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theater und medien

Bicker, Graessner und Jelden 

Stadtprojekte in Hamburg und Stuttgart

Mit Premiere zum 27. Juni verhandeln Björn Bicker, Michael Graessner und Malte Jelden unter dem Titel NORD - EIN STADTTEIL DREHT SICH mit Stuttgarter Jugendlichen die Frage, wem die Stadt gehört. Auch den Jugendlichen? Und wem gehört das Geld, die Bildung, die Kultur? Wie funktionieren Teilhabe und Solidarität? Die Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 stehen exemplarisch sowohl für eine Krise der Repräsentation, als auch für eine Forderung nach neuer demokratischer Beteiligung. Stuttgart ist somit auch zum Symbolort geworden. Bicker, Graessner und Jelden wollen in die Zukunft schauen, nach der gesellschaftlichen Beteiligung der heranwachsenden Generationen fragen. Im Zentrum des Projekts stehen daher Stuttgarter Jugendliche, die gemeinsam mit Experten aus Theater, Musik, Film und Bildender Kunst ihre künstlerischen und politischen Utopien formulieren und verwirklichen. Es entstehen neue Möglichkeiten: neue Räume, Gruppen, Firmen, Theaterstücke, Bands, ein Bürgerbegehren, ein Verein. Bis Mitte Juli werden zwischen Waldorfschule, Nordbahnhof und Moschee partizipative Filme gedreht und der öffentliche Raum erobert. Vom 16.-18. Juli werden diese Arbeiten im Rahmen der Freiluft-Kinotage im "Haus 40" in der Mittnachtstraße 20 vorgeführt.

Ab dem 3. Oktober findet auf der Veedel und am Hamburger Schauspielhaus das NEW HAMBURG-Festival statt. Björn Bicker, Michael Graessner und Malte Jelden haben inmitten der Stadt eine Stadt der Ankommenden gegründet - NEW HAMBURG: eine Stadt, in der die Anforderungen und Chancen der Einwanderungsgesellschaft untersucht, neu verhandelt und verändert werden können. Auf der Veddel steht die Immanuelkirche. Der Pastor und die Gemeinde haben einen Traum: Der Kirchenraum soll ein Ort der Begegnung und der Kultur für alle werden, unabhängig von Herkunft, Sprahce oder Religion.

Auf www.new-hamburg.de finden Sie weitere Informationen zu den Projekten und Veranstaltungen von NEW HAMBURG.

Bicker und Rimini Protokoll für Deutschen Hörspielpreis nominiert

Mit der Produktion  QUALITÄTSKONTROLLE haben Helgard Haug und Daniel Wetzel von Rimini Protokoll bei den Mülheimer Theatertagen 2014 den Publikumspreis gewonnen. Über das neue Stück, in dessen Zentrum die Protagonistin Marie-Cristina Hallwachs von ihrem Leben mit einer Querschnittslähmung berichtet, schrieb die Stuttgarter Zeitung: »Sie betreiben damit spielerisch Aufklärung – und zwar auf eine Art, in der sich das Können von Rimini-Protokoll in seiner ganzen Subtilität offenbart.« Helgard Haug und Daniel Wetzel produzierten im Auftrag des WDR das Hörspiel »Qualitätskontrolle oder warum ich die Räusper-Taste nicht drücke«, das im vergangenen März bereits zum Hörspiel des Monats gewählt wurde. Nun ist das Hörspiel für den Deutschen Hörspielpreis 2014 nominiert. Ebenfalls unter den insgesamt zehn nominierten Arbeiten ist auch Björn Bickers BR-Produktion URBAN PRAYERS. Auch dieses Hörspiel entstand auf Basis des gleichnamigen Theaterstücks, das Johan Simons im Juni 2013 an den Münchner Kammerspielen uraufführte. Woran glauben die Menschen in München? Welche Gebete sprechen sie? Welche Sprache versteht ihr Gott? Welche Lieder stimmen sie an? Welche Kirchen, Gebetsräume, Tempel besuchen sie? Glauben die Menschen, daß ihr Glaube Privatsache ist? Aus diesen und anderen Fragen entstand durch intensive Recherche ein Theaterabend und ein Hörspiel. Björn Bickers vielstimmiger Text sucht nach dem Wesen des Religiösen im sozialen und politischen Kontext der Stadt.

