In ihrem neusten Text nimmt die Autorin Barbi Marković die Beziehung von drei Schwestern in den Blick. Diese drei stehen einander so nah, daß sie sich gegenseitig bei der kleinsten Bewegung zwangsläufig verletzen. Sie leben eine brutale Beziehung ohne jegliche Filter, ohne Distanz und ohne Selbstkontrolle. Sie spielen ein Strategiespiel. Denn die drei Schwestern sind untereinander gnadenlos verwandt. »Wie eine Spaghetti auf einem Teller. Du weißt, daß du eine von ihnen bist, kannst aber nicht herausfinden, welche.« Hier tragen starke Frauenfiguren die Kämpfe, Ärgernisse und Freuden des Lebens unter sich aus.
In fast allen Bereichen des Lebens greift KI bereits in den Alltag ein. Dahinter steht der Traum von der Perfektion. Neben diesem Siegeszug des Tempos, der Genauigkeit, der Präzision wirkt der menschliche Körper seltsam zerbrechlich und schwach, unvollkommen. Aber liegt darin nicht genau das, was Menschen unkopierbar macht: das Zögern, die Unberechenbarkeit des Gefühls und die Kraft, Veränderung zu denken? In einer neuen Kollaboration gehen der Autor und Regisseur Falk Richter und die Choreografin Anouk van Dijk diesem Gegensatz auf die Spur.
Eine Gruppe ungleicher Gefährt:innen macht sich auf zu einer Spurensuche, um der Frage nach der Geschichte und den Geschichten Frankfurts auf den weit verzweigten Haupt- und Nebenstraßen, Handelswegen und Gassen der Stadt nachzugehen. Eine Reise durch Zeit und Raum auf und über die kritische Infrastruktur, die alles verbindet und zusammenhält – die Straße. Und natürlich braucht jede gut organisierte Reise eine:n Reiseführer:in, um französischen Fauxpas, fettigen Fettnäpfchen und fiesen Fallen aus dem Weg zu gehen.
Es ist der 31. Dezember 1999. Der Tag, an dem die Computer Amok laufen, die Banken kollabieren und die Atomkraftwerke schmelzen. Oder doch nicht? Sandra Schwartz und ihr Mann Polli, die Inhaber der Pension Schwartz, sind jedenfalls auf das Schlimmste vorbereitet. Doch dann buchen sich kurz vor dem Silvesterabend zwei Gäste bei ihr ein, die sich äußerst sonderbar verhalten.
Vanessa ist obsessed mit den Geschichten hinter der Geschichte: dem Trauma hinter dem Schweigen des Vaters, der nun den Asialaden verkauft, der die Familie über Jahre ernährt hat. Vanessa liest: Hannah Arendt, David van Reybrouck. Vanessa referiert: über den naziverseuchten BND und seine Rolle im Kampf gegen die Dekolonisierung, über den Zusammenhang von Kolonialismus und Nationalsozialismus – und alle sind überfordert. Der Kolonialismus als Räume, Formate und Psychen überwältigendes System, für das Federer dennoch eine radikale, kühne, eine berstende Form findet. Postkolonialismus für das Theater des 21. Jahrhunderts.
Etwas ist faul in diesem »bad kingdom« der Gegenwart. Seine Bewohnerinnen und Bewohner sind verunsicherte Menschen in einer großen Stadt. Sie fragen sich, wie sie umgehen sollen mit dem Gefühl, inmitten einander sich immer schneller überlagernder Krisen allmählich den Boden unter den Füßen zu verlieren. Sie suchen nach Wegen aus ihrer Einsamkeit oder schrecken zurück vor zu viel Nähe. Sie fragen sich, wie sie in ihren verwirrenden Beziehungen und Freundschaften, die sie führen oder gerne führen würden, Sicherheit und eine Zukunftsperspektive finden können.
Dante Meyrowitz arbeitet als Risikocontroller. Nach neun Jahren im Job gleicht seine Existenz einer einzigen, schlafwandlerischen Risikovermeidung: Im täglichen Hamsterrad von katalogdicken Excel-Tabellen, Ritalinabhängigkeit und ausgefahrenen Ellenbogen am Arbeitsplatz, fühlt er sich mittlerweile wie ein Statist im eigenen Leben. Als er schon beginnt nach »stillem und sauberem Selbstmord« zu googlen, steht eines Morgens Tim Würfel, »staatlich anerkannter« Betreuer, vor seiner Tür.
