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theater und medien

Maxi Obexer »Illegale Helfer«

Maxi Obexer hat sich einen Namen mit politischen Stücken, Hörspielen und Essays gemacht. So ist DAS GEISTERSCHIFF, ihr bislang am häufigsten gespieltes Stück, eine Auseinandersetzung mit den modernen Flüchtlingskatastrophen an Europas Küsten. Mit ILLEGALE HELFER liegt nun ein neuer Theatertext vor, der gewissermaßen als Fortsetzung des Themas aus innereuropäischer Perspektive zu begreifen ist. 

Die vielzitierte Festung Europa fordert Opfer. Nicht nur von den Menschen, die in Nußschalen Meere überqueren, wie flüchtige Räuber über Land ziehen oder im Versteckten in ständiger Angst vor Entdeckung leben müssen. Sondern auch von jenen innerhalb der Festung, die diese Zustände nicht akzeptieren wollen und sich mit ihrem Helfen selbst in die Illegalität vorwagen.

Was für Menschen sind es, die so konsequent für ihre Überzeugungen eintreten? Sind sie moderne Samariter oder Wichtigtuer mit Helfersyndrom? Ist das, was sie tun, selbstverständlich oder besonders? Was können sie erreichen? Und was sagt ihr Agieren über uns, die wir zusehen und maximal mal eine Online-Petition unterzeichnen?

Klar ist, sie kommen aus der Mitte der Gesellschaft, sind Ärztinnen, Richter, Sozialarbeiter und Studentinnen; sie gehören allen Altersgruppen an und allen Schichten. Einige von ihnen waren als Aktivisten schon mehrfach straffällig; andere riskieren Beruf oder Beamtenstatus. Denn ihre Hilfe steht meist im Widerspruch zur Rechtslage oder befindet sich im Graubereich des Gesetzlichen, nämlich dort, wo menschliche Unterstützung zur Straftat wird. 

Maxi Obexer hat in ILLEGALE HELFER reale Stimmen kondensiert und zu einer dichten, literarischen Reflexionsfläche verwoben, ohne beim Dokumentarischen zu verharren. Ihr Text eröffnet eine neue Perspektive auf eine vielbeleuchtete Thematik und stellt dabei die bohrende Frage nach der eigenen Haltung.

Obexers Stücke wurden u. a. an den Staatstheatern in Braunschweig und Dresden, am Theater Freiburg, am Theater Basel und am Theaterhaus Jena aufgeführt. Obexer lehrte Drama am Dartmouth College, USA, sowie als Gastprofessorin für Szenisches Schreiben an der Berliner UdK und am deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Im Folio Verlag Wien/Bozen erschien 2012 ihr Roman »Wenn gefährliche Hunde lachen«. ILLEGALE HELFER wird im Frühjahr 2015 als Hörspiel vom WDR urgesendet.

Sofi Oksanen: »Finnlands dunkle Königin«

Sofi Oksanen schreibt Theaterstücke und Romane, in denen die Schrecken und Träume von Menschen aufleben, die Diktaturen sowjetischer oder nazistischer Machthaber unterworfen waren. Seit ihrem Welterfolg FEGEFEUER - das Stück wurde in über 20 Ländern produziert und der gleichnamige Roman millionenfach verkauft - gehört Oksanen zu den interessantesten und wichtigsten weiblichen Stimmen der zeitgenössischen Literatur. In der Zeit schreibt Susanne Mayer: »Sie zeigt das Böse, das Menschen sich und anderen zufügen unter den Bedingungen auswegloser Unterdrückung.« Wie zuletzt bei FEGEFEUER, ist auch ihr neues Werk ALS DIE TAUBEN VERSCHWANDEN zeitgleich als Roman und Theaterstück entstanden. Die Uraufführung erfolgte im vergangenen Herbst am finnischen Nationaltheater in Helsinki. Das Stück folgt dem Schicksal dreier Esten während des Zweiten Weltkriegs und danach: Roland, einem prinzipientreuen estnischen Freiheitskämpfer, seinem machthungrigen, skrupellosen Cousin Edgar und dessen Frau Juudit, die sich in einen deutschen Offizier verliebt. Ein meisterhaft komponiertes Werk über Machtstreben, Liebe und Verrat. Estland zur Zeit der deutschen Besatzung: Während sich Roland versteckt hält, weil er immer noch an die estnische Befreiung glaubt, versucht Edgar ins Zentrum der Machthaber vorzustoßen. Seine Frau Juudit verliebt sich in einen hohen deutschen Offizier, nicht ahnend, dass ihr Mann über genau diesen Offizier die Karriereleiter emporklettern möchte. Nach dem Krieg werden die Karten neu gemischt, Estland steht unter der Besatzung der Sowjets, und wieder ist es Edgar, der hofft, seiner Vergangenheit zum Trotz auch bei den Kommunisten eine herausragende Rolle zu spielen. Intrigen und Legenden, Verrat und Heimtücke, Liebe und Familie.

