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theater und medien

Säidow, Rasche, Rüping

Nach erfolgreichen Premieren von Jan-Christoph Gockel (am Staatstheater Mainz) und Christian Weise (am Nationaltheater Weimar) hat es das letzte März-Wochenende nochmal mit drei weiteren Premieren in Dortmund, Frankfurt und Berlin in sich.

Am 27. März zeigt Ulrich Rasche im Großen Haus des Schauspiel Frankfurts DANTONS TOD von Georg Büchner. Nach seinem formstrengen »Wilhelm Meister« ist dies Rasches zweite Arbeit in Frankfurt. Die NZZ bezeichnet Ulrich Rasche als »legitimen Nachfolger jenes berühmten Chortheaters, das Einer Schleef bis zu seinem Tod betrieben hat.«

Roscha A. Säidow gründete 2011 das Cross-Over Puppenspielkollektiv »Die Retrofuturisten«, mit dem sie in der Zwischenzeit für ordentliche Furore sorgte. Am Theater Chemnitz ist derzeit die fulminante Inszenierung des eigenen Stücks MR. LOVE IS IN TOWN zu sehen. Mit ihrer hollywoodesken Steampunk-Ästhetik, die irgendwo zwischen Tim Burton und Sin City ihren ganz eigenen anarchischen Platz findet, ist ein Engagement bei Kay Voges am Theater Dortmund folgerichtig. Ebenfalls ab dem 27. März ist dort die Uraufführung von MOBY DICK vs A.H.A.B. (ALL HEROES ARE BASTARDS) zu sehen.

Am Samstag, den 28. März, zeigen Christopher Rüping und sein Team (bestehend aus dem Bühnenbildner Jonathan Mertz, der Kostümbildnerin Lene Schwind und dem Musiker Christoph Hart) in den Kammerspielen des Deutschen Theaters Berlin ihre Inszenierung von ROMEO UND JULIA. Mit seiner Arbeit »Das Fest« am Staatstheater Stuttgart ist Christopher Rüping zum Theatertreffen 2015 eingeladen. In dieser Saison kehrt er nochmals nach Stuttgart zurück, um dort mit Premiere am 20. Juni PEER GYNT zu inszenieren.

Berliner Kunstpreis für Thomas Melle

Am 18. März verliehen der regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, und der Akademie der Künste-Präsident Klaus Staeck den Kunstpreis Berlin 2015. In der Sparte Literatur geht der mit 5.000 Euro dotierte Preis in diesem Jahr an den aus Bonn stammenden Schriftsteller, Dramatiker und Übersetzer Thomas Melle. Melle erhält den Preis für seinen Roman »3000 EURO«, in dem er das Leben von Anton und Denise schildert, die an den Rand der Gesellschaft geraten sind. Mit 3000 EURO schaffte es  Thomas Melle im vergangenen Jahr auf die Short-List für den Deutschen Buchpreis. Nachdem das Theater Bremen bereits den Debütroman SICKSTER für die Bühne adaptierte, erfolgt dort in diesem Frühjahr die Uraufführung von 3000 EURO. Wenig später, am 10. Juni, zeigt das Volkstheater München den Roman in eigener Dramatisierung von Thomas Melle. Für die Regie zeichnet Brit Bartkowiak verantwortlich. Zuletzt entstanden im Auftrag des Theaters Bonn Neufassungen und Übersetzungen der »Rosenkriege« von William Shakespeare. Eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit der Regisseurin Alice Buddeberg ist für die Spielzeit 2015/16 verabredet.

Sascha Hargesheimer bei den Autorentheatertagen

Die Jury der diesjährigen Autorentheatertage am DT Berlin hat aus 207 eingesandten Stücken drei ausgesucht, die in diesem Frühjahr durch das Burgtheater Wien, das Schauspielhaus Zürich und das Deutsche Theater Berlin uraufgeführt werden. Mit dabei ist Sascha Hargesheimer mit seinem neuen Stück ARCHIV DER ERSCHÖPFUNG. Mit seinem Erstling POLEN IST MEIN ITALIEN debütierte Hargesheimer im vergangenen Jahr bei schafersphilippen ™. Das Stück, das im Juni 2014 an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt wurde und mit dem Hargesheimer den Münchner Förderpreis für neue Dramatik 2013 gewann, erzählt die fiktionale Geschichte des Independent-Regisseurs Bela Roberti, der 1980 in der Nähe von Danzig eines Science-Fiction-Film dreht. Inmitten der postapokalyptisch anmutenden Ostsee-Ödnis gehen Roberti erst das Film-Material und dann die Ideen aus (oder ist es umgekehrt?). Der vom Schicksal gebeutelte Filmemacher flüchtet ob des bevorstehenden Scheiterns seines Films in eine fiebernde Gedankenwelt zwischen Erinnerung und Traum. Er begegnet zwei polnischen Brüdern in ihrem verlassenen Hotel am Meer, einer Kranführerin, die kurz vor ihrer Pension gefeuert wurde und seiner Ex-Frau, die ihn längst verlassen hat. Während die Oppositionsbewegung um ganz reale Verbesserungen ihrer Lebensbedingungen kämpft, verzweifelt Roberti an seinem Beruf, an seinem Leben, an seiner Existenz und seinem Intellekt. 

