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theater und medien

Bicker, Graessner und Jelden 

Stadtprojekte in Hamburg und Stuttgart

Vor dem Sommer verhandelten Björn Bicker, Michael Graessner und Malte Jelden unter dem Titel NORD - EIN STADTTEIL DREHT SICH mit Stuttgarter Jugendlichen die Frage, wem die Stadt gehört. Wem gehört das Geld, die Bildung, die Kultur und wie funktionieren Teilhabe und Solidarität?

Die Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 stehen exemplarisch sowohl für eine Krise der Repräsentation, als auch für eine Forderung nach neuer demokratischer Beteiligung. Stuttgart ist somit auch zum Symbolort geworden. Bicker, Graessner und Jelden wollen in die Zukunft schauen, nach der gesellschaftlichen Beteiligung der heranwachsenden Generationen fragen. Im Zentrum des Projekts stehen daher Stuttgarter Jugendliche, die gemeinsam mit Experten aus Theater, Musik, Film und Bildender Kunst ihre künstlerischen und politischen Utopien formulieren und verwirklichen.

In dieser Spielzeit wird das Projekt fortgesetzt. S – City of Youth entsteht auch in der zweiten Spielzeit dadurch, daß durch Teilhabe neue Räume, Gedankenwelten und Kunstformen in der Stadt entstehen.

Ab dem 3. Oktober findet auf der Veedel und am Hamburger Schauspielhaus das NEW HAMBURG-Festival statt. Björn Bicker, Michael Graessner und Malte Jelden haben inmitten der Stadt eine Stadt der Ankommenden gegründet - NEW HAMBURG: eine Stadt, in der die Anforderungen und Chancen der Einwanderungsgesellschaft untersucht, neu verhandelt und verändert werden können. Auf der Veddel steht die Immanuelkirche. Der Pastor und die Gemeinde haben einen Traum: Der Kirchenraum soll ein Ort der Begegnung und der Kultur für alle werden, unabhängig von Herkunft, Sprahce oder Religion.

Auf www.new-hamburg.de finden Sie weitere Informationen zu den Projekten und Veranstaltungen von NEW HAMBURG.

Bicker und Rimini Protokoll für Deutschen Hörspielpreis nominiert

Mit der Produktion QUALITÄTSKONTROLLE haben Helgard Haug und Daniel Wetzel von Rimini Protokoll bei den Mülheimer Theatertagen 2014 den Publikumspreis gewonnen. Über das neue Stück, in dessen Zentrum die Protagonistin Marie-Cristina Hallwachs von ihrem Leben mit einer Querschnittslähmung berichtet, schrieb die Stuttgarter Zeitung: »Sie betreiben damit spielerisch Aufklärung – und zwar auf eine Art, in der sich das Können von Rimini-Protokoll in seiner ganzen Subtilität offenbart.« Helgard Haug und Daniel Wetzel produzierten im Auftrag des WDR das Hörspiel »Qualitätskontrolle oder warum ich die Räusper-Taste nicht drücke«, das im vergangenen März bereits zum Hörspiel des Monats gewählt wurde. Nun ist das Hörspiel für den Deutschen Hörspielpreis 2014 nominiert. Ebenfalls unter den insgesamt zehn nominierten Arbeiten ist auch Björn Bickers BR-Produktion URBAN PRAYERS. Auch dieses Hörspiel entstand auf Basis des gleichnamigen Theaterstücks, das Johan Simons im Juni 2013 an den Münchner Kammerspielen uraufführte. Woran glauben die Menschen in München? Welche Gebete sprechen sie? Welche Sprache versteht ihr Gott? Welche Lieder stimmen sie an? Welche Kirchen, Gebetsräume, Tempel besuchen sie? Glauben die Menschen, daß ihr Glaube Privatsache ist? Aus diesen und anderen Fragen entstand durch intensive Recherche ein Theaterabend und ein Hörspiel. Björn Bickers vielstimmiger Text sucht nach dem Wesen des Religiösen im sozialen und politischen Kontext der Stadt.