Milo Rau: Gotteskrieger und CIVIL WARS

Mit «The Civil Wars» präsentiert Milo Rau seine bisher persönlichste Arbeit. Sie geht von der Frage aus, was einen jungen Mann dazu treibt, lieber in Syrien für die Errichtung eines Gottesstaates zu kämpfen und zu sterben, als in Westeuropa zu leben. Antworten auf diese Frage haben Rau und sein International Institute of Political Murder nicht nur bei ihren Recherchen im belgischen Salafisten und Rechtsradikalenmilieu erhalten, sondern ganz unmittelbar von den beteiligten Schauspielern. Auch in deren Lebensgeschichten wird deutlich, was Rau entdeckt hat: «Wir haben eine vaterlose, weil zutiefst vorbildlose Zeit.» Drei Männer und eine Frau unterschiedlichen Alters und Herkunft erzählen aus ihrem Leben, von ihrer Kindheit, ihren Familien und unversehens spiegeln sich in ihren Geschichten die grossen politischen Themen Europas. So gelingt Rau in «The Civil Wars» ein Tableau Europas am Beginn des 21. Jahrhunderts. Die Pressestimmen zu den Voraufführungen in Brüssel waren einhellig begeistert, ein Meisterwerk sei Milo Rau gelungen, hieß es in den französischen und belgischen Medien. „Man verlässt den Saal zutiefst berührt von den Berichten der vier Schauspieler, den Kopf voller Überlegungen zu dieser vorbild- und vaterlosen Zeit.“ (Guy Duplat, La Libre Belgique) „The Civil Wars“ ist zugleich Milo Raus bisher persönlichstes Stück. „Von all den gewaltigen Themen, die uns in den letzten Jahren umgetrieben haben, von den Breiviks und Gotteskriegern und Rechtspopulisten, die wir auf die Bühne und vor die Kamera gebeten haben, sind die "kleinen", die innersten Geschichten geblieben“, so Rau. Mit "The Civil Wars" schließen er und sein International Institute of Political Murder (IIPM) den mit "You will not like what comes after America" überschriebenen Zyklus zur europäischen Befindlichkeit ab, den sie 2012 mit "Breiviks Erklärung" begonnen und 2013/14 mit der szenischen Talkshowreihe "Die Berliner Gespräche" fortgesetzt haben.

Stockmann erhält Dramatikerpreis der deutschen Wirtschaft

Der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI e.V. vergibt in diesem Jahr seinen mit 10.000 Euro dotierten Dramatikerpreis an Nis-Momme Stockmann. Die elfköpfige Jury wählte den Preisträger aus 21 vorgeschlagenen AutorInnen aus. Mit dem diesjährigen Preis verbunden ist eine Aufführung am Badischen Staatstheater Karlsruhe. Peter Spuhler, Generalintendant des Badischen Staatstheaters Karlsruhe und diesjähriger Kooperationspartner, zur Juryentscheidung: ›Nis-Momme Stockmann transportiert in »Tod und Wiederauferstehung meiner Eltern in mir« ein weltanschauliches Anliegen und macht politisches Theater, das auch formal durch die Verwendung ganz unterschiedlicher Formen und Sprachen überzeugt. Das Stück ist eine Überforderung im positiven Sinne: überbordend, sprachgewaltig und ohne Zweifel herausfordernd‹. Neben Peter Spuhler gehörten der Jury an: Dr. Markus Kerber (Vorsitzender Gremium Darstellende Kunst des Kulturkreises), Andreas Beck (Schauspielhaus Wien), Hermann Beil (Deutsche Akademie der Darstellenden Künste), Nicola Bramkamp (Theater Bonn), Burkhard Kosminski (Nationaltheater Mannheim), Christina Zintl (Theatertreffen Stückemarkt), Dr. Frank Grischa Feitsch (Feitsch & Feitsch Rechtsanwaltsgesellschaft mbH), Antonia Ruder (BMW Group), Dr. Stephan Frucht (Kulturkreis) und Franziska Rieger (Kulturkreis). In den Vorjahren hatten u.a. die ebenfalls von schaefersphilippen ™ vertretenen Autorinnen Anne Lepper und Juliane Kann den Preis erhalten.