More Milo: Rau am Residenztheater

Am Münchner Residenztheater feiert am 11. April der zweite Teil von Milo Raus Europa-Trilogie - THE DARK AGES - Premiere, gefolgt von einem Konzert der slowenischen Kult-Band Laibach mit speziell für das Stück komponierten Songs und Reden. Begleitet werden die Münchner Aufführungen von THE DARK AGES von einer Lesung des Schauspielers Manfred Zapatka aus dem "Leitfaden für britische Soldaten 1944", die zum 70jährigen Jahrestag des Kriegsendes live im Radio übertragen wird. Wie das Vorgängerstück THE CIVIL WARS ist auch THE DARK AGES eine intime "politische Psychoanalyse" (Libération) und geht nach der Premiere auf internationale Tour. Unter anderem wird es dabei am Kunstenfestival in Brüssel, am Zürcher Theater Spektakel und am Théâtre Nanterre-Amandiers Paris zu sehen sein. THE CIVIL WARS, der preisgekrönte erste Teil von Raus Europa-Trilogie, eröffnet am 17. April an der Berliner Schaubühne am Lehniner Platz das F.I.N.D.-Festival, begleitet von einer Debatte im "Streitraum" zu Extremismus und Fundamentalismus in Europa mit Milo Rau.

Neuigkeiten
»Großer Wurf«: die FAZ bejubelt Jan-Christoph Gockel in Mainz

»Gänsehauttheater: Am Staatstheater Mainz inszeniert Jan-Christoph Gockel „Die Ratten“ von Gerhart Hauptmann. Bis in alle Nebenfiguren hinein gelingt dem mit stupender Wachheit agierenden Mainzer Ensemble diese traumwandlerische Gleichzeitigkeit widerstreitender Gefühle. Zum großen Wurf aber wird Gockels aufrüttelnder Hauptmann-Abend durch die Puppen von Michael Pietsch. Im Zusammenspiel der Puppen mit den Schauspielern entstehen szenische Momente, die zutiefst verstören. Wie Gockel und Pietsch mit ihren zu Urangst-Tableaus gefrierenden Bildern unbewusste Seelengeschichten im Zuschauer angreifen, die unheimliche Dauerpräsenz der Gestorbenen versinnbildlichen und in verdrängte Gründe leuchten, jagt einem immer wieder eine Gänsehaut über den Körper. Vibrierende Stille im Mainzer Staatstheater, ehe das Premierenpublikum sich die Anspannung aus dem Körper jubelt. Es sind solche Erlebnisse, für die man ins Theater geht, so selten sie sich auch ereignen.«

2 von 10: Thom Luz und Christopher Rüping beim Theatertreffen 2015

Thom Luz und Christopher Rüping sind zum diesjährigen Theatertreffen eingeladen worden. Die Produktionen "Atlas der abgelegenen Inseln" (Staatstheater Hannover) und "Das Fest" (Staatstheater Stuttgart) werden während des Festivals im kommenden Mai in Berlin gezeigt. Beide Regisseure waren im vergangenen Sommer in der Kritikerumfrage des Fachmagazins »Theater Heute« zu den Nachwuchsregisseuren des Jahres gewählt worden. Wir gratulieren sehr herzlich und freuen uns über die erfolgreiche Zusammenarbeit!