Milo Rau: Gotteskrieger und CIVIL WARS

Mit «The Civil Wars» präsentiert Milo Rau seine bisher persönlichste Arbeit. Sie geht von der Frage aus, was einen jungen Mann dazu treibt, lieber in Syrien für die Errichtung eines Gottesstaates zu kämpfen und zu sterben, als in Westeuropa zu leben. Antworten auf diese Frage hat Rau nicht nur bei Recherchen im belgischen Salafisten und Rechtsradikalenmilieu erhalten, sondern ganz unmittelbar von den beteiligten Schauspielern. Auch in deren Lebensgeschichten wird deutlich, was Rau entdeckt hat: «Wir haben eine vaterlose, weil zutiefst vorbildlose Zeit.» Drei Männer und eine Frau unterschiedlichen Alters und Herkunft erzählen aus ihrem Leben, von ihrer Kindheit, ihren Familien und unversehens spiegeln sich in ihren Geschichten die grossen politischen Themen Europas. So gelingt Rau in «The Civil Wars» ein Tableau Europas am Beginn des 21. Jahrhunderts. Die Pressestimmen zu den Voraufführungen in Brüssel waren einhellig begeistert, ein Meisterwerk sei Milo Rau gelungen, hieß es in den französischen und belgischen Medien. „Man verlässt den Saal zutiefst berührt von den Berichten der vier Schauspieler, den Kopf voller Überlegungen zu dieser vorbild- und vaterlosen Zeit.“ (Guy Duplat, La Libre Belgique). „Von all den gewaltigen Themen, die uns in den letzten Jahren umgetrieben haben, von den Breiviks und Gotteskriegern und Rechtspopulisten, die wir auf die Bühne und vor die Kamera gebeten haben, sind die "kleinen", die innersten Geschichten geblieben“, so Rau. Mit "The Civil Wars" schließt er den mit "You will not like what comes after America" überschriebenen Zyklus zur europäischen Befindlichkeit ab, den sie 2012 mit "Breiviks Erklärung" begonnen und 2013/14 mit der szenischen Talkshowreihe "Die Berliner Gespräche" fortgesetzt haben.

Es geht wieder los: die Premieren im September

In dieser Spielzeit geht es für viele der von uns vertretenen Regisseurinnen und Regisseure, Autorinnen und Autoren früh los. Bereits am 5.9. zeigt das Theater Bielefeld "Der Besuch der alten Dame" im Großen Haus, die Regie führt Mareike Mikat. In Dortmund beginnt Hausherr Kay Voges am 12.9.2014 ungewohnt klassisch mit "Hamlet". Für Lily Sykes hat die Spielzeit bereits im August in Weimar begonnen - die Koproduktion "Your Lover Forever" zieht weiter nach Frankfurt und ist dort ab dem 21.9.2014 im Programm zu sehen. Das Thalia Theater Hamburg beauftragte Olivia Wenzel mit einer Arbeit über das Veddel Wilhelmsburg. U.a. inspiriert von dem Dokumentarfilm "Die Wilde 13" entstand das Stück "Vom Sitzen auf angestammten Plätzen" (Premiere am 21.9.2014). Thom Luz, der in der vergangenen Spielzeit mit Produktionen wie "When I die" und "Archiv des Unvollständigen" auf sich aufmerksam machte, hat mit Judith Schalanskys "Atlas der abgelegenen Inseln" eine wirklich ungewöhnliche Vorlage für einen Theaterabend entdeckt. Luz hat den Atlas für die Bühne bearbeitet und inszeniert die Uraufführung ebenfalls am 21.9.2014 am Staatstheater Hannover. Der Musiker Jacob Suske hat gemeinsam mit der Regisseurin Maria Ursprung den Liederabend "Paradies. Spiel mir das Lied vom Anfang" entwickelt, die Premiere erfolgt am 25.9.2014 am Staatstheater Darmstadt. Einen Tag später und ebenfalls im Darmstadt folgt Christian Weise mit seiner Inszenierung von Shakespeares "Kaufmann von Venedig". Wir wünschen toi toi toi und freuen uns auf eine hervorragende und gemeinsame neue Saison!

Neuigkeiten
Programm von NEW HAMBURG online

Björn Bicker, Malte Jelden und Michael Graessner haben für das Deutsche Schauspielhaus Hamburg das Stadtraumprojekt NEW HAMBURG entwickelt. Ab sofort ist das Programm online verfügbar. Ab dem 3.10. beginnt der eigentliche Festivalzeitraum des Projektes.

Kritiker-Umfrage 2014: Thom Luz und Christopher Rüping Nachwuchsregisseure des Jahres

Bei der jährlichen Kritikerumfrage des Fach-Magazins »Theater heute« ist Thom Luz mit seinen Inszenierungen »Archiv des Unvollständigen« und »When I die« zum Nachwuchsregisseur des Jahres 2014 gewählt worden. Auf ihn entfielen 4 Stimmen plus 2 aus der Hauptkategorie. Christopher Rüping ist mit 3 Stimmen Zweitplatzierter. Wir gratulieren!

Live-Album PeterLicht

Am 3. Oktober erscheint das neue PeterLicht-Album »Lob der Realität«. Es enthält eine Vielzahl von Live-Aufnahmen seiner Songs und Texte. Vorbestellungen sind schon jetzt möglich bei iTunes, Amazon oder bei staatsakt. Beinahe zeitgleich veröffentlicht der Blumenbar-Verlag das Buch »Lob der Realität«, welches ein großartiges Panoptikum von Licht-Texten versammelt.

