermittlung kennt, bietet das keinen Halt, aus dem man kulturell abgekühlt sich diesem Abend nähern könnte«, schreibt Cord Riechelmann in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und Peter Laudenbach urteilt in der Süddeutschen Zeitung: »Es ist ein gespenstischer Abend. Was geschieht, wenn Angehörige der Tutsi-Minderheit, Überlebende als Darsteller zu Moderatoren des Hassradios werden, ist ein atemberaubender Perspektivwechsel, wie es so nur im Theater möglich ist. So ist Theater kein blosses Transportmittel dokumentarischen Materials, sondern wird als Medium selbst Ort der Aufklärung«. Am besten aber brachte es eine ruandische Zuschauerin in 3Sat “Kulturzeit” auf den Punkt: »Erinnern ist wichtig. Und man kann es nur auf diese Weise tun.«
2012 wird HATE RADIO auf Tour gehen und somit u.a. in Zürich (25.1.12), Luzern (2.2.12), Brüssel, Bern, Basel und Groningen gezeigt. Zudem erscheint im Verbrecher Verlag die Buchfassung von HATE RADIO, eine Filmfassung ist ebenfalls in Arbeit. Derweil wendet sich das IIPM unter dem Titel DER DUNKLE KONTINENT bereits einem neuen Projekt zu, mit dem man im Sommer 2012 in Moskau und im Herbst im Nationaltheater Weimar gastieren wird.
Nach über 20 Konzerten im Jahr 2011 wird PeterLicht seine erfolgreiche Tournee zum neuen Album DAS ENDE DER BESCHWERDE im kommenden Frühjahr fortsetzen. Derweil entwickeln sich Lichts Texte auf den deutschsprachigen Bühnen zu vielgespielten Erfolgsstücken. Seine GESCHICHTE MEINER EINSCHÄTZUNG AM ANFANG DES DRITTEN JAHRTAUSENDS ist in neuen Produktionen am Staatstheater Hannover und am Schloßtheater Celle zu sehen. Das Schauspielhaus Wien hat gleich zwei Produktionen von Licht im Programm: Neben der Übernahme der GESCHICHTE MEINER EINSCHÄTZUNG… aus der vergangenen Spielzeit (die Produktion in der Regie von Katharina Schwarz wurde u.a. zu den Autorentheatertagen nach Berlin eingeladen) inszeniert Bastian Kraft Lichts Molière-Remix DER GEIZIGE als Österreichische Erstaufführung (23. Februar 2012). Eine weitere Inszenierung des ›Geizigen‹ folgt am 10. März in der Regie von Pedro Martins Beja am Theater Osnabrück. Dem Theater bleibt PeterLicht mit zwei neuen Arbeiten für das Schauspiel Köln und das Düsseldorfer Schauspielhaus treu, die in der Spielzeit 2011/12 uraufgeführt werden sollen.
Das neue Jahr begann für Anne Lepper mit den Uraufführungen ihrer Stücke KÄTHE HERMANN und SEYMOUR in Bielefeld und Hannover. Im Vorfeld der Premieren schrieb Tobias Becker bereits im KulturSPIEGEL: »Mit etwas Uraufführungsglück, so viel steht fest, wird Lepper nach diesem Januar nicht mehr so leicht austauschbar sein - sondern als sonderbar eigene Stimme etabliert in der Riege der Jungautoren.« Tatsächlich ist sich die Presse einig, daß es sich bei den Texten von Anne Lepper um eine besondere Entdeckung handelt. So schreibt Till Briegleb für die Süddeutsche Zeitung in einer Doppelkritik über beide Stücke: »Die Figuren sind zu grotesk um wahr zu sein, aber genau durch diese Übertreibung beschreiben Leppers Blagen Realitäten der Verwahrlosung. Psychologisches Verständnis paart sich hier mit einer Freude an literarischen Übertreibungen ins Surreale.« André Mumot ergänzt auf nachtkritik zu SEYMOUR: »Anne Lepper hat sich eine grandios-finstere Fabel ausgedacht: ein Stück über unsere tiefsitzende Panik davor, nicht zu genügen – verstoßen, verlassen, ausgetauscht zu werden. Die Angst der dicken Kinder dieser Bühne ist existentiell, genau wie ihr Wunsch, trotz allem dazuzugehören, normal und austauschbar zu sein. Das alles wirkt so stark, weil es in uns ist. Der Nerv ist getroffen, der Epochen-Befund alles andere als erfreulich. Die Hannoversche Allgemeine schließt, ebenfalls zu SEYMOUR: »Der Text ist oft ein großer, vieldeutiger Wortstrom – und stellt damit wieder einen Bezug her: Autoren wie Heiner Müller haben sich einer solchen strahlend undeutlichen Sprache bedient. „Das ist alles sehr 20. Jahrhundert“, stöhnt einmal eines der großen Kinder. SEYMOUR ist auch der grelle Abgesang einer Epoche, die wir Gegenwart zu nennen noch gewohnt sind.« Nach den beiden Theaterpremieren geht es für Anne Lepper im März mit der Ursendung des vom Westdeutschen Rundfunk produzierten Hörspiels HUND WOHIN GEHEN WIR weiter, das basierend auf dem gleichnamigen Theaterstück entstand.
Für ihr Theaterstück JIGGY PORSCHE TAUCHT AB erhielt Olivia Wenzel in der »Langen Nacht der neuen Dramatik« am 1. Oktober den Münchner Förderpreis für deutschsprachige Dramatik 2011. Ihr Text überzeugte die fünfköpfige Jury, die Wenzel ein Preisgeld in Höhe von 7.000 Euro zusprach. Über den Text, den Johan Simons für die Bühne einrichtete, schreibt nachtkritik: »Tatsächlich läßt das Stück von Olivia Wenzel aufhorchen: Hier kann eine schreiben und hat Stoff und Schwung für mindestens eine Hand voll Stücke.« Wenzel, die in Berlin als Autorin und Songwriterin lebt, hat zudem im Auftrag der Neuköllner Oper das Libretto zum Musiktheaterstück BEI DRÜCKEN SENDEN verfasst, das am 10. November uraufgeführt wurde. Mit ihrem Text PASSAGEN wurde die Autorin zum 1. Karlsruher Dramatikerfestival eingeladen, das am Badischen Staatstheater in einer szenischen Lesung vorgestellt wurde.