Ein Mensch hat Erfolg im Beruf. Er lebt in einer Gesellschaft, in der Leistung eine wichtige Rolle spielt. Der Staat kümmert sich nur wenig um seine Bürger*innen. Das meiste regelt die freie Wirtschaft. Der Mensch arbeitet, damit es ihm gut geht. Manchmal vergisst er dabei, dass er einen Körper hat. Dann wird er krank. Der Staat hilft dann kaum.
In der geschlossenen McDonald’s-Filiale entrollt sich ein absurdes Kammerspiel: Zwei Angestellte wischen Böden, als immer mehr Menschen auftauchen – hungrig, verloren, getrieben von Bedürfnissen, die längst über den bloßen Appetit hinausgehen.
Ein Büroangestellter erfindet sich einen Geliebten, eine Katze philosophiert über unstillbare Gier, und irgendwo dazwischen eskaliert der Ärger mit DHL.
Wie kann der Mensch es schaffen, im Bewusstsein dafür zu leben, dass wir nicht allein sind, dass wir uns die Erde teilen? Diese Frage wirft Stanisław Lems 1983 erschienener Text Eine Minute der Menschheit mithilfe einer fiktiven Buchrezension auf: Der Text ist ein Buch über ein Buch, das versucht, festzuhalten, was in einer Minute auf der Welt passiert, was die Menschheit also in sechzig Sekunden erlebt, einander antut und zerstört. Diskutiert werden dabei Statistiken über Tod, Fortpflanzung, Überbevölkerung und Ressourcenknappheit, aber auch die pro Minute produzierte Kunst, entrichtete Kirchensteuer oder von Menschen verspeisten Tiere.
Caligula will zum Mond, koste es, was es wolle: seinen Schlaf, daß er sich bei Elon Musk anbiedern muß oder satte 28 Milliarden Dollar. Angetrieben von dem Wunsch nach Handlungsfreiheit und unendlichem Wachstum, befindet sich der rastlose junge Mann in einem Strudel der Gier. Immer weiter, höher und schneller muß er über sich hinauswachsen. Nur gut, daß sein Bitcoin-Kontostand stetig steigt. Von Rom bis Tokio versucht Caligula alle, die ihm begegnen, von seiner Mission zu überzeugen, sei es seine Mutter, Oli Kahn oder den Mond selbst.
Espansa hätte eigentlich Esperanza heißen sollen. Dass ihre Mutter zwei Buchstaben weggelassen hat, war nur der Anfang, denn sie hat eine ganze Menge bei ihrer Tochter weggelassen. Weil sie so gut wie nie aus ihrem Bett steigt, sorgt Espansa für sich selbst, und um nicht so allein zu sein, stellt sie sich Zuschauer*innen vor, denen sie über ihr Leben erzählen kann.
ESPANSA lässt hinter die Fassade eines perfekt funktionierenden Mädchens blicken, das seine Fantasie zum Königreich gemacht hat, und lädt die Zuschauer*innen ein, sich selbst zu positionieren. Wo schauen wir weg, wie schauen wir hin?
EVA RIPPE ist ein leuchtendes Triptychon. Satire und Ernst, Humor und Gewalt, Erzählung und Glaube prallen in drei Teilen aufeinander, immer auf der Suche nach den Gelenkstellen: Wie wurde »Gott« in der christlichen Vorstellungswelt zum »Mann«? Was kann es konkret bedeuten, im 21. Jahrhundert weiblich und katholisch sozialisiert zu sein? Welche Folgen hat die Idee vom Menschen als Krone der Schöpfung über die Kirchen hinaus?
Mythologische Ursprünge der biblischen Schöpfungsgeschichte werden freigelegt. Die Jungfräulichkeit der Gottesmutter Maria wird zur Übersetzungsfrage. Ideale von Mutterschaft und Familie befragen sich selbst. Körper und Geist fallen sich in die Arme. Gesetze, Kalender, Lebenswirklichkeiten: Schicht für Schicht wird das patriarchale Denken selbst als Überschreibung dekonstruiert.
