KontaktImpressum
theater und medien

... und so beginnt die neue Spielzeit!

Nachdem die letzte Spielzeit - u.a. mit Einladungen zum Theatertreffen für Thom Luz und Christopher Rüping - äußerst erfolgreich zu Ende gegangen ist, geht es aus unserer Sicht bereits am 23. August wieder los.

Den Anfang macht Kay Voges mit dem Millionenspiel DIE SHOW am eigenen Haus in Dortmund. Voges hatte in der vergangenen Spielzeit u.a. mit seiner Frankfurter Inszenierung ENDSTATION SEHNSUCHT für Furore gesorgt.

Ebenfalls für Furore sorgen wird die aktuelle Produktion von Rimini-Protokoll (Haug/Wetzel): am Am 3. September kommt es in Weimar zur Uraufführung des Abends ADOLF HITLER: MEIN KAMPF 1 & 2. Helgard Haug und Daniel Wetzel nehmen die Spur auf und versuchen zu ergründen, worauf der Mythos der Hetzschrift beruht und suchen nach Antworten in universitären Giftschränken, heimischen Dachböden und ausländischen Flohmärkten.

Am 5. September präsentiert Ersan Mondtag die Uraufführung der Chor-Installation EIN REQUIEM DEUTSCHER GERICHTSSPRACHE am Maxim Gorki Theater in Berlin. Desweiteren wird Mondtag 15/16 am Thalia Theater Hamburg, am Schauspiel Frankfurt und am Staatstheater Kassel inszenieren.

Schon in der letzten Saison zählte Christian Weises Darmstädter Inszenierung des KAUFMANNS VON VENEDIG zu den erfolgreichen Produktionen des Hauses. Auch in dieser Saison eröffnet Weise mit seinem Team die Darmstadt Spielzeit, diesmal mit DER STURM.

In Graz beginnt Iris Laufenberg eine neue Intendanz. Mit dabei im Eröffnungsreigen ist Jan-Christoph Gockel, der mit Premiere am 24. September MERLIN ODER DAS WÜSTE LAND inszeniert.

Nach seiner klugen und äußerst dionysischen Teufelsaustreibung SCHULDEN. EINE BEFREIUNG beginnt Michael von zur Mühlen die neue Spielzeit am Theater Augsburg mit einer Neu-Inszenierung der »lächerlichen Finsternis« von Wolfram Lotz.

Wir wünschen weiterhin einen erholsamen und schönen Sommer und freuen uns auf eine ereignisreiche neue Spielzeit!

Marc Schäfers und Tobias Philippen

Nikolas Hoppe: Uraufführung in Tübingen

Lange schien alles in bester Ordnung. Kathrin hat Jörg geheiratet, eine Tochter zur Welt gebracht und neben ihrem Elternhaus ein schönes Heim für die eigene Familie gebaut. Garten an Garten. Doch nach acht Jahren ist plötzlich alles ganz anders: Das Einfamilienhaus soll verkauft werden. Kathrin hat sich von ihrem Mann getrennt, der mit der alleinigen Sorge für seine Tochter heillos überfordert ist. Den Kontakt zu ihrer Mutter, die die Welt nicht mehr versteht, hat Kathrin abgebrochen. Die Koffer sind gepackt – sie will nach Korfu, um neu anzufangen. Ganz fein, ruhig und doch auch unerbittlich schildert Hoppe dieses Familiengeflecht, in dem - wie so oft - Liebe und gegenseitige Zerstörung so eng beieinander liegen. Diese beiden Häuser sind ein starkes Bild dafür. Nikolas Hoppe, 1986 in Bremen geboren, erhielt für sein Debüt „Nach Korfu“ 2010 den Haupt- und Publikumspreis des Autorenlabors am Düsseldorfer Schauspielhaus. Aktuell schreibt er seinen Debütroman. NACH KORFU ist ein sensibles, atmosphärisch dichtes Kammerspiel über die schwierige Balance zwischen der Verantwortung gegenüber der eigenen Familie und dem Recht auf ein selbstbestimmtes Leben. Es ist ein ruhiger und zugleich unerbittlicher Text über eine Familie, in der Liebe und gegenseitige Zerstörung eng beieinander liegen. „Nach Korfu“ handelt von der Überforderung von Menschen, die durch einen Trauerfall in der Familie den Bezug zueinander und zur Welt verloren haben. Hoppes Debüt wird am 26. September in der Regie von Marlene Anna Schäfer am LTT Tübingen uraufgeführt.