Sascha Hargesheimer: Polen ist mein Italien

Wir freuen uns über einen neuen Autor im Verlag: Mit POLEN IST MEIN ITALIEN debütiert Sascha Hargesheimer bei schafersphilippen ™. Das Stück, das im Juni 2014 an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt wurde und mit dem Hargesheimer den Münchner Förderpreis für neue Dramatik 2013 gewann, erzählt die fiktionale Geschichte des Independent-Regisseurs Bela Roberti, der 1980 in der Nähe von Danzig eines Science-Fiction-Film dreht. Inmitten der postapokalyptisch anmutenden Ostsee-Ödnis gehen Roberti erst das Film-Material und dann die Ideen aus (oder ist es umgekehrt?). Der vom Schicksal gebeutelte Filmemacher flüchtet ob des bevorstehenden Scheiterns seines Films in eine fiebernde Gedankenwelt zwischen Erinnerung und Traum. Er begegnet zwei polnischen Brüdern in ihrem verlassenen Hotel am Meer, einer Kranführerin, die kurz vor ihrer Pension gefeuert wurde und seiner Ex-Frau, die ihn längst verlassen hat. Während die Oppositionsbewegung um ganz reale Verbesserungen ihrer Lebensbedingungen kämpft, verzweifelt Roberti an seinem Beruf, an seinem Leben, an seiner Existenz und seinem Intellekt. Sascha Hargesheimer, der derzeit mit IN SALZ an einem weiteren Stück arbeitet, wurde 1982 in Frankfurt am Main geboren. 2004 gründete er das freie Theater Landungsbrücken Frankfurt, wo auch erste eigene Regiearbeiten entstanden. Es folgten Assistenzen am TAT und Schauspiel Frankfurt, von 2006 bis 2008 war er fester Assistent am Maxim Gorki Theater Berlin sowie Student des Studiengangs Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin und freier Regisseur und Autor. Im April 2015 wird sein erstes Libretto "OHIO" an der Deutschen Oper Berlin zur Uraufführung kommen.

Azar Mortazavi: Neue Stücke im Herbst

»Kaum eine andere junge deutschsprachige Dramatikerin hat einen Debüttext von solch emotionaler Eindringlichkeit und schnörkelloser Sprachkraft vorgelegt«, schrieb ›Theater Heute‹ zu Azar Mortazavis Stück ICH WÜNSCH MIR EINS. Die UA-Produktion des Theaters Osnabrück (Regie: Annette Pullen) wurde u. a. zu den Mülheimer Theatertagen und den Autorentheatertagen am Deutschen Theater Berlin eingeladen. In dieser Spielzeit setzen Annette Pullen und Azar Mortazavi ihre Zusammenarbeit in Osnabrück fort: SAMMY UND DIE NACHT wird dort am 24. Januar 2015 uraufgeführt. Der Dramaturg Peter Helling schrieb zur bedrückenden Aktualität des Stückes: »Wie konnten wir nur annehmen, den Krieg gäbe es nur anderswo? Was uns mit den Kriegen der Welt verknüpft, ist die Tatsache, daß immer mehr Menschen, die den Krieg erlebt haben, mitten in unserer Gesellschaft leben. Diese Menschen bringen ihre Geschichten mit und mit ihnen den Krieg … als seelischen Stoff, als Thema, Sujet, als Kraft.« Zuvor findet die Uraufführung des Stückes ZWISCHENZEIT statt, einem Auftrag der Wiener Wortstaetten, der im Zusammenhang mit dem exil-Dramatikerinnenpreis 2012 ausgelobt worden war. Premiere ist am 17.11. im Theater Nestroyhof Hamakom in Wien statt. In ZWISCHENZEIT erzählt Mortazavi die Geschichte zweier Schwestern und deren Entfremdung. Dabei entsteht ein dichtes Kammerspiel zwischen den Polen einer ersehnten bürgerlichen Existenz und der Suche nach den Spuren des im Iran verstorbenen Vaters (ein Interview dazu mit der Autorin gibt es auf youtube). In der vergangenen Spielzeit hatten Azar Mortazavi und Christine Umpfenbach am Residenztheater einen dokumentarischen Theaterabend über die Münchner Opfer des NSU erarbeitet. URTEILE! ist auch noch in dieser Spielzeit in München zu sehen.

Neuigkeiten
Juliane Kann: virtuose Regie am Staatstheater Darmstadt

»Die Presse ist einstimmig begeistert über Juliane Kanns Darmstädter Inszenierung des ›Prinz Friedrich von Homburg‹.»Der Großteil des Ensemble und die Konzeption Juliane Kanns leuchten. Die Virtuosität von Juliane Kanns Regiekonzept könne aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß Koch das Problem dieser Inszenierung sei» schreibt die Allgemeine Zeitung der Rhein-Main-Presse. Die Frankfurter Rundschau hingegen empfindet Samuel Kochs Besetzung als kongenial: »Die Regisseurin folgt einem Konzept, das nicht nur Samuel Koch, der den Prinzen gibt, entgegenkommt, sondern sich auch als zum Stück passend erweist. Die ungewöhnlichen Positionswechsel geben den Worten oft besonderes Gewicht. Sie wirken hier stärker strukturgebend als die Szenenabfolge. Das Gefühl von Passivität und Ausgeliefertsein wird so nahezu unerträglich.« nachtkritik ergänzt: »Was zunächst nur einengt, wird zur paradoxen Quelle der Freiheit. Wenn Theater aus seiner Ambivalenz von körperlicher Präsenz und ab-/anwesendem Text lebt, bietet das Verfahren "Inklusion" durchaus reizvolle neue Schlüssel an.«

Obexers Hörspiel ILLEGALE HELFER gefördert

Das Hörspiel ILLEGALE HELFER, welches Maxi Obexer für den WDR geschrieben hat, wurde von der Film und Medien Stiftung NRW gefördert. Herzlichen Glückwunsch!