EVER GIVEN widmet sich dem Kollaps. Was, wenn ein Mensch, ein Organismus, ein ganzes System nicht mehr weitermachen kann wie bisher? Was, wenn alles, was zuvor selbstverständlich schien, plötzlich ausgehebelt wird? Was geschieht im Stillstand? Die Protagonist*innen auf der Bühne sind Menschen, die eine radikale Zäsur erfahren oder gesucht haben – konfrontiert waren mit einer Nachricht, einem Schicksalsschlag, einer Diagnose. Mit einem Nichts-geht-mehr!
In ihrem Monolog lässt sich Fatima Çalışkan faszinieren von der Langeweile und Oberflächlichkeit popkultureller Männerliteratur der Nullerjahre und findet labernd ihre feministische Antwort. Inspiriert von Christian Krachts Faserland und Laberpodcasts mit männlicher Doppelbesetzung beschäftigt sich Fatima Çalışkan mit dem Klischee des jungen, westdeutschen Akademikers, der umringt von Statussymbolen und Erfolgen bei einem Glas Champagner als Checker durchs Leben schreitet. Sie hinterfragt in „Faserland-Boys und Ich“ den popkulturellen Zeitgeist der Jahrtausendwende aus weiblicher, postmigrantischer Perspektive.
Felix Krull ist die vielleicht modernste Figur von Thomas Mann, ein Hochstapler, der sich durch seine Sprache und Erscheinung inszeniert. In seinen »Bekenntnissen« betreibt er das, was längst zu unserer medialen Welt gehört: Selbstdarstellung. Felix Krull ist ein Vorfahr all derer, die »sich performen«, angetrieben von seinem fragwürdigen Status als Sohn eines Schaumweinfabrikanten, der bankrott macht und sich das Leben nimmt. Felix wird zum aufsteigenden Stern in einer Hotelwelt, in der ihn Luxus und Reichtum umgeben, ohne dass sie ihm gehören. Wer würde da nicht gern eine neue Identität annehmen und ein anderer werden?
Anne Lepper lässt die Ehefrau Bonnie ausziehen aus einem System der Entmündigung. Sie braucht anscheinend Theorie, um aus diesem Schlamassel herauszufinden, in dem Frauen* immer die Benachteiligten und Reproduktionsbeauftragten sein sollen. Und was ist das bitte für eine Idee, diese Reproduktion? Kommt da jemals etwas Neues oder Gerechteres? Lepper formt die geradezu absurden Geschlechter-Ungerechtigkeiten unserer Welt zu einer sprachlich dichten Komödie des Denkens.
FREMDE SEELEN ist eine Ermittlung. Und wie jede Ermittlung ist sie von dem Wunsch angetrieben, Licht in gewisse Sachen zu bringen, die auf unerklärte Weise geschehen sind: der Suizid eines Pfarrers vietnamesischer Herkunft in einem kleinen Dorf in den Schweizer Voralpen zu Anfang der 2000er Jahre – nur drei Jahre nach seinem Amtsantritt. Es ist das Dorf der Mutter von Eva-Maria Bertschy.
Auf einer leeren Theaterbühne begegnen sich Figur und Autor. Eigentlich hätte heute Abend das Stück »11 Begegnungen mit dem Tod« des Autors gespielt werden sollen, aber die Figur weigert sich, in den brutalen Tod zu gehen, der ihr vom Autor zugeschrieben wurde. So treten die beiden in Dialog über die verlorene Liebe und das Sterben. Während um sie herum das Theater ab- und neu aufgebaut wird, werden sie einander zur Trostgemeinschaft.
Im Haus am Ende der Straße ist gerade eben einer gestorben. Die Anwohnerschaft durchsucht den Nachlass auf Gegenstände, die sie in ihren Besitz nehmen könnte. Die Geschichten und Erinnerungen spinnen sich um die Dinge, laden die Gegenstände mit Bedeutung auf und erschaffen so ein Leben, das es ja nicht mehr gibt und so wahrscheinlich nie gegeben hat. Im Nachlass findet sich auch EIN KLEINER ROBOTERHUND, der ausgesandt wurde von der Firma Afterlife, um sich als Trauerbewältigungshelfer anzubieten.
