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theater und medien

Sofi Oksanen

»Finnlands dunkle Königin«

Sofi Oksanen schreibt Theaterstücke und Romane, in denen die Schrecken und Träume von Menschen aufleben, die Diktaturen sowjetischer oder nazistischer Machthaber unterworfen waren.

Seit ihrem Welterfolg FEGEFEUER - das Stück wurde in über 20 Ländern produziert und der gleichnamige Roman millionenfach verkauft - gehört Oksanen zu den interessantesten und wichtigsten weiblichen Stimmen der zeitgenössischen Literatur. In der Zeit schreibt Susanne Mayer: »Sie zeigt das Böse, das Menschen sich und anderen zufügen unter den Bedingungen auswegloser Unterdrückung.«

Wie zuletzt bei FEGEFEUER, ist auch ihr neues Werk ALS DIE TAUBEN VERSCHWANDEN zeitgleich als Roman und Theaterstück entstanden. Die Uraufführung erfolgte im vergangenen Herbst am finnischen Nationaltheater in Helsinki. 

Das Stück folgt dem Schicksal dreier Esten während des Zweiten Weltkriegs und danach: Roland, einem prinzipientreuen estnischen Freiheitskämpfer, seinem machthungrigen, skrupellosen Cousin Edgar und dessen Frau Juudit, die sich in einen deutschen Offizier verliebt. Ein meisterhaft komponiertes Werk über Machtstreben, Liebe und Verrat.

Estland zur Zeit der deutschen Besatzung: Während sich Roland versteckt hält, weil er immer noch an die estnische Befreiung glaubt, versucht Edgar ins Zentrum der Machthaber vorzustoßen. Seine Frau Juudit verliebt sich in einen hohen deutschen Offizier, nicht ahnend, dass ihr Mann über genau diesen Offizier die Karriereleiter emporklettern möchte. Nach dem Krieg werden die Karten neu gemischt, Estland steht unter der Besatzung der Sowjets, und wieder ist es Edgar, der hofft, seiner Vergangenheit zum Trotz auch bei den Kommunisten eine herausragende Rolle zu spielen. Intrigen und Legenden, Verrat und Heimtücke, Liebe und Familie.

ALS DIE TAUBEN VERSCHWANDEN liegt nun in deutscher Übersetzung vor. Das Stück steht noch frei zur Deutschsprachigen Erstaufführung.

Theater als Teilhabe in Hamburg und Stuttgart

Vor dem Sommer verhandelten Björn Bicker, Michael Graessner und Malte Jelden im Auftrag des Staatstheaters Stuttgart und unter dem Titel NORD - EIN STADTTEIL DREHT SICH mit Stuttgarter Jugendlichen die Frage, wem die Stadt gehört. Wem gehört das Geld, die Bildung, die Kultur und wie funktionieren Teilhabe und Solidarität? Die Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 stehen exemplarisch sowohl für eine Krise der Repräsentation, als auch für eine Forderung nach neuer demokratischer Beteiligung. Stuttgart ist somit auch zum Symbolort geworden. Im Zentrum des Projekts stehen daher Stuttgarter Jugendliche, die gemeinsam mit Experten aus Theater, Musik, Film und Bildender Kunst ihre künstlerischen und politischen Utopien formulieren und verwirklichen. In dieser Spielzeit wird das Projekt fortgesetzt. S – City of Youth entsteht auch in der zweiten Spielzeit dadurch, daß durch Teilhabe neue Räume, Gedankenwelten und Kunstformen in der Stadt entstehen. Seit dem 3. Oktober findet auf der Veedel und am Hamburger Schauspielhaus das NEW HAMBURG-Festival statt, in dessen Rahmen auch Björn Bickers neues Stück DIE INSEL uraufgeführt wird. Bicker, Graessner und Jelden haben inmitten der Stadt eine Stadt der Ankommenden gegründet - NEW HAMBURG: eine Stadt, in der die Anforderungen und Chancen der Einwanderungsgesellschaft untersucht, neu verhandelt und verändert werden können. Auf der Veddel steht die Immanuelkirche. Der Pastor und die Gemeinde haben einen Traum: Der Kirchenraum soll ein Ort der Begegnung und der Kultur für alle werden, unabhängig von Herkunft, Sprache oder Religion. Auf www.new-hamburg.de finden Sie weitere Informationen zu den Projekten und Veranstaltungen von NEW HAMBURG.