ZEIGENPreis für Milo Rau beim Festival "Politik im freien Theater"

Milo Rau hat den diesjährigen Preises des Festivals Politik im Freien Theater gewonnen. Der Schweizer Theatermacher wurde für sein Stück THE CIVIL WARS ausgezeichnet. Der Preis ist mit € 15.000 dotiert und wird als Zuschuss für eine Gastspieltournee in Deutschland von der Bundeszentrale für politische Bildung ausgezahlt. Im kommenden Jahr zeigt Rau die soeben ausgezeichnete Produktion sowie sein Erfolgsstück HATE RADIO bei Gastspielen u.a. in Paris und Berlin. Für das Residenztheater München entsteht mit THE DARK AGES eine weitere Arbeit.

Deutscher Hörspielpreis für Rimini Protokoll (Haug und Wetzel)

Der Deutsche Hörspielpreis der ARD geht an Daniel Wetzel und Helgard Haug für ihr Hörspiel »Qualitätskontrolle oder warum ich die Räusper-Taste nicht drücke«. Der Preis wurde von einer Expertenjury um den Literaturkritiker Jochen Hieber vergeben und ist mit 5.000 Euro dotiert. Die Jury begründet ihre Entscheidung wie folgt: »Das neue Stück ist ein Triumph der Sprache. Maria-Cristina kann sprechen, weil der Zwerchfellstimulator und die Lungenmaschine es ermöglichen und weil sie es will. Und weil es ein Triumph der Sprache ist, ist es auch einer des Radios. „Qualitätskontrolle“ erzählt vom Nie-allein-sein-Können, von Versehrtheit, Verzweiflung, Not, emphatisch auch vom ethischen Dilemma der modernen Medizin – und wird darüber zu einer großen Eloge auf das Wagnis der Existenz. Eine durch ihre Lakonie beeindruckende Dokumentation und artistisch wie technisch brillante Inszenierung finden zu einer Synthese, die uns ergreift und beglückt.« Wir gratulieren sehr herzlich aus Köln!

Münchner Förderpreis für Christine Umpfenbach

Christine Umpfenbach wird mit dem zum ersten Mal von der Landeshauptstadt München verliehenen Förderpreis Theater für ihre künstlerische Arbeit ausgezeichnet. Der mit 6.000 EUR dotierte Preis würdigt eine künstlerisch herausragende Leistung oder eine ungewöhnliche künstlerische Position im Theaterbereich. In der Jury-Begründung heißt es u.a.: »Zur Auseinandersetzung mit der Münchner Stadtgeschichte und dem aktuellen urbanen Leben vor Ort haben Christine Umpfenbachs Arbeiten wesentliche Beiträge geleistet. Beispielhaft dafür ist ihre wohl bekannteste, mit den Münchner Kammerspielen entwickelte Produktion ›Gleis 11‹ (gemeinsam mit Paul Brodowsky). Auch für ihr Projekt URTEILE (zusammen mit Azar Mortazavi) zum gegenwärtig in München stattfindenden Prozess gegen die neonazistische Terrorzelle NSU hat sie eine inhaltlich wie ästhetisch überzeugende Perspektive gewählt, indem sie nicht die Täter oder den Prozess in den Mittelpunkt stellt, sondern das soziale Umfeld der Angehörigen der Münchner Opfer. Christine Umpfenbachs Blick ist von großer Empathie und klarem Realitätssinn gleichermaßen geprägt. Das hilft ihr dabei, in jedem Augenblick zwischen gut gemeint und gut zu differenzieren. Und sich zuverlässig für Letzteres zu entscheiden.«

Tod, ach der Langweiler! ..... Album und Buch von PeterLicht

»Leben, Wahrheit, Zukunft, Freiheit, Liebe: Alles beginnt zu schillern. PeterLicht renoviert in seinem Buch und Live-Album "Lob der Realität" die Kapitalismuskritik« von Alexander Gumz in "Der Zeit" zu Buch und Album von PeterLicht.

Kritiker-Umfrage: Luz und Rüping Nachwuchsregisseure 2014

Bei der jährlichen Kritikerumfrage des Fach-Magazins »Theater heute« ist Thom Luz mit seinen Inszenierungen »Archiv des Unvollständigen« und »When I die« zum Nachwuchsregisseur des Jahres 2014 gewählt worden. Auf ihn entfielen 4 Stimmen plus 2 aus der Hauptkategorie. Christopher Rüping ist mit 3 Stimmen Zweitplatzierter. Wir gratulieren!