Für Vater, Mutter, Kind 1 und Kind 2 ist die einzige Verbindung zum Draußen ein Lüftungsschacht, durch den mitunter Münzen und Zigaretten-Kippen fallen. Sie essen Suppe, beschwören ihren Zusammenhalt und ihre Liebe zueinander und erzählen Geschichten vom Draußen, wo die Barbaren leben. Kläy findet in ihren fein komponierten Dialogen Sprachbilder von poetischer Kraft und beschwört große Gegenwartsthemen zwischen Xenophobie, Abschottung, Hoffnung und Freiheit.
Hannah Zabrisky will nicht auftreten. Sie will das Stück, das sie seit Wochen probt, nicht mehr spielen. Vor den Türen des Theaters tobt ein Clusterfuck an miteinander verwobenen Problemen: immer schneller eskalierende Kriege und politische Konflikte, abschmelzende Demokratien, Disruption. Hannah will ein neues Skript, eine andere Konfrontation mit sich und der Welt. Es gab mal eine Intensität in ihrem Leben, einen Glauben daran, daß die eigene Kunst etwas verändern könnte.
Ein Bauernhof im Mannheimer Umland, 1923: Die neue Chorleiterin Luise hinterfragt bereits nach kurzer Zeit die Methoden der Gemeinschaft, die das jährliche Ferienlager ausrichtet. Auch Lokalreporterin Ruth hegt seit geraumer Zeit Verdacht gegen den Heimleiter Heinrich und recherchiert im Umfeld. Als kurz darauf im nah gelegenen Wald eine Leiche entdeckt wird und der Mordverdacht auch noch auf den Betreuer Luis fällt, eskaliert die Situation …
Nach Jahrhunderten durchzechter Nächte als ewig Sehende all der vorausliegenden Stellvertreterkriege, Tsunamiwellen und Reaktorunfälle – dabei aber nie Gehörte – setzt Kassandra einen Schlussstrich und verabschiedet sich aus der Öffentlichkeit. Bevor sie ihre Karriere als Mythos an den Nagel hängt, lädt sie noch einmal ein: zur kleinen Verabschiedung im großen Kreis, zum Abschiedskonzert. Auf Nimmerwiedersehen ihr ungläubigen Gesichter, die ihr nicht glauben wollt, dank Apolls Fluch, nicht glauben könnt. Adé Publikum. Das war’s. No more Kassandra.
An seinem 15. Geburtstag darf das kleine Meerjungraun endlich an die Meeresoberfläche schwimmen – und entdeckt Ungeheuerliches: einen Marcomann! Wunderschön und auf geraden Beinen. Sofort wird das Meerjungraun von wilden Wünschen gepackt, halb Begehren, halb die Sehnsucht, anders zu sein. Im Tausch für die neue Norm verzichtet es auf Flutschigkeit, schillernde Schuppenpracht und seinen grossen glitzernden Schwanz – und zahlt dafür in der neuen Welt den Preis der Unsichtbarkeit und des Schweigens.
Generationenkonflikte, politische Geschichte, Liebe und Tod. Unbeschwert und humorvoll sucht Rau nach Möglichkeiten, was populäres Theater heute sein kann. Von der Geschichte der Jeanne d’Arc bis zu Tschechows ›Die Möwe‹ entfaltet sich das Stück auf mehreren Ebenen, in einem ständigen Wechselspiel zwischen Kunst und Leben. Selbst die Toten kehren mit Hilfe eingespielter Stimmen auf die Bühne zurück.
Sie sind bekannt für boulevardeske Diskurs-Komödien und große Lust am Fabulieren: Das Regie- und Autor:innen-Duo StuhlerKoslowski begibt sich mit dem Ensemble auf literar-archäologische Mission und befördert das nahezu verschollene Werk einer Aachenerin ans Licht der Gegenwart. Kennen Sie noch Delphine Gay? Oder gar »Lady Tartuffe«, ihre ulkige »Tragédie« um arrangierte Ehen, halsbrecherische Intrigen und ein dunkles Geheimnis? Zugegeben, das Schaffen der gebürtigen Aachenerin ist etwas in Vergessenheit geraten. Dabei zählte sie Mitte des 19. Jahrhunderts als Dichterin und Dramatikerin zu den zentralen Figuren der Pariser Kulturszene.