Milo Rau: Gotteskrieger und CIVIL WARS

Mit «The Civil Wars» präsentiert Milo Rau seine bisher persönlichste Arbeit. Sie geht von der Frage aus, was einen jungen Mann dazu treibt, lieber in Syrien für die Errichtung eines Gottesstaates zu kämpfen und zu sterben, als in Westeuropa zu leben. Antworten auf diese Frage hat Rau nicht nur bei Recherchen im belgischen Salafisten und Rechtsradikalenmilieu erhalten, sondern ganz unmittelbar von den beteiligten Schauspielern. Auch in deren Lebensgeschichten wird deutlich, was Rau entdeckt hat: «Wir haben eine vaterlose, weil zutiefst vorbildlose Zeit.» Drei Männer und eine Frau unterschiedlichen Alters und Herkunft erzählen aus ihrem Leben, von ihrer Kindheit, ihren Familien und unversehens spiegeln sich in ihren Geschichten die grossen politischen Themen Europas. So gelingt Rau in «The Civil Wars» ein Tableau Europas am Beginn des 21. Jahrhunderts. Die Pressestimmen zu den Voraufführungen in Brüssel waren einhellig begeistert, ein Meisterwerk sei Milo Rau gelungen, hieß es in den französischen und belgischen Medien. „Man verlässt den Saal zutiefst berührt von den Berichten der vier Schauspieler, den Kopf voller Überlegungen zu dieser vorbild- und vaterlosen Zeit.“ (Guy Duplat, La Libre Belgique). „Von all den gewaltigen Themen, die uns in den letzten Jahren umgetrieben haben, von den Breiviks und Gotteskriegern und Rechtspopulisten, die wir auf die Bühne und vor die Kamera gebeten haben, sind die "kleinen", die innersten Geschichten geblieben“, so Rau. Mit "The Civil Wars" schließt er den mit "You will not like what comes after America" überschriebenen Zyklus zur europäischen Befindlichkeit ab, den sie 2012 mit "Breiviks Erklärung" begonnen und 2013/14 mit der szenischen Talkshowreihe "Die Berliner Gespräche" fortgesetzt haben.

schaefersphilippen: Neue Stücke im Herbst

Nach dem großen Erfolg des Stückes ICH WÜNSCH MIR EINS (u.a. Einladung zu den Mülheimer Theatertagen und den Autorentheatertagen am Deutschen Theater Berlin) setzen Annette Pullen und Azar Mortazavi ihre Zusammenarbeit in Osnabrück fort. Das neueste Stück von Azar, SAMMY UND DIE NACHT, wird am 24. Januar 2015 uraufgeführt. Zuvor folgt die Uraufführung von ZWISCHENZEIT, einem Auftrag der Wiener Wortstaetten, der im Zusammenhang mit dem exil-Dramaikerinnenpreis 2012 ausgelobt worden war. Die Premiere findet am 17.11. im Theater Nestroyhof Hamakom in Wien statt. VOM SITZEN AUF ANGESTAMMTEN PLÄTZEN heißt das neue Werk von Olivia Wenzel, das sie im Auftrag für das Thalia Theater Hamburg geschrieben hat. Wenzel stellt in diesem Text die Frage nach urbanen Sehnsüchten und der tatsächlichen Möglichkeit eines anderen Zussammenlebens in Zeiten durchsanierter deutscher Großstädte. Bereits am Theater Magdeburg haben Kai Ivo Baulitz und Enrico Stolzenburg zusammengearbeitet; an neuer Wirkungsstätte, dem Nationaltheater Weimar, folgte im vergangenen Frühjahr das gemeinsame Musiktheaterprojekt SCHWARZE BÄREN. Die neue Weimarer Spielzeit wiederum eröffneten beide gemeinsam mit der Premiere der Neu-Adaption von HOFMEISTER nach Lenz. andcompany&Co. wiederum setzen ihre politisch-performative Arbeit am Berliner HAU fort. Am 10. Oktober zeigten sie dort erstmals ihre neue Produktion ORPHEUS IN DER OBERWELT: EINE SCHLEPPEROPER. Jan-Christoph Gockel kehrt mit dem Snowden-Stück ICH BEREUE NICHTS ans Staatstheater Karlsruhe zurück, die Premiere erfolgte am 11. Oktober.

Neuigkeiten
Münchner Förderpreis für Christine Umpfenbach

Christine Umpfenbach wird mit dem zum ersten Mal von der Landeshauptstadt München verliehenen Förderpreis Theater für ihre künstlerische Arbeit ausgezeichnet. Der mit 6.000 EUR dotierte Preis würdigt eine künstlerisch herausragende Leistung oder eine ungewöhnliche künstlerische Position im Theaterbereich. In der Jury-Begründung heißt es u.a.: »Zur Auseinandersetzung mit der Münchner Stadtgeschichte und dem aktuellen urbanen Leben vor Ort haben Christine Umpfenbachs Arbeiten wesentliche Beiträge geleistet. Beispielhaft dafür ist ihre wohl bekannteste, mit den Münchner Kammerspielen entwickelte Produktion ›Gleis 11‹ (gemeinsam mit Paul Brodowsky). Auch für ihr Projekt URTEILE (zusammen mit Azar Mortazavi) zum gegenwärtig in München stattfindenden Prozess gegen die neonazistische Terrorzelle NSU hat sie eine inhaltlich wie ästhetisch überzeugende Perspektive gewählt, indem sie nicht die Täter oder den Prozess in den Mittelpunkt stellt, sondern das soziale Umfeld der Angehörigen der Münchner Opfer. Christine Umpfenbachs Blick ist von großer Empathie und klarem Realitätssinn gleichermaßen geprägt. Das hilft ihr dabei, in jedem Augenblick zwischen gut gemeint und gut zu differenzieren. Und sich zuverlässig für Letzteres zu entscheiden.«

Tod, ach der Langweiler!