Munich Welcome Theatre an den Kammerspielen

Der Umgang mit geflohenen Menschen ist eine der zentralen Herausforderungen der aktuellen politischen Debatten. Der alte Kontinent Europa, der immer noch aus einer Haltung moralischer Überlegenheit zu handeln glaubt, kann es sich nicht mehr erlauben, sich vom Rest der Welt abzuschotten. In Deutschland klafft eine Lücke zwischen dem enormen zivilgesellschaftlichen Engagement für Geflohene auf der einen Seite und der visionslosen, auf Abschottung bedachten Einwanderungs- und Asylpolitik auf der anderen Seite. In einem mehrstufigen Prozess der Beratung, Entwicklung und Gestaltung versuchen die Künstler Björn Bicker und Malte Jelden gemeinsam mit den Münchner Kammerspielen die Institution auf inhaltlicher, personeller und struktureller Ebene mit dem Themenkomplex Flucht, Ankunft und Asyl zu verbinden. Zum Auftakt des Konversionsprojekts gibt es vom 16. bis zum 18. Oktober 2015 in allen Spielstätten der Kammerspielen ein Wochenende zum Thema „Flucht – Ankunft – Asyl“. Dem Engagement des Bündnisses »Bellevue di Monaco« und der wegweisenden Entscheidung des Münchner Stadtrats ist es zu verdanken, daß die ursprünglich zum Abriss vorgesehenen Immobilien in der Müllerstraße zu einem Wohn- und Kulturzentrum für Flüchtlinge umgestaltet werden können. Die neugegründete Sozialgenossenschaft »Bellevue di Monaco« möchte hier zukunftsweisende Formen des Zusammenlebens im Zentrum der bayrischen Landeshauptstadt etablieren. Die Kammerspiele gehen im Zuge ihres Konversionsprojekts eine Partnerschaft mit dem »Bellevue di Monaco« ein.

Back to Black am DT Auftrag : Lorey in Berlin

»Der Tod ist das Einfache. Sterben kann ein Idiot«, so Heiner Müller. Ausgehend von dieser Behauptung entwickeln Stefanie Lorey und Björn Auftrag unter dem Titel BACK TO BLACK zusammen mit drei Ensemblemitgliedern eine Inszenierung, die sich den Konstruktionen von Todes- und Sterbedarstellungen in Literatur, auf der Bühne und Leinwand widmet. Was uns in der Regel nur einmal widerfährt, ist des Schauspielers alltägliches Geschäft: Das Sterben auf offener Bühne. Verzagt oder mit großer Pose, für die gute Sache oder als Bösewicht, immer und immer wieder. Natürlich wissen wir, daß sie bloß überleben, weil sie nur so tun, als ob. Aber das recht virtuos. Stefanie Lorey und Björn Auftrag waren mit ihren höchsteigenen Stück- und Regieformaten in den vergangenen Spielzeiten regelmäßige Gäste am Schauspiel Frankfurt. Dort entstanden zuletzt die Produktionen HORROR VACUI und BOUNCING IN BAVARIA. Peter Michalzik beschrieb das Duo als »Spezialisten für den anderen Zustand. Ihre Abende steuern direkt und schnörkellos auf die Essenz des Dramatischen zu.« Seit 2001 realisieren Auftrag: Lorey - neben anderen Arbeiten in unterschiedlichen Gruppierungen - Projekte, die sich an der Grenze zwischen Performance und installativer Kunst bewegen. Ausgangspunkt bildet ein jeweils vor Ort vorgefundenes bzw. recherchiertes Material. »Auftrag : Lorey legen die Brüche in unserer Welt offen, die wir im Alltag aus pragmatischen Gründen übersehen und überhören müssen«, so Gerald Siegmund über die beiden Künstler. BACK TO BLACK ist die erste Arbeit von Auftrag : Lorey für das Deutsche Theater in Berlin.

Neuigkeiten
ORPHEUS. FACTORY: Jacob Suske in Luzern

Ab dem 29. September ist Jacob Suskes elektronische Kammeroper ORPHEUS. FACTORY am Theater Luzern zu bestaunen. Orpheus als erster Sänger der Menschheit, als erster Künstler und Bohemien. Suske, der just unter dem Namen ZACHOV ein Soloalbum veröffentlicht hat, arbeitete bereits mehrfach am Luzerner Theater. Ab Herbst 2015 geht er als Mitglied des neuen Leitungsteams von Tomas Schweigen an das Schauspielhaus Wien.