Der gefeierte Regisseur Erik Lind soll König Lear von William Shakespeare inszenieren. Jetzt liegt er nach einem Herzinfarkt in einer Klinik. Die Tochter tritt sein Erbe an, um seine letzte große Inszenierung zu retten. In stürmischen Probennächten taucht sie in die Geschichte des alten Königs Lear und in die ihrer eigenen problematischen Beziehung zu ihrem Vater ein.
DAS LETZTE BIER ist ein kleines, feines Stück über den großen Durst, ein Beckett für Biertrinker und solche, die es gerne waren, ein Stück über Freundschaft, Verlassenheit und Trost, voller Humor, Bierphilosophie und Menschenliebe für die Verlorenen, die sich noch einmal für ein letztes Bier zusammenfinden.
Die gigantischen Konzerne Always und Never ringen um die Monopolstellung auf dem Markt und um die Erfindung des nächsten innovativen Frauenhygieneartikels. Die CEOs Franka und Bettina wollen die Firma der jeweils anderen aufkaufen und sich gegenseitig an den Kragen. Ihre Kinder buhlen um das Erbe und um die Zuneigung ihrer Mütter, während deren Vertraute, Beraterinnen und Praktikantinnen eigene Karrierechancen wittern. Vielschichtige Intrigen und Affären entspinnen sich, genauso wie unerwartete Allianzen.
Der französische Autor Georges Perec zählt zu den bedeutendsten und innovativsten des 20. Jahrhunderts. Jeder seiner Romane folgt einem anderen formalen Konzept – fast alle genießen Kultstatus. 1968 schrieb er im Auftrag des SR/WDR ein Hörspiel, in dem eine Maschine die Aufgabe hat, ein Gedicht zu analysieren. Perec, dessen Vater im Krieg gegen die Deutschen fiel und dessen Mutter vermutlich in Auschwitz-Birkenau ermordet wurde, wendet Techniken der Informationstheorie und Programmiersprache ausgerechnet auf das wohl berühmteste deutsche Naturgedicht an: »Wandrers Nachtlied« von Johann Wolfgang von Goethe. In Perecs Hörstück kommunizieren keine Menschen sondern Schaltkreise. Was dabei allerdings zu Tage tritt, ist nicht nur die analytische Arbeitsweise künstlicher Intelligenz – überraschenderweise offenbart sich in der sprachlichen De- und Rekonstruktion des Gedichts auch die Funktionsweise von Poesie.
In ihrem dritten Roman erzählt Barbi Marković die Geschichten von Mini und Miki und ihren Abenteuern im städtischen Alltag. Mini und Miki sind nicht von hier, aber sie bemühen sich, dazuzugehören und alles richtig zu machen. Trotzdem – oder gerade deswegen – werden sie verfolgt von Gefahren und Monstern, von Katastrophen und Schwierigkeiten. Es geht um die großen und kleinen Albträume des Mittelstands, um den Horror des perfekten Familienfrühstücks, um Mobbing am Arbeitsplatz und gescheiterten Urlaub, um den Abgrund, der sich im Alltag auftut und nicht mehr schließen will.
Sieben junge Menschen der Generation Z begeben sich auf einen Trip in die Nacht. Man sagt ihnen nach, sie seien unentschlossen, latent depressiv, ängstlich. Es ist das größte Missverständnis aller Zeiten. An diesem Abend haben sie etwas vor. Sie begeben sich auf eine Reise durch die Straßen und Plätze ihrer Stadt – und damit auch durch ihre eigenen Biographien und Glaubenssätze. Sie sind neugierig, traurig, zornig, verwundbar. Doch sie verstecken ihre Verwundbarkeit nicht. Sie machen sie zu ihrer Waffe.