Your lover forever: Lily Sykes beginnt in Weimar und Frankfurt

Ausgangspunkt des Projekts »Your Lover Forever« sind die zahlreichen Briefe Goethes an Charlotte von Stein. Von ihm liegen fast 1.800 Briefe im Goethe- und Schillerarchiv, doch ihre Antworten sind bis auf wenige Ausnahmen nicht erhalten. Das Kunstfest Weimar hat vierzehn Autorinnen gebeten, an Stelle Charlotte von Steins Goethe zu antworten. Herausgekommen ist ein Kaleidoskop der Gefühle – Liebesbriefe und zarte Annäherungen, Abrechnungen und Anschuldigungen oder Befreiungsschläge. Ein Ensemble aus Weimarer und Frankfurter Frauen bringt diese unter der Leitung der Regisseurin Lily Sykes auf die Bühne. Nach der Weimarer Premiere am 29. August zieht die Produktion weiter ans Schauspiel Frankfurt (Premiere am 21.9.14). Lily Sykes inszeniert in der neuen Spielzeit zudem am Schauspielhaus Zürich und am Theater Oberhausen.

Neue Stücke im Herbst 2014

Nach dem großen Erfolg des Stückes ICH WÜNSCH MIR EINS (u.a. Einladung zu den Mülheimer Theatertagen und den Autorentheatertagen am Deutschen Theater Berlin) setzen Annette Pullen und Azar Mortazavi ihre Zusammenarbeit in Osnabrück fort. Das neueste Stück von Azar, SAMMY UND DIE NACHT, wird am 24. Januar 2015 uraufgeführt. Zuvor folgt die Uraufführung von ZWISCHENZEIT, einem Auftrag der Wiener Wortstaetten, der im Zusammenhang mit dem exil-Dramaikerinnenpreis 2012 ausgelobt worden war. Die Premiere findet am 17.11. im Theater Nestroyhof Hamakom in Wien statt. VOM SITZEN AUF ANGESTAMMTEN PLÄTZEN heißt das neue Werk von Olivia Wenzel, das diese im Auftrag für das Thalia Theater Hamburg geschrieben hat. Ausgehend von dem Dokumentarfilm "Die wilde 13" befasst sich Wenzel mit dem Hamburger Veddel Wilhelmsburg. Darüberhinaus stellt sie aber vor allem die Frage nach urbanen Sehnsüchten und der tatsächlichen Möglichkeit eines anderen Zussammenlebens in Zeiten durchsanierter deutscher Großstädte. Bereits am Theater Magdeburg haben Kai Ivo Baulitz und Enrico Stolzenburg zusammengearbeitet; an neuer Wirkungsstätte, dem Nationaltheater Weimar, folgte im vergangenen Frühjahr das gemeinsame Musiktheaterprojekt SCHWARZE BÄREN. Am 3. Oktober feiern beide nun gemeinsam Premiere mit der Überarbeitung und Neu-Adaption von HOFMEISTER nach Lenz. andcompany&Co. wiederum setzen ihre politisch-performative Arbeit am Berliner HAU fort. Am 10. Oktober zeigen sie dort erstmals ihre neue Produktion ORPHEUS IN DER OBERWELT: EINE SCHLEPPEROPER. Jan-Christoph Gockel kehrt mit dem Snowden-Stück ICH BEREUE NICHTS ans Staatstheater Karlsruhe zurück, die Premiere ist für den 11. Oktober geplant.

Hörspielpreis für HATE RADIO

Das vom WDR produzierte Hörspiel zu HATE RADIO von Milo Rau hat den renommierten Hörspielpreis der Kriegsblinden gewonnen. Die hochkarätige Jury würdigte unter anderem, daß das Hörspiel auf beeindruckende Weise zeige, »wie Radio entgleisen« könne. Herzlichen Glückwunsch!

Schweizer Theaterpreis für Rau

Der Schweizer Theaterpreis 2014, der in diesem Jahr insgesamt achtmal verliehen wurde, geht auch an Milo Rau. Das Jury-Mitglied Mathieu Menghini begründet die Entscheidung wie folgt: «Mit der Auszeichnung von Milo Rau ehrt die Schweiz einen Künstler mit internationaler Resonanz, der mit seinen gesellschaftspolitischen Fragestellungen an das Wesen des tragischen Theaters anknüpft und zugleich mit höchstem Anspruch neue Formen dafür entwickelt. Der junge Berner nutzt die Macht der Darstellung, nicht ohne diese gleichzeitig kritisch zu hinterfragen, um die intimen und kollektiven Kausalitäten unseres Denkens und Handelns zu ergründen.» Wir gratulieren herzlich!