Sascha Hargesheimer: Nachspiel am Theater Osnabrück

Keine drei Monate liegen zwischen der Uraufführung am Deutschen Theater Berlin und dem ersten Nachspiel. Am Theater Osnabrück wird Sascha Hargesheimers vielbeachtetes Stück ARCHIV DER ERSCHÖPFUNG mit Premiere am 11. September (Regie: Daniel Foerster) nachgespielt. Die Jury der diesjährigen Autorentheatertage am DT Berlin hatte aus 207 eingesandten Stücken drei ausgesucht, die durch das Burgtheater Wien, das Schauspielhaus Zürich und das Deutsche Theater Berlin uraufgeführt wurden. Mit dabei: Sascha Hargesheimer mit seinem neuen Stück ARCHIV DER ERSCHÖPFUNG. Mit seinem Erstling POLEN IST MEIN ITALIEN debütierte Hargesheimer im vergangenen Jahr bei schafersphilippen ™. Das Stück, das im Juni 2014 an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt wurde und mit dem Hargesheimer den Münchner Förderpreis für neue Dramatik 2013 gewann, erzählt die fiktionale Geschichte des Independent-Regisseurs Bela Roberti, der 1980 in der Nähe von Danzig eines Science-Fiction-Film dreht. Inmitten der postapokalyptisch anmutenden Ostsee-Ödnis gehen Roberti erst das Film-Material und dann die Ideen aus (oder ist es umgekehrt?). Der vom Schicksal gebeutelte Filmemacher flüchtet ob des bevorstehenden Scheiterns seines Films in eine fiebernde Gedankenwelt zwischen Erinnerung und Traum. Er begegnet zwei polnischen Brüdern in ihrem verlassenen Hotel am Meer, einer Kranführerin, die kurz vor ihrer Pension gefeuert wurde und seiner Ex-Frau, die ihn längst verlassen hat. Während die Oppositionsbewegung um ganz reale Verbesserungen ihrer Lebensbedingungen kämpft, verzweifelt Roberti an seinem Beruf, an seinem Leben, an seiner Existenz und seinem Intellekt. 

»Gehen Sie da hin!« Hymnische Presse für THE DARK AGES

Am 11. April feierte Milo Rau mit dem 2. Teil der Europa-Trilogie – THE DARK AGES – im Residenztheater in München Premiere. Die Produktion, die im Anschluß auf Tour nach Belgien, Frankreich und in die Schweiz geht, erntete bereits anläßlich der Premiere begeisterte Zustimmung bei Publikum und Kritik: Es handle sich um einen »großen Abend« der »ins Überzeitliche« und »Allgemeinmenschliche« ragt, hieß es etwa auf SPIEGEL.DE. Der 1. Teil der Europa-Trilogie, THE CIVIL WARS, ausgezeichnet mit dem Jurypreis beim »Festival Politik im Freien Theater«, wird vom 13.-15. Juni bei den Wiener Festwochen zu sehen sein. Im Dezember 2015 wird an der Schaubühne Berlin der 3. Teil der Europa-Trilogie herauskommen: EMPIRE (AT).

Hermann-Sudermann-Preis für Stockmann

Nis-Momme Stockmann hat den mit 5.000 EUR dotierten Hermann-Sudermann-Preis für sein Werk PHOSPHOROS erhalten (UA: 2014, Residenztheater, München). Der Preis, der im Rahmen der Autorentheatertage am Deutschen Theater Berlin verliehen wurde, würdigt herausragende Leistungen im Bereich der deutschen Dramatik und wird alle zwei Jahre vergeben. Der Jury gehörten in diesem Jahr die beiden Dramaturgen des Deutschen Theaters Berlin, Christa Müller und John von Düffel, sowie die Vorstandsmitglieder der Hermann Sudermann Stiftung, Dr. Karen Bork und Helmut Otten, an. Die Jury begründet ihre Wahl wie folgt: »Nis-Momme Stockmann gelingt es in seinem Stück „Phosphoros“ in einer großen, gleichsam ein- und ausatmenden Geste bravourös, physikalische Einsichten in die Zeitstruktur in dramatische Handlung umzusetzen, welche spannend, berührend und teilweise grotesk die Einsteinsche Relativität von Zeit und Raum im Spiel erfahrbar macht.« Mit seinem Werk TOD UND WIEDERAUFERSTEHUNG DER WELT MEINER ELTERN IN MIR wurde Stockmann 2014 zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen. In der laufenden Spielzeit wurde das Werk an den Staatstheatern in Wiesbaden und Karlsruhe nachgespielt. Für das koreanische Nationaltheater in Seoul und den Regisseur Alexis Bug hat Stockmann in diesem Frühjahr das Stück POWER geschrieben. Derzeit schreibt der Autor an Aufträgen für das Deutsche Theater Berlin und das Staatstheater Hannover.