Auf dem Lindenhof geben sich Idylle und Öde die Hand. Bis Viktor und Sabrina dort auftauchen, um eine Dokumentation über eine Familiendynastie in der Wirtschaftskrise zu drehen. Die beiden Künstler*innen treffen dort auf die Geschwister Paul, Krimi und Günther sowie auf deren Cousin Hagen. Natürlich verliebt sich Viktor in Krimi und Günther will unbedingt Sabrina. Ein Bund zwischen den beiden Männern soll das Liebesglück sicherstellen. Viktor verfällt allerdings beim Dreh seiner Machtgier und wird Teil des Geschehens. Er treibt die Lindenhof-Gesellschaft an, bis er selbst Leidtragender der Auswirkungen wird und seine Freundin eine Entscheidung treffen muss, ob sie zur Rächerin wird. Ohne sich dessen bewusst zu sein, wandeln sie alle auf den Spuren des Nibelungenmythos.
Viktoria kehrt zu ihrer Familie ins Berner Oberland zurück.
Zu Mutter, Schwester, Sohnemann, Onkel, Franz, zu 91 Skiliften und 230 Pistenkilometern Einsamkeit.
Langsam fächert sich der Schmerz der Daheimgebliebenen und der Zurückgekehrten auf. OBERLAND erzählt von Gebirgsketten so hoch, dass dahinter kein Horizont mehr wartet, und dem Unvermögen der Figuren, ihrem eigenen Schicksal zu entfliehen. Weil nach dem Après Ski, da wartet nur noch, da wartet nur noch –
Eines Tages muß das Mädchen Pembo mit ihrer Familie ihre Heimat verlassen und nach Deutschland umziehen. Pembo will aber nicht. Sie liebt die Sonne, das Meer und die Freunde in ihrer türkischen Heimat. Aber dann entdeckt Pembo, wieviel Kraft und wieviel Herz sie hat, um auf das Neue zuzugehen - und aus Halb und Halb ein rundes, glückliches Leben zu machen.
Das traditionsreiche Theater Helios pfeift aus dem letzten Loch. Generalintendant Geldoff kämpft wie ein Ertrinkender um seine Vertragsverlängerung. Nur ein großer Theaterabend könnte die Zukunft der Bühne sichern – und so setzt er alles auf eine Karte und engagiert einen erfolgreichen und teuren Jungregisseur, der mit dem Portal die Gunst der lokalen Kulturpolitik zurückgewinnen soll. Chefdramaturg Eisenstern hat derweil eigene Pläne.
Was bedeutet im Zeitalter der manipulierten Bilder und Gesichter eigentlich noch der Begriff Schönheit?
Wilke Weermann beleuchtet unseren Schönheitsbegriff im Schatten des heutigen durch Social Media geprägten Körperkults und interpretiert einen der bekanntesten Romane der Moderne neu: Das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wilde (1854 – 1900).
Für das Rentier Ralf-Rüdiger ist klar: Weihnachten ist das Fest des Friedens, der Freude und der Liebe. Aber wo genau er es finden kann, da ist er sich noch nicht so sicher. Also macht er sich auf die Suche: im Kaufhaus der Wolkenkratzerstadt, beim Schoko-Laden, bei den Fellfriseuren, Hufschnitzern und beim Schlittenhändler. Doch überall soll er nur etwas teuer einkaufen! Frieden, Freude und Liebe? Keine Spur!
Ferenc Molnárs Stück Die rote Mühle (1924) zeigt die Teufel bei der Arbeit. Mithilfe einer Menschenverderbungsmaschine programmieren sie einen ehrlichen Mann zu einem Spekulanten um. Jetzt, einhundert Jahre später, holt Nis-Momme Stockmann Molnárs Motive in die Gegenwart. Ein Großunternehmen besetzt den Ort des Diabolischen.