Juliane Kann: Einladung zu Radikal Jung in München

Mit ihrer Inszenierung ›Prinz Friedrich von Homburg‹ (Staatstheater Darmstadt) ist Juliane Kann zum Festival Radikal Jung ans Volkstheater München eingeladen worden. »Der Großteil des Ensemble und die Konzeption Juliane Kanns leuchten. Die Virtuosität von Juliane Kanns Regiekonzept könne aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß Koch das Problem dieser Inszenierung sei» schreibt die Allgemeine Zeitung der Rhein-Main-Presse. Die Frankfurter Rundschau hingegen empfindet Samuel Kochs Besetzung als kongenial: »Die Regisseurin folgt einem Konzept, das nicht nur Samuel Koch, der den Prinzen gibt, entgegenkommt, sondern sich auch als zum Stück passend erweist. Die ungewöhnlichen Positionswechsel geben den Worten oft besonderes Gewicht. Sie wirken hier stärker strukturgebend als die Szenenabfolge. Das Gefühl von Passivität und Ausgeliefertsein wird so nahezu unerträglich.« nachtkritik ergänzt: »Was zunächst nur einengt, wird zur paradoxen Quelle der Freiheit. Wenn Theater aus seiner Ambivalenz von körperlicher Präsenz und ab-/anwesendem Text lebt, bietet das Verfahren "Inklusion" durchaus reizvolle neue Schlüssel an.«

Milo Rau: Werkschau in Paris

Vom 3.-15. März 2015 präsentieren das Théâtre Nanterre-Amandiers und das Centre Culturel Suisse Paris die erste umfassende Retrospektive zur Arbeit von Milo Rau in Frankreich. Die Pariser Retrospektive versammelt sechs der wichtigsten Theater- und Filmproduktionen eines der "europaweit gefragtesten" (La Libre Belgique) Regisseure unserer Zeit: eine Gesamtschau über die wechselnden Ansätze und ästhetischen Formate von Milo Raus Produktionsgesellschaft IIPM. Die Werkschau wird begleitet von Diskussionen, Künstlergesprächen und einem Seminar über die ästhetischen und politischen Hintergründe von Produktionen wie „Breiviks Erklärung“ (2012), „Die Moskauer Prozesse“ (2013) oder „The Civil Wars“ (2014).

4 x Milo im neuen Jahr

Vier neue Großprojekte lanciert Milo Raus Produktionsgesellschaft IIPM im Jahr 2015: Mit "The Dark Ages" (UA Residenztheater München, 11. April 2015) und "Die Geschichte des Maschinengewehrs" (UA Schaubühne am Lehniner Platz Berlin, 11. November 2015) kommen nach dem von Presse und Publikum gefeierten "The Civil Wars" Teil 2 und Teil 3 von Milo Raus Europa-Trilogie in die Theater. Der Film "Das Kongo Tribunal", eine deutsch-schweizerische Koproduktion über den seit 20 Jahren andauernden Konflikt im Ostkongo, geht mit zwei öffentlichen Tribunalen in Bukavu/Ostkongo (Mai 2015) und Berlin (Juni 2015) in die Drehphase. Kinostart ist das Frühjahr 2016. Ebenfalls für die Spielzeit 2015/2016 entsteht in Kooperation mit CAMPO Gent und den Berliner Sophiensaelen unter dem Arbeitstitel "Pedophilia" erstmals eine Regiearbeit von Milo Rau mit Kindern und Jugendlichen. Zu "The Dark Ages" hat das IIPM gemeinsam mit der slowenischen Band Laibach einen Music-Clip produziert.

Obexers Hörspiel ILLEGALE HELFER gefördert

Das Hörspiel ILLEGALE HELFER, welches Maxi Obexer für den WDR geschrieben hat, wurde von der Film und Medien Stiftung NRW gefördert. Herzlichen Glückwunsch!

Deutscher Hörspielpreis für Rimini Protokoll (Haug und Wetzel)

Der Deutsche Hörspielpreis der ARD geht an Daniel Wetzel und Helgard Haug für ihr Hörspiel »Qualitätskontrolle oder warum ich die Räusper-Taste nicht drücke«. Der Preis wurde von einer Expertenjury um den Literaturkritiker Jochen Hieber vergeben und ist mit 5.000 Euro dotiert. Die Jury begründet ihre Entscheidung wie folgt: »Das neue Stück ist ein Triumph der Sprache. Maria-Cristina kann sprechen, weil der Zwerchfellstimulator und die Lungenmaschine es ermöglichen und weil sie es will. Und weil es ein Triumph der Sprache ist, ist es auch einer des Radios. „Qualitätskontrolle“ erzählt vom Nie-allein-sein-Können, von Versehrtheit, Verzweiflung, Not, emphatisch auch vom ethischen Dilemma der modernen Medizin – und wird darüber zu einer großen Eloge auf das Wagnis der Existenz. Eine durch ihre Lakonie beeindruckende Dokumentation und artistisch wie technisch brillante Inszenierung finden zu einer Synthese, die uns ergreift und beglückt.« Wir gratulieren sehr herzlich aus Köln!