»Leben, Wahrheit, Zukunft, Freiheit, Liebe: Alles beginnt zu schillern. PeterLicht renoviert in seinem Buch und Live-Album "Lob der Realität" die Kapitalismuskritik« von Alexander Gumz in "Der Zeit" zu Buch und Album von PeterLicht.

Kritiker-Umfrage: Luz und Rüping Nachwuchsregisseure 2014

Bei der jährlichen Kritikerumfrage des Fach-Magazins »Theater heute« ist Thom Luz mit seinen Inszenierungen »Archiv des Unvollständigen« und »When I die« zum Nachwuchsregisseur des Jahres 2014 gewählt worden. Auf ihn entfielen 4 Stimmen plus 2 aus der Hauptkategorie. Christopher Rüping ist mit 3 Stimmen Zweitplatzierter. Wir gratulieren!

Lob der Realität: Live-Album und Buch von PeterLicht

Am 3. Oktober erscheint das neue PeterLicht-Album »Lob der Realität«. Es enthält eine Vielzahl von Live-Aufnahmen seiner Songs und Texte. Vorbestellungen sind schon jetzt möglich bei iTunes, Amazon oder bei staatsakt. Beinahe zeitgleich veröffentlicht der Blumenbar-Verlag das Buch »Lob der Realität«, welches ein großartiges Panoptikum von Licht-Texten versammelt.

Bicker und Rimini Protokoll für Deutschen Hörspielpreis nominiert

Mit der Produktion QUALITÄTSKONTROLLE haben Helgard Haug und Daniel Wetzel von Rimini Protokoll bei den Mülheimer Theatertagen 2014 den Publikumspreis gewonnen. Das aus dem Theatertext hervorgegangene Hörspiel (WDR)  »Qualitätskontrolle oder warum ich die Räusper-Taste nicht drücke«, wurde im vergangenen März bereits zum Hörspiel des Monats gewählt. Nun ist es für den Deutschen Hörspielpreis 2014 nominiert. Ebenfalls unter den insgesamt zehn nominierten Arbeiten ist Björn Bickers BR-Produktion URBAN PRAYERS. Auch dieses Hörspiel entstand auf Basis des gleichnamigen Theaterstücks, das Johan Simons im Juni 2013 an den Münchner Kammerspielen uraufführte. Woran glauben die Menschen in München? Welche Kirchen, Gebetsräume, Tempel besuchen sie? Glauben die Menschen, daß ihr Glaube Privatsache ist? Aus diesen und anderen Fragen entstand durch intensive Recherche ein Theaterabend und ein Hörspiel. Björn Bickers vielstimmiger Text sucht nach dem Wesen des Religiösen im sozialen und politischen Kontext der Stadt.

SEE! bei Favoriten 2014

S.E. Struck und Alexandra Knieps bilden gemeinsam das Regie- und Choreographie-Team SEE!. In den vergangenen Jahren haben die beiden mit verschiedenen Arbeiten auf sich aufmerksam gemacht, darunter die Uraufführung von PeterLichts DAS SAUSEN DER WELT am Schauspiel Köln. Aufbauend auf eben dieser Produktion aus dem Jahr 2013 haben die beiden Choreografinnen mit dem Stück OK, PANIK eine szenische Diskursanordnung für das Festival FAVORITEN 2014 produziert. OK, PANIK erzeugt den virulenten Dauerton, der die Welt am Laufen hält und das Ich zum klingen bringt. Eine Raumskulptur aus Kofferradios und anderen Alltagsapparaten modelliert eine wandelnde Soundlandschaft aus Neuer Musik, Electro und Punk. Denn wenn der pfeifende Tinnitus zum inneren Rauschen implodiert, kristallisiert sich erst der wahre Sound des Ichs heraus. Inmitten dieser Raumkonzentration, aus kognitiven Anstößen, sinnlichen Wahrnehmungen und körperlichen Affekten kann jeder den Moment der Stille im Rausch der Geschehnisse suchen und finden – bevor erneut die Panik ausbricht. Premiere ist am 25. Oktober mit Ben Lauber, Christoph “Mäcki” Hamann, Martin Clausen und Frank Willens.