»Rue d'Armenie« beginnt damit, daß jede der drei Hauptfiguren in schönster postdramatischer Form die Geschichte eines anderen Charakters erzählt. Diese sind: Ein Junge, der bei dem Versuch Geld für die weitere Flucht zu verdienen, in eine Prügelei mit anderen Geflüchteten gerät. Ein Mann, den ein Flirt in einer illegalen Schwulenbar zum Gejagten macht und eine Frau, die mit einer öffentlichen Kunstaktion gegen die Vermüllung der Stadt den Ärger der Gesetzeshüter auf sich zieht. Im zweiten Teil stranden die drei Protagonist*innen an einem Kiosk. Die zufällig zusammengewürfelte Gemeinschaft kümmert sich umeinander, pflegt die Wunden der anderen und spricht sich Mut zu. Beobachtet von einem Kioskbesitzer, der beschlossen hat, grundsätzlich keine Stellung mehr zu beziehen. Das »Happy End« bleibt dem Film überlassen. Im dritten Teil wird über die Bilder der schlafenden Protagonist*innen erzählt, wie es mit ihnen weiter geht. Aber kann es in dieser Welt ein Happy End geben oder sehen wir nur eine weitere Station in einem Lebenskampf, der gar nicht gewonnen werden kann?
Basierend auf Lebensgeschichten von Kriegsfotograf:innen und eigenen Erlebnissen geht Regisseur Milo Rau in diesem Monolog der Zerbrechlichkeit unserer Gewissheiten auf den Grund. Warum ist Gewalt so verführerisch? Was bleibt, wenn Krieg und Terror die uns bekannte Welt zerstören?
Für sein autofiktionales Stück »The Silence« geht der Autor und Theaterregisseur Falk Richter zurück in die eigene Familiengeschichte. Sein Vater verstarb, ohne dass eine versöhnliche Aussprache mit dem Sohn stattfinden konnte. Im Dialog mit seiner Mutter nimmt er jahrzehntelang nicht ausgesprochene Wahrheiten, verdrängte Geheimnisse und unaufgearbeitete Traumata in den Blick, die ihn bis zum gegenwärtigen Tag nicht in Ruhe lassen.
Eine Fortschreibung der Orestie letzter Teil.
Im dramatischen Kampf um ein Ende des Blutrauschs bringt Athene die unversöhnlichen Seiten zusammen und startet das mühsame Geschäft der demokratischen Verhandlung: Sie zollt allen Respekt, sucht nach Kompromissen, schafft eine gemeinsame Gesprächsgrundlage. Neben Klytaimnestra kommen auch Kassandra, Elektra und die geopferte Iphigenie erneut zu Wort und erzählen ihre ungehörten Geschichten zu Ende.
Kulturkämpfe sind Kassenschlager. Nicht nur ideologisch. Es liegt also nahe, dass sich Filmregisseurin Gordon dem vermeintlichen Tugendterror woker Minderheiten widmet. Mit einem nicht unüberspannten Team wagt sie sich an eine Neuverfilmung von George Orwells Klassiker 1984: ein dystopischer Weltbestseller über eine totalitäre Gesellschaft und einen verunsicherten Helden, der gegen Denk- und Sprechverbote kämpft, gegen Überwachung, Neusprech und Gedankenpolizei.
Sasha möchte unbedingt zaubern lernen und übt den berühmten Trick mit dem Hut und dem Kaninchen. In Wahrheit aber geht es um etwas Größeres: den Wunsch, den geliebten Opa wieder nach Hause zurückzuzaubern. Als plötzlich der kauzige Zauberer Bohoniki auftaucht, beginnt eine Reise voller Überraschungen. Gemeinsam mit einem großen, weißen Kaninchen, einem rätselverliebten Zwerg und einer entspannten Gartenelfe entdeckt Sasha, dass echte Magie selten dort liegt, wo man sie erwartet.
Ein Wissenschaftler erfüllt sich einen Menschheitstraum, baut eine Zeitmaschine – und landet im Paradies: Im Jahr 802.701 leben die Menschen in beinahe kindlicher Unbefangenheit, befreit von Hunger, Lohnarbeit und Gewalt. So scheint es jedenfalls. Doch je länger sein Aufenthalt dauert, desto mehr muss der Zeitreisende erkennen: Der schöne Schein trügt. Tief unter der Erde, in stockfinsteren Tunneln zwischen dröhnenden Maschinen, lebt eine zweite Gesellschaft. Und die Wesen an der Oberfläche? Sind nicht viel mehr als deren Fraß. Nichts wie weg. Aber wo ist die Zeitmaschine?





