Neuigkeiten
Hörspielpreis für HATE RADIO

Das vom WDR produzierte Hörspiel zu HATE RADIO von Milo Rau hat den renommierten Hörspielpreis der Kriegsblinden gewonnen. Die hochkarätige Jury würdigte unter anderem, daß das Hörspiel auf beeindruckende Weise zeige, »wie Radio entgleisen« könne. Herzlichen Glückwunsch!

Schweizer Theaterpreis geht auch an Milo Rau

Der Schweizer Theaterpreis 2014, der in diesem Jahr insgesamt achtmal verliehen wurde, geht auch an Milo Rau. Das Jury-Mitglied Mathieu Menghini begründet die Entscheidung wie folgt: «Mit der Auszeichnung von Milo Rau ehrt die Schweiz einen Künstler mit internationaler Resonanz, der mit seinen gesellschaftspolitischen Fragestellungen an das Wesen des tragischen Theaters anknüpft und zugleich mit höchstem Anspruch neue Formen dafür entwickelt. Der junge Berner nutzt die Macht der Darstellung, nicht ohne diese gleichzeitig kritisch zu hinterfragen, um die intimen und kollektiven Kausalitäten unseres Denkens und Handelns zu ergründen.» Wir gratulieren herzlich!

Hofmann & Lindholm lassen das Opel-Werk verschwinden

Der Titel ist Programm: In bester Illusionisten-Manier präsentieren Hofmann & Lindholm ein Showformat, auf dessen Höhepunkt das Opelwerk Bochum verschwindet. Im Rahmen des "Detroit Projektes" wird die filmische Dokumentation des Ereignisses gezeigt, das die Vorstellungskraft einer ganzen Region auf die Probe stellt: Über 5.000.000 Kubikmeter umbauter Raum, mehr als 15.000 Tonnen Stahl, sowie mehrere tausend Maschinen und Anlagen lösen sich von jetzt auf gleich in Nichts auf. Der Film thematisiert nicht allein das Verschwinden eines Automobilwerks in Deutschland; er stiftet auch Raum für Projektionen und kann als Metapher unserer postindustriellen Gegenwart verstanden werden. EIN WERK VERSCHWINDET erzählt von einem Verlust, der nicht nur kollektiv erlebt und hingenommen,- sondern auch innerhalb eines bizarr anmutenden Festakts zugelassen und anerkannt wird. Filmpremiere am 16. Mai 2014 im Kino Endstation sowie vom 17. Mai bis 5. Juli im Schauspielhaus Bochum.

Bouncing in Bavaria: Hörspiel des Monats

BOUNCING IN BAVARIA des Autoren-und Regieduos Stefanie Lorey & Björn Auftrag, produziert vom Hessischen Rundfunk, ist zum Hörspiel des Monats April gewählt worden. Die Jury schreibt: "Kunst ist kein Kinderspiel, aber ein Kinderspiel kann, fällt es nur den Richtigen in die Hände, unversehens Kunst werden. Die Regeln sind einfach: Hoess und Manteuffel, Schauspieler, in die Jahre gekommene Kinder und immer noch begeistert Spielende. Das Hörspiel erweist dem Alphabet, Grundsubstanz aller Poesie, dem akustischen Auftritt jener sechsundzwanzig Charaktere, seine Reverenz. Und der Zuhörer begreift, was es heißt, sich zu erinnern: berichten, sondieren, aufschneiden, vermuten, registrieren, prahlen; finden und erfinden. Die ganze Wahrheit eben, nicht nur das Richtige. Eine ästhetisch genau kalkulierte Dramaturgie des Zufalls lässt den Hörer staunen." BOUNCING IN BAVARIA entstand ursprünglich als Schauspielproduktion am Schauspiel Frankfurt.

Milo Rau mit »Civil Wars« beim Kunstenfestival

Mit "The Civil Wars" schließen Milo Rau und sein International Institute of Political Murder (IIPM) den mit "You will not like what comes after America" überschriebenen Zyklus zur europäischen Befindlichkeit ab, den sie 2012 mit "Breiviks Erklärung" begonnen und 2013/14 mit der szenischen Talkshowreihe "Die Berliner Gespräche" fortgesetzt haben. Auf Voraufführungen im Rahmen der Europawahlen am Brüsseler Kunstenfestivaldesarts (17. bis 22. Mai) folgt im August 2014 am Theaterspektakel Zürich die Uraufführung (27. August). In der Saison 2014/15 tourt die Inszenierung durch die Schweiz, Deutschland, die Niederlande und